Sonntag, 20. März 2016

Kontrast

Ich weiß nicht, warum der Pfarrer fünf Stunden berechnet hatte. Nach zweieinhalb waren wir da, nicht nur in der Nachbarpfarrei, sondern auch in der nächsten Jahreszeit. Während wir in Rostow noch Winter hatten, trafen wir in Krasnodar auf blühenden Frühling. "Wir" sage ich, weil der Pfarrer mitgefahren ist. Sein Mitbruder kam nachts vom Ausweichflughafen mit einem Bus nach Rostow, wo auch heute wegen des gestrigen Unglücks nichts landete. Dankenswerter Weise durfte ich fahren. (Das fällt mir meistens leichter als daneben zu sitzen, ohne Lenkrad und Bremspedal.) Es war gut, dass wir Zeit hatten zum Unterhalten. Hier in Krasnodar werden fast alle Gäste noch heute erwartet.
Schade, dass auf meinen Bildern keine Leute drauf sind, ich meine die, denen ich heute begegnet bin. So behalte ich die schönsten Eindrücke für mich. Einer davon ist der Moment vor der Kirche, in dem mich eine armenische Frau, jünger als ich, ansprach, um sich zu bedanken. Sie sagte wörtlich: "Ich möchte Ihnen danken. Sie haben mir vor ein paar Jahren die Herzoperation bezahlt. Ich möchte etwas für Sie tun." - Ich erinnerte mich leider nicht daran, erklärte ihr aber, dass ich nur helfen kann, wenn mir geholfen würde. Ich bin nicht Spender, sondern höchstens Vermittler. Sie fragte nochmal, was sie mir Gutes tun könne. Ich bat sie, für unsere Priester im Bistum zu beten. Es gehe zur Zeit schwer. Sie antwortete: Ich weiß.
Nun habe ich doch ein Foto mit jungen Leuten, die heute früh zur Messe waren. Eine der Gruppen, die sich nach dem Gottesdienst trafen, waren die afrikanischen Studenten in Rostow. Am Abend fand ich ein Bild von ihnen in meinem E-Mail-Postfach: