Samstag, 12. März 2016

Film rückwärts

Als meine Maschine, abermals eine Jak-42, gestern Abend von der Andock-Rampe in Moskau weggeschoben wurde, kam mir der metaphorische Gedanke, dass ich auf dem Rück-Weg in die Provinz und ihren Alltag bin. So, wie ich zwei Tage vorher gekommen war, genau so, ging es nun zurück. Der Pilot ließ die pfeifenden Turbinen an, bis sie jene Frequenz erreichten, die nur noch Hunde hören, sprach selbst kein einziges Wort zu seinen Fluggästen und startete auf die 10-Millionen-Stadt zu, bevor er am wolkenlosen Nachthimmel die planmäßige Kehrtwende um 180° gen Süden machte. Unten funkelten Millionen Großsstadtlichter, oben hatten die 20 Minuten Steigflug diesmal etwas von Wellenreiten an sich. Ich konnte weder schlafen, noch lesen, noch essen. - Eigenartig. In Saratow bekamen wir den selben Stellplatz auf dem Rollend, an dem ich zwei Tage vorher eingestiegen war. Das Flugzeug neben uns stand immer noch da. "Willkommen in ... Saratow!" Ich ließ zwei Tage hinter mir, in denen ich über Gott und - mehr noch - die Welt gehört hatte. Ich begann, in Gedanken zu sortieren, was sich bis tief in der Nacht hinzog. Alterserscheinung? (Heute war mehr der schriftliche Teil dran.) 
Eins der Themen in Moskau war natürlich das Treffen von Papst Franziskus mit Patriarch Kyrill am Flughafen von Havanna. Zwar hatte ich die gemeinsame Deklaration der beiden gelesen, aber mit vielem Drum-und-dran war ich nicht vertraut, wie sich in Moskau zeigte. Ein Moskauer Künstler übergab dem Nuntius unlängst sein neuestes Werk (Foto), mit dem er seinen Eindruck vom Treffen der beiden Kirchenmänner darzustellen versuchte. Mir Kunstbanausen kam im ersten Moment nur der Gedanke, dass nur hinten rum ein Kreis daraus würde. Völlig daneben, natürlich. (-: