Mittwoch, 9. März 2016

Andere Welten

Es gehört ja eigentlich nicht zum Katholischsein in Südrussland dazu, aber weil's so schön war,... Ich weiß nicht, wieviele Monate es her ist, dass ich mit einer Saratower Jak-42 geflogen bin. Viele, jedenfalls. Als ich die Treppe ins Heck hinaufzusteigen begann, kam der altbekannte Moment, in dem plötzlich der Wind um die Ohren weg ist. Und da war er wieder, der "vertraute", unverwechselbare Geruch aus dem Inneren die Maschine, der zu sagen schien: "Willkommen in der UdSSR!" Ich hatte es nicht weit bis zur 4. Reihe von hinten, zwängte Tasche und Jacke ins viel zu kleine Gepäckfach und setzte mich ans Fenster in den zwar ausgesessenen, aber superweichen Sessel mit seiner hohen Lehne, in die man sich wie bei Oma und Opa kuscheln kann. Da kommt kein moderner A-... und keine amerikanische B-... mit. Dann wurden die drei Turbinen gestartet, die mich hinter der Außenhaut umgaben, so dass ich meinen Nachbarn nicht mehr reden hörte. Nostalgie! Der Pilot flog ausgezeichnet und setzte wunderbar auf. Dann ging's in die nächste Welt, ins moderne, teure Moskau. Eine S-Bahn Fahrkarte kostete mich 1000 Rubel. Ich kenne Rentner, die 6500 im Monat bekommen und kaufe manchmal günstige Flugscheine Saratow-Moskau für 1500. Nur zum Vergleich. Die Leute auf der Straße laufen hier schneller als bei uns, (wie in Frankfurt). Halb zehn war ich an der neugotischen, von allen Seiten angestrahlten Backstein-Kathedrale, hinter der unser Erzbischof wohnt. Per SMS hatte er mich kurz vorher zum Abendessen eingeladen. Wir kamen ins Erzählen, ins uns gegenseitig Erzählen, wie es zurzeit um Dinge steht, die vor wenigen Jahren ganz anders aussahen. Es ist schwer, zu planen und schön, Christ zu sein. "Es gibt hier viel Grund zum Beten", hat mal eine Ordensschwester geschrieben, als sie das erste Mal in Deutschland zu Besuch war. Mir bleibt für heute das Abendgebet. Gute Nacht! - aus Moskau.