Sonntag, 10. April 2016

Frühlingssonntag

"Wenn Du einem Menschen gut sein willst, musst Du zu allererst einmal Zeit für ihn haben." Das stammt von Heinz Schürmann, der sich oft Zeit für mich genommen hatte, als ich Student in Erfurt war, und darüber hinaus. Heute nachmittag konnte ich diese wohltuende Erfahrung ein wenig weitergeben, indem ich Jugendliche, die wir betreuen, und eine Schwester aus Marx zu einem unerwarteten Kurzausflug in die erwachende Natur einlud. Die frische Luft an der 4 km breiten Wolga war gut für uns alle. 
So war ich also auch heute nicht großartig im Bistum unterwegs, denn die 60 km von Saratow, wo heute der Chor aus Wolgograd zu Gast war, nach Marx zählen ja praktisch nicht. Der Sonntag begann mit einer Stunde im Beichtstuhl. Die Messe war (für deutsches Empfinden) etwas lang: eineinhalb Stunden, doch wohl wegen der Predigt zum schönen Evangelium vom auferstandenen Herrn und ein paar Aposteln am See Genesaret, und wegen der ausgiebigen Vermeldungen. (Steht doch am Mittwoch ein Fest für die katholische Kirche in ganz Russland bevor!) Dass ich dann für den Weg aus der Sakristei durch die Kirche nach draußen nochmal eine Dreiviertelstunde brauchte, brachte mir etwas von der frohen Erinnerung ans Pfarrer sein (dürfen) ein: Im Mittelgang der Kirche standen Wartende einzeln und grüppchenweise. Schließlich zog mich eine Großmutter am Arm, damit ich mich neben sie in eine Kirchenbank setzte. Und als unser Gespräch beendet war, meldete sich die nächste, von der Bank hinter uns.