Montag, 21. März 2016

Vorwärts, zum Sieg des Pessimismus!

Das (s.o.) war eine der Überschriften in der Zeitung, die im Flugzeug nach Saratow angeboten wurde. Wer im Osten Deutschlands aufgewachsen ist, erinnert sich vielleicht an die so ähnlich klingende Losung. Nur das letzte Wort war damals ein anderes, (nämlich: Kommunismus). Sicher hatte der Textautor auch darauf angespielt. Ich hab's nicht gelesen. Mein Nachbar blätterte zu schnell um. ;-) 
Als ich in Richtung Flugsteig auf dem großen Flughafen Moskau-Domodedovo auf einer Rolltreppe nach unten fuhr, winkte mir von Weitem eine junge Frau zu, die in die Gegenrichtung fuhr. Ich kannte sie nicht und nahm auch nicht ernst, dass sie mir zuwinkte. Als wir etwa auf gleicher Höhe mit unseren Rolltreppen waren, rief sie über die 7 oder 8 Meter zwischen uns hinweg: "Guten Tag!" und, weil sie doch wohl meine misstrauischen Gedanken las, fügte sie an: "Katholiken, Ufa!" Da rief ich zurück: "Ich komme gleich nochmal hoch." Sie wartete oben an der Rolltreppe, eine Dozentin an der Uni in Baschkirien, vor ein paar Jahren Christin geworden, mit der Hilfe von Pater Massimo, unserem einzige Italiener unter den Priestern im Bistum. Viel Zeit war nicht. Ich war ja, wie gesagt, unterwegs zum Einstieg in meine Saratower Jak. Mein Zeitung lesender Nachbar war ein wenig schockiert vom Inneren der Maschine. Vor Abflug rief er seine Frau an und erzählte ihr u.a. von den offenen Gepäckablagen über den Köpfen, und dass das Flugzeug älter sei als er, dass er nicht weiß, wohin mit den Knien usw. usf. Als es unterwegs ein Brötchen gab und alle ihre Tische runterklappten, blieb ihm das halbgeöffnetes Tischlein auf seinem Bauch liegen. Hilflos schaute er nach links und rechts. Da war wirklich was von "Vorwärts, zum Sieg des Pessimismus!" zu spüren.