Montag, 9. Mai 2016

Fest- und Ruhetag

Mein 26-stündiger Zwischenstopp in Moskau geht zu Ende. Dankbar für die Gastfreundschaft in der Apostolischen Nuntiatur, warte ich nun wieder einmal auf einen Abflug, nämlich den nach Saratow. Noch nie (außer nachts) habe ich den Flughafen sooo leer erlebt wie heute. Der 9. Mai ist einer der drei größten Feiertage im Jahr, ...  der Sieg vor 71 Jahren. 
Es war heute wieder mal höchste Zeit für das Vorwort der neuen Ausgabe unseres Bistumsjournals. In der Juni/Juli-Nummer wird es um "Wallfahrt" gehen, eines der vielen Worte, die in den Jahrzehnten der Verfolgung aus dem christlichen Wortschatz in Russland verschwunden waren. Ist sie ein moderner religiöser Volkssport oder ein Bild unseres Weges nach Hause zu Gott? Welche Rolle spielen Mühe und Vertrauen, Buße (muss ich übersetzen?) und Erneuerung persönlicher Beziehungen zu Gott und den Mitmenschen dabei? Kann man den Weg zu sich selbst, ins eigene Herz, welches Paulus einen vergessenen Tempel des Heiligen Geistes nennt (frei nach: 1 Kor 6,19), irgendwie mit einer Wallfahrt vergleichen?
Und was in Moskau tagsüber fehlte, gibt es auf Saratows Straßen in Hülle und Fülle: Die ganze Stadt scheint auf den Beinen. Staus sogar auf den Fußwegen. Alle wollen das Feuerwerk sehen, das an den Sieg vom 9. Mai 1945 erinnert.
Ich bin pünktlich gelandet. Morgen ist im Gebiet Saratow arbeitsfrei, weil: Elterntag. Das ist unserem katholischen "Allerseelen" ähnlich, hier jedoch bewußt in die Osterzeit gelegt. Viele werden auf die Friedhöfe gehen, wenn auch kaum zum Beten. Die Schwestern in Marx möchten den freien Tag für ihren monatlichen Besinnungstag nutzen, so dass ich morgen dort sein werde.
Am Mittwoch bin ich dann im Büro, während der Generalvikar mal zur Abwechslung nach Moskau fliegt.