Freitag, 28. Oktober 2016

Verstand wird Russland nie versteh'n (6)

Oder: "Womit ich mir meine Zeit vertreibe." Jedes Auto im öffentlichen Straßenverkehr muss versichert sein. Die Haftpflichtversicherung ist das Mindeste. Egal bei welcher Versicherungsgesellschaft, man kann sie in Russland nur für ein Jahr abschließen. Danach tut man es erneut. Es gibt da kein automatisches Abbuchen vom Konto. Man muss also die Vertretung aufsuchen, ein Formular ausfüllen lassen und bezahlen, pünktlich. So weit, so gut. Seit Tagen wollen wir eine solche Haftpflichtversicherung abschließen. Erfolglos. Die Warteschlangen, in die man sich derzeit eintragen darf, sind Wochen lang. Morgen ist die Haftpflichtversicherung des Dienstwagens unseres Büros zu Ende. Irgendwann hatte ich schon mal ein ähnliches Problem. Da hieß es "wenigstens" noch: Ich müsse eine zweite Versicherung abschließen (Lebensversicherung, Haus oder dergleichen), dann würde es gehen, sonst nicht. Diesmal aber geht nichts. Kaufen die Leute so viele Autos? Sicher nicht. Heute nahm ich die Sache selbst in die Hand, in der Hoffnung, dass ich einen Weg wüsste. Ich fuhr in die Nachbarstadt, betrat das Büro, erklärte man Anliegen, erntete ein Lächeln, zeigte die Fahrzeugpapiere und bekam zur Antwort: "Ach, das Auto ist von 2008! Wäre es von 2009, könnten wir ihnen eine Versicherung ausstellen. Für 2008 aber, haben wir keine Formulare mehr. Wir warten. Alle warten. Kommen Sie Montag wieder." Ich antwortete, dass die Versicherung morgen, Samstag, abläuft. Montag dürfe ich von Rechts wegen nicht mehr mit dem Auto kommen. Ohne vorgewiesenes, intaktes Auto aber, würde man mir keine neue Versicherung ausstellen. Ich erntete kosmisches Schweigen dreier Mitarbeiterinnen jener Bürostube. Und schweigend verließ ich sie.