Sonntag, 31. Juli 2016

Sofapredigt u.v.m. - Franziskus und die Vigil in Krakow

Wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu vegetieren, um es uns bequem und aus dem Leben ein Sofa zu machen, sondern um im Leben Spuren zu hinterlassen und uns für den Glauben und die Gesellschaft zu engagieren. Das betonte Papst Franziskus bei der Gebetswache am Samstagabend in Krakau vor Tausenden Jugendlichen. Sie sollten die Erwachsenen anstecken und ihnen einen Blick für ein vielfältiges Miteinander bringen. Wenn aber die jungen Menschen das Glück mit einem Sofa verwechseln, bedeutet das Lähmung, Bequemlichkeit und kostet sie letztlich ihre Freiheit, warnte Franziskus:
„Ja, zu glauben, dass wir, um glücklich zu sein, ein gutes Sofa brauchen. Ein Sofa, das uns hilft, es bequem zu haben, ruhig und ganz sicher zu sein. Ein Sofa – wie jene modernen, die es jetzt gibt, sogar mit einlullenden Massagen – die uns Stunden der Ruhe garantieren, um uns in die Welt der Videospiele zu begeben und Stunden vor dem Computer zu verbringen. Ein Sofa gegen jede Art von Schmerz und Furcht. Ein Sofa, das uns innerhalb unserer vier Wände bleiben lässt, ohne uns abzumühen und uns Sorgen zu machen.“
Das „Sofa-Glück“ sei eine lautlose Lähmung, könne uns aber am meisten schaden, so Franziskus, „denn nach und nach versinken wir, ohne es zu merken, im Schlaf, sind duselig und benommen, während andere – vielleicht die lebendigeren, aber nicht die besseren – für uns  über die Zukunft entscheiden. Gewiss, für viele ist es einfacher und vorteilhafter, duselige und benommene Jugendliche zu haben, die das Glück mit einem Sofa verwechseln; vielen scheint das günstiger, als aufgeweckte junge Menschen zu haben, die danach verlangen, dem Traum Gottes zu entsprechen und auf alle Bestrebungen des Herzens zu reagieren.“
Jesus hingegen sei der „Herr des Risikos“, eines „immer darüber hinaus“. Es brauche eine gewisse Dosis an Mut, um ihm zu folgen, statt Sofa müsste man sich ein Paar Schuhe – am besten dicke Boots -  anziehen und sich auf den Weg machen, um dem „Irrsinn“ Gottes zu folgen. „Auf den Wegen unseres Gottes gehen, der uns auffordert, politisch Handelnde, Denker, gesellschaftliche Vorreiter zu sein; der uns anregt, eine solidarischere Wirtschaft zu ersinnen.“
Bei der Gebetswache im Krakauer Campus Misericordiae erzählten einige Jugendliche aus verschiedenen Ländern ihre persönliche Geschichte und über ihren Glauben. Dabei war etwa die 26-jährige Rand Mittri aus Aleppo, der in seiner Heimatstadt trotz der täglichen Angst vor dem Tod in einem Don-Bosco-Zentrum anderen Menschen hilft. Menschen wie der junge Syrer zeigten uns, dass man sich nicht aus Angst verkriechen darf in die Bequemlichkeit. Auch dürfe man nicht versuchen, Hass mit Hass, Gewalt mit Gewalt zu besiegen. Vielmehr müsste nach Franziskus die Antwort auf Krieg und Terror sein: Geschwisterlichkeit, Gemeinschaft, Familie.
Heute liege die Aufmerksamkeit oft auf den Dingen, die uns entzweien, auf dem, was uns trennt. „Sie möchten uns einreden, dass die beste Art, uns gegen das zu schützen, was uns schadet, darin besteht, uns zu verschließen. Wir Erwachsenen brauchen heute euch, damit ihr uns lehrt, in der Verschiedenheit, im Dialog zusammenzuleben und die Vielfalt der Kulturen miteinander zu teilen nicht wie eine Bedrohung, sondern als eine Chance: Habt den Mut uns zu lehren, dass es einfacher ist, Brücken zu bauen, als Mauern zu errichten! Und alle gemeinsam bitten wir, dass ihr von uns verlangt, Wege der Brüderlichkeit zu gehen.“
Und schließlich frage Franziskus: „Machst du mit?“

(Quelle: Radio Vatikan)