Dienstag, 12. Januar 2016

Ich fahre nach Leipzig

Gerade habe ich mich zum 100. Deutschen Katholikentag im Mai angemeldet, als Mitwirkender. Ich habe diese Großveranstaltungen in den letzten Jahren nicht selten mit gemischten Gefühlen und meistens nur aus der Ferne betrachtet. Nun aber findet er in meiner Heimat statt, der Katholikentag: 48 km von meinem Geburtsort entfernt, und 30 km von da, wo ich zur Schule - und von wo aus ich ins Priesterseminar gegangen bin. Und Katholikentage sind was Gutes, besonders für Katholiken, besonders in der Diaspora. Wir hier als 0,08%-Minderheits-Kirche in der südrussischen, viermal-Deutschland-großen Diaspora können nur davon träumen, einmal mit 1000(-den) Menschen zusammen Eucharistie zu feiern, zu beten, zu hören und zu sehen, wie es da und dort geht, wie Gott ruft, sich einmischt, schweigt und doch da ist, ... wie gut er ist.
Als Antwort auf meine Anmeldung kann ich nun dieses Fensterchen einsehen: "Gespräch, Ein Deutscher als Bischof in Russland, Biographisches Gespräch, Funktion in der Veranstaltung: Gesprächspartner, Freitag, 27.05.2016, 14.00–15.30 Uhr, Verantwortlich Strehler, Miriam, Zuständig Paßen, Ruth" 
Wie anders das mir noch unvertraute Thema des Katholikentags aus meiner Perspektive klingt, bemerkte ich gerade beim mehrmaligen Lesen. Mir klingt da die Stimme einer alten russlanddeutschen Großmutter im Ohr, die statt "Mensch" das Wort "ist" unterstreichen (betonen) würde: Probieren Sie's mal, spaßeshalber. Ich stand einst (Juni 1983) vor einer klingellosen Wohnungstür im Treppenhaus. Auf mein zweites Klopfen öffnete jene Frau die knarrige Tür einen Spalt weit und rief nach hinten in die Wohnung: "Gottlieb, da is ä Mensch für dich!"