Donnerstag, 11. Februar 2016

Statt ins Büro ging´s zur Beerdigung

"Tote begraben" - heißt eins der sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit, noch in der altgewohnten Formulierung. Im neuen Gotteslob ist es besser ausgedrückt, nur schwerer auswendig zu lernen. Seiner hinterbliebenen Ehefrau gegenüber wäre es unbarmherzig gewesen, wenn ich heute nicht gekommen wäre. Sie ist eine gute, einfache, mit den Nöten anderer mitfühlende und grundauf ehrliche Frau. Im Laufe des vergangenen Jahres hatten wir versucht, den beiden zu helfen, denn es schienen große medizinische Eingriffe nötig. Zweimal fuhren sie mit einer Überweisung bis nach Moskau - umsonst, wie sich später herausstellte. Heute Morgen machte ich mich auf den Weg in das 90 km entfernte Dorf, wo der offene Sarg mit dem Verstorbenen seit zwei Tagen im kleinen Wohnzimmer stand. Rechts und links davon: Stühle, besetzt mit den engsten Angehörigen und alten Frauen aus dem Dorf. Da die Ehefrau sicher nicht zum Requiem in die Stadt hätte kommen können, feierte ich die heilige Messe mit Pater Bosco direkt am Kopfende des Sarges, auf dem Schränkchen, auf dem sonst wohl der Fernseher stand. Das Messbuch mußten wir auf zwei übereinandergestellte Stühlchen daneben legen. Während der Sarg dann in einem Lieferwagen im Schritttempo zum Friedhof vor dem Dorf gefahren wurde, lief die kleine Trauergemeinde hinterher (Foto). 1997 hatte ich zum ersten Mal auf diesem Friedhof gestanden und den damals vermeintlich einzigen Katholiken des Dorfes beerdigt. Es gäbe viel Schönes zu erzählen über die Jahre, die darauf folgten, bis zum heutigen Tag. Ein andermal.