Sonntag, 3. April 2016

Barmherzigkeitssonntag im Kleinen

Wenn ich vom heutigen Tag schreibe, wird es für Außenstehende vielleicht wie Eigen-PR klingen. Darum erinnere ich im Voraus daran, dass dieses Blog für Freunde gedacht ist, Bei denen habe ich einen Verständnisbonus ... Dieser Sonntag lief ganz anders als gedacht. Das lag daran, dass ich gestern bei der Rückkehr von Penza nach Marx, abends um 22.40 Uhr, müde und froh, dass am Sonntag nichts Großes bevorsteht, einen klein zusammengefalteten Brief vorfand. Auf einer herausgerissenen Heftseite schrieb mir eine unverschuldet lernschwache Dreizehnjährige: "Herr Bischof, morgen fahren wir nach Saratow. Ich werde um 8.20 Uhr mir Olga an ihrem Auto stehen. Danke, dass Sie uns mitnehmen. Rufen sie mich bitte an." Das hatte ich total vergessen. Es war auch bei Weitem nicht 100%-ig ausgemacht. Nun aber die Kinder enttäuschen, die sich auf den Sonntag in Saratow freuten, fiel mir schwer. So kamen wir alle drei - Angelina, Olga und ich - zu einem ganz ungewöhnlichen Barmherzigkeitssonntag. Pünktlich wie die Maurer standen die beiden heute früh vor der Tür, obwohl ich nachts nicht angerufen hatte. Unterwegs besorgten wir uns etwas zum Mittagessen: eingefrorene Pizza, Saft und Eis. Dann fuhren wir zu mir nach Hause und feierten zu dritt eine Sonntagsmesse in der Kapelle. Zum ersten Mal im Leben las die eine die Lesung, die andere die Fürbitten. Zur Predigt saßen wir uns dicht gegenüber. Anschließend ging`s ans Mittagessen Vorbereiten. Bis die Pizza fertig war, wurde gespielt. Memory, Mikado, ... Spiele, die ich bei Oma gelernt habe, kommen immer noch an. Beim Essen ging es lustig zu. Weil die Schwestern heute spät aus der Kirche kamen und wir sie aber unbedingt noch treffen wollten, nahmen wir uns Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang zum Falkenberg, von wo aus man über die ganze Stadt schauen kann. Dann luden wir die inzwischen vom Gottesdienst und den Gruppenstunden heimgekehrten Schwestern zum Eis ein. Und irgendwann wurde es langsam Zeit, wieder nach Marx zurückzukehren. Die beiden Mädchen gehören zu unserem Kinderzentrum in Marx. Sie sind nichts die bravsten, wie ich mir sagen ließ. Aber Mühen geben sie sich bestimmt.