Montag, 29. August 2016

Vorher weiß kaum einer, wie lange er bleibt

Fünfeinhalb Jahre haben gereicht, um müde zu werden. Heute machte Pater Massimo seinen Abschiedsbesuch bei mir. Im Februar 2011 war der italienische Seelsorger mit Schwung und Bedacht, mit Mut und Bescheidenheit, mit einem ausgeprägten Sinn für Gebet, und manchmal sehr energisch, zu uns gekommen. Zwei Jahre älter als ich, lag er deutlich über dem Durchschnittsalter unserer Priester. Seine Ideen und Gedanken waren so interessant, dass ich ihn schließlich (vor einem Jahr) darum bat, in meiner Nähe zu arbeiten und mir zu helfen. Wir träumten im Juli 2015 von einer neuen Stelle bei mir in der sog. Kurie... Aber es zog ihn mehr in die Pfarrseelsorge, als zu mir ins Büro, was ich nur zu gut verstehen kann. Unlängst hat er 40 Tage auf der Krim ausgeholfen. 
Wir haben also zusammen zu Mittag gegessen, uns gegenseitig gedankt und auch um Verzeihung gebeten. Kurz besprachen wir die momentane Situation Pater Massimos Pfarrei. Mehr war kaum geplant für den Kurzbesuch. Schließlich gingen die Fahrstuhltüren zu. Ich sitze wieder im Büro, er im Auto. Morgen feiert er die letzte heilige Messe mit seiner Gemeinde, dann wird sie wieder von Marx als Außenstation übernommen, womit dem dortigen Pfarrer samstags 520 km hinter dem Lenkrad sicher sind. Wir haben heute nicht fotografiert. Aber ein älteres Bild habe ich gerade gefunden. Pater Massimo hat viel Gutes für die Kirche in Russland getan. Vielleicht verdanken wir ihm, dass jetzt ein junger Mann schon das dritte Jahr für das Bistum Sankt Clemens Theologie studieren wird. Es gab auch schon Seelsorger, die nach zwei Jahren in ihre Heimatländer zurückkehrten. Und es gibt inzwischen auch solche, die nach 20 Jahren immer noch hier sind. "Eigene, von hier, haben wir nur drei."