Freitag, 23. Dezember 2016

Am Tag vor dem Heiligabend


Ausgerechnet heute kam mir vielerlei Not zu Ohren. Mir ist es fast peinlich, davon zu erzählen, weil ich schon einen Freund in Deutschland mit leicht verschmitzter Stimme sagen höre: "Ich weiß schon, warum Du das gerade zu Weihnachten erzählst." Ich erzähle es trotzdem, zumindest Manches davon. Es ist alles von heute. Ein seit Monaten arbeitsloser Vater hat zwei Töchter (17 und 18). Die eine wurde im letzten Jahr in die Berufsschule genommen und lernt dort kostenlos. Für die zweite hat sich die Situation geändert. Ab diesem Schuljahr muss bezahlt werden, umgerechnet 370 Euro pro Halbjahr. Es gibt nur zwei Varianten für ihn: einen Kredit aufnehmen (wo gibt’s das für Arbeitslose, und wenn, dann zu welchen Bedingungen?) oder die Tochter aus der Schule nehmen. Übrigens ist er arbeitslos, weil sein Auto durch einen unverschuldeten Unfall kaputt ist und die Versicherungsgesellschaft auf die Genesung der Fahrerin des anderen Autos wartet, um etwas zu entscheiden. Zweite Geschichte: Vor mir liegt der Brief einer jungen Familie, deren kleine Tochter letztes Jahr kurz vor Neujahr beim Tanzen vor dem Christbaum umfiel und fast erstickt wäre. Erst als es das zweite Mal im Januar passierte, verstand der Arzt, das es Epilepsie war. Nun brauchen sie zusätzlich 50 Euro jeden Monat, nur für Medizin. Das haben sie nicht. Noch zwei andere Familien brauchen dringend Hilfe, damit die Kinder nicht krank werden. Wie feiern solche Leute Weihnachten, (und dann Neujahr, was in Russland weiterhin das Fest Nummer 1 ist)? Ohne Geschenke, natürlich. Gestern haben die Schwestern in Marx Weihnachtspakete gepackt und verteilt, eben an solche Familien. Danke allen, die es möglich gemacht haben! Zum "weihnachtlichen" Inhalt gehörten Mehl, Zucker, Speiseöl, Wurst, Konserven, Tee ... 
Erst jetzt bemerke ich, dass ich das heutige Foto ausgesucht hatte, bevor ich den Text schrieb. Drei Männer in einem Dorf hier bei uns, zwei davon mit den Händen in den Hosentaschen, fahren einen Sarg zum Friedhof. Der typisch mit rotem Stoff bezogene Sarg ist offen, der Leichnam mit einer Gardine zugedeckt.