Sonntag, 24. Juli 2016

Allen alles geworden

Foto: Xenia Kuznecova
Bei meinem Besuch in Kazan, vergangene Woche, erfuhr ich vom Tod eines besonderen Mönchsvaters, den ich kannte und verehrte: Otiec Sergij (92) war, soviel ich weiß, Ehrenprofessor in Magdeburg, hielt auch Vorlesungen in Italien (das alles als Physiker der Sowjetunion) und legte nach der Erfahrung des eigenen klinischen Todes sein Leben in Gottes Hände. Er wurde Mönch, Priester, geistlicher Berater vieler Menschen. Otiec Sergij hatte Freunde unter katholischen Priestern, z. B. den Dresdener Pfarrer Romuald Würstl (+ 25.11.2011). In einem seiner letzten Interviews, die er trotz Zurückgezogenheit gern gab, der Verkündigung zuliebe, antworte er auf die Frage nach einem Rat (für die Priester): "Erstens: In jedem Gottesdienst predigen. Zweitens: Sich mühen, auf der Ebene zu sein und zu sprechen, auf der sich die Menschen befinden, die Gott dir schickt. Nicht deinen Interessenkreis zeigen, sondern verstehen, was die Leute interessiert. Sich nicht hervorheben mit Sprache oder Manieren. Bescheiden und zurückhaltend sein. Die Leute nicht mit der eigenen Größe erdrücken. Am besten so, wie es der heilige Paulus sagt: Den Juden bin ich ein Jude geworden, um Juden zu gewinnen; denen, die unter dem Gesetz stehen, bin ich, obgleich ich nicht unter dem Gesetz stehe, einer unter dem Gesetz geworden, um die zu gewinnen, die unter dem Gesetz stehen. Den Gesetzlosen war ich sozusagen ein Gesetzloser - nicht als ein Gesetzloser vor Gott, sondern gebunden an das Gesetz Christi -, um die Gesetzlosen zu gewinnen. Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten."