Samstag, 22. Oktober 2016

Still und konsequent

Das Heilige Jahr - auch "Jahr der Barmherzigkeit" - geht zu Ende. Der Countdown steht bei "noch 29 Tagen". Bei einer seiner Ansprachen hatte Papst Franziskus dazu aufgerufen, dass in jedem Bistum ein "Denkmal" dieses Jahres bleiben solle, z.B. ein neues Hospiz, eine Obdachloseneinrichtung etc. Für uns in Russland wären ambiziöse Pläne unrealistisch. Aber dass etwas bleiben möge, vom Guten, dass begonnen hat, wünschen wir uns jedes Jahr. Wir haben noch nichts dergleichen, gemeinsam als Bistum, meine ich. Erinnert habe ich mich an den Aufruf des Papstes, als ich heute zu den Schwestern in Marx ins Haus kam. Auf dem Fussboden waren eine ganze Reihe Postkartons aufgestellt, in die die Schwestern gerade Waschpulver, Zahnpasta, Tee, Kekse u.a. schlichteten. Es machte einen verfrüht vorweihnachtlichen Eindruck. Dann aber erfuhr ich, dass diese Pakete in ein Frauengefängnis, 100 km von hier, gehen. Übrigens: nicht zum ersten Mal. Allein das Porto kostet mehr als die Oberin Rente bekommt. Still und konsequent haben sich die Schwestern, die oft selbst auf Hilfe angewiesen sind, das Jahr der Barmherzigkeit zu eigen gemacht. Und ich vermute mal, dass das in 29 Tagen nicht aufhören wird.