Dienstag, 30. August 2016

"Na, sieht doch schon ganz gut aus"

... wäre das wohl Trostloseste, was man Pater Artur, dem Pfarrer in Togliatti, derzeit sagen könnte. Der Arme "kriecht auf dem Zahnfleisch", nachdem seine Bettelbriefaktion in diesem Jahr (bis auf zwei Ausnahmen) so gut wie nichts gebracht hat. Die großen Hilfswerke habe ihren beachtlichen Teil gegeben. Auch ich habe aus dem, was mir frei zur Verfügung steht, zum Kirchenbau in Togliatti dazu gelegt. Die erste "Johannes Paul II. Kirche" in Russland, in einer Stadt mit Zuzug, weil es Arbeit gibt, wird und wird nicht fertig. "Da hätte er eben mal besser überlegen sollen, am Anfang" - Ausrufezeichen oder Fragezeichen? 
Es gäbe keine Wiedergeburt der katholischen Kirche in Russland (deren 25-Jähriges wir in diesem Jahr feierten), wenn es nicht die Risikobereiten gegeben hätte. Wir leben nicht nach Fünfjahresplänen und nicht nach Prinzipien deutscher Marktwirtschaft. Die kleine katholische Kirche in Russland schafft es nicht mit eigenen Mitteln, das, was sie inzwischen (Gutes) tut. Sie lebt zum Großteil von Spenden, von Projekten, von Verständnis und Solidarität. Gestern habe ich Pater Artur versprochen, dass ich das heute im Blog schreibe. Mehr Trost hatte ich nicht. Ich bin überzeugt, dass die Kirche fertig werden wird. Die zwei konkreten Probleme, die ich sehe, sind: 1) Je langsamer man baut, desto teurer wird es. 2) Die Gesundheit des Pfarrers macht mir Sorgen. Natürlich wäre ich froh, wenn seine Ordensgemeinschaft ihm einen Fachmann vom Bau zu Hilfe schickt. Aber sie hat scheinbar keinen. Oder, wenn es jemanden gäbe, der effektivere Wege weiß als Bettelbriefe, ... Ich möchte und kann nicht im Hintertürchen verschwinden, über dem "Nicht dein Problem" steht.
Diese Zeilen sind eine Situationsbeschreibung, kein Spendenaufruf, kein Vorwurf... Kann man das verstehen?