Freitag, 20. Mai 2016

Kontraste im Alltag

Im Marxer Klostergarten
Gestern Abend hatte ich keinen Fotoapparat mitgenommen, sondern die heilige Kommunion und das Öl für die Krankensalbung. Sturm, strömender Regen, Schlaglöcher, dunkle Straßen, ... Das Haus armer Leute im Dorf zu beschreiben, hat wenig Sinn. 
Die Schwerkranke lag bei vollem Bewusstsein und mit Schmerzen, die sie stumm und bewegungslos machten, auf einem als Bett hergerichteten Sofa. Ich blieb allein mit ihr. Wir beteten ruhig, gemeinsam. Wie ein Hauch kam von Zeit zu Zeit eine Silbe über ihre Lippen, während ihre kleinen Enkelkinder im Nachbarzimmer über Tische und Stühle zu springen schienen. Sie weiß, wie es um sie steht. Dann erinnerten wir uns an frühere Jahre, an Menschen, Gesichter, ... "Danke. Ich verehre sie alle sehr", waren ihre Worte zum Abschied. 
Wenn ich diese Minuten mit meinem Büroalltag vergleiche, möchte ich klagen. Aber seine Berufung kann man sich nicht aussuchen, man kann nur einwilligen oder absagen, ... und versuchen, das Beste daraus zu machen. Damit das gelingt, kann ein alter christlicher Spruch hilfreich sein, den ich von einem der Pfarrer in meiner Kindheit gelernt und behalten habe: "Wem gefallen? - Gott, vor allem! Dann den Besten! - Ja nicht allen!"