Samstag, 8. Oktober 2016

Stiller Himmel über Rossoschka

30 km außerhalb von Wolgograd befindet sich ein Friedhof mit Tausenden in der Schlacht (... was für ein grausames und doch treffendes Wort) um Stalingrad gefallenen, erfroren, verhungerten Soldaten, sowohl sowjetischen als auch deutschen. Das Dorf, das sich vorher an jener Stelle befand, hieß Rossoschka. Heute früh besuchten wir den Ort, ohne große Worte, mit einem Gebet in der - letzten Monat eröffneten - Gedenkstätte, die durch eine Art Altar und zwei Kreuze an eine Kirche erinnert. In riesige Würfel sind je 900 Namen vermißter oder noch nicht geborgener und hierher überführter Soldaten gemeißelt. Auch die Namensliste der nun hier befindlichen Toten ist schier unendlich. Beinahe jeder kann da mindestens seinen Familiennamen finden.
Staus und viel Nebel hatten aus den 600 Kilometern acht Stunden werden lassen: Pater Raul (r.) und Pater Sergio (l.) waren heute früh um 6.00 Uhr in Taganrog abgefahren, um meinen Besuch in Wolgograd für (je) ein Gespräch mit mir zu nutzen. Nach Mitternacht werden sie wieder zu Hause sein, um morgen den Sonntag mit ihren zwei Gemeinden am Asowschen Meer zu feiern. Die beiden verstehen sich gut, auch äußerlich betrachtet ("behört"), selbst wenn das uns anderen ziemlich "spanisch" vorkommt: der eine ist Mexikaner, der andere Argentinier.

Am Abend feierten wir die heilige Messe in der Sankt Nikolauskirche in Erinnerung an den vergangenen Weltjugendtag in Krakow mit Liedern jenes motivierenden Treffens. Monatlich soll es nun in Wolgograd eine "Jugendmesse" geben. Auch das Rosenkranzgebet vor der Messe war heute bereits von einem der Jugendlichen geleitet.