Samstag, 29. Oktober 2016

Wochenende in Tambow

Heute Nacht kam ich mit dem Zug nach Tambow. Es liegt an der günstigen Bahnverbindung Saratow-Moskau. Nur reichliche 6 Stunden dauerte die Fahrt. Ein Treffen mit dem Bürgermeister wurde gestern Abend kurzfristig abgesagt. Er mußte auf eine Dienstreise. Dafür blieb mehr Zeit zum Frühstück und zu einer ruhigen Abfahrt zur Messe ins Dorf Jaroslawka. Eine junge Frau, die nach einer Stunde Fahrt zustieg, bedauerte den Niedergang des Dorfes, in dem man früher - wenn jemand in der Familie gestorben war - ein Auto für den Transport des Sarges bestellen konnte, und wo man Fleisch für die Mahlzeit mit den Trauergästen bekam. Zwölf Frauen und Kinder waren zur Messe in dem baufälligen, ausgekühlt Häuschen der Gemeinde gekommen. Ein kleiner Heizlüfter war sichtbar überfordert. Immer, wenn sein Bimetallstreifen Kontakt zur alten, wackligen Steckdose gab, verdunkelte sich die Deckenlampe im Raum. Nach der vorgefeierten Sonntagsmesse wurde gegessen: Der Altar wurde zur Seite gerückt. Alle, die etwas mitgebracht hatten, packten aus, erzählten, fragten und aßen sich satt. Mit denen, die bis zum Schluß blieben, machten wir an gleicher Stelle ein Foto.
Auch die Heimfahrt bot eine Stunde zum Sprechen für und mit Pater Robert, dem hiesigen Pfarrer. Wie in Wolgograd, so leben auch in Tambow drei Priester der Steyler Missionare, dazu ein Ordensbruder. Zwei der Priester studieren in der Stadt. Es wurde schon dunkel, als wir die Pfarrei in der Kronstädter Straße erreichten und bei den Schwestern einkehrten. Sie wohnen ebenfalls auf dem Grundstück der Pfarrei. Daß ich in Winterschuhen gekommen bin, hat seit dem Nachmittag seine Rechtfertigung bekommen. Vor der nächsten Autofahrt muß Pater Robert Winterreifen aufziehen.