Sonntag, 25. Dezember 2016

Erster Weihnachtstag an der Wolga

Die Nachrichten hier bei uns sind voll mit Meldungen zum Fluzgzeugabsturz heute früh, zwei Minuten nach dem Start in Sotschi. Ich hatte durch eine SMS unseres Seminaristen Denis davon erfahren. Einer seiner Freunde - vermutlich haben sie zusammen Musik studiert - ist bei der Katastrophe ums Leben gekommen. Morgen ist Staatstrauer. Auch bei uns in der Kirche werden wir für die 92 am Weihnachtsmorgen tödlich Verunglückten beten.
Es ist schon Tradition, dass ich den Heiligabend mit der Pfarrgemeinde in Saratow feiere, den Weihnachtstag dann mit der Gemeinde in Marx. Ich hatte nicht erwartet, dass so viele Leute zur Kirche kommen würden. (Weihnachten kommen immer viele, aber diesmal waren es besonders viele. Das Gleiche hörte ich aus anderen Städten.) Deutlich war das Interesse Außenstehender, jedoch nicht der Nachrichtenagenturen. Kripppenspiele, wie auf dem gestrigen Foto aus Saratow, gehörten natürlich überall dazu. Dort in Saratow sang ein afrikanischer Medizinstudent am Anfang der Aufführung das "Tröstet mein Volk" aus Händels Messias, was begeisterten Beifall erntete. Für den heutigen Nachmittag schlugen die Schwestern in Marx den Besuch einer seit zwei Jahren gelähmten und seit einem Jahr erblindeten Lehrerin vor. Sie hat sich sehr über die gemeinsame Stunde in ihrem Häuschen gefreut, in dem sie von einer ihrer Töchter betreut wird. Weil ich die Frau aus meiner Zeit als Pfarrer in Marx gut kannte, hatten wir uns viel zu erzählen. Dass wir - wie im deutschen Kalender - im Bistum Sankt Clemens morgen noch einen "Zweiten Weihnachtsfeiertag" begehen, ist in Russland selbst in katholischen Kreisen nicht üblich, ganz abgesehen davon, dass die Leute morgen zur Arbeit, bzw. zur Schule müssen.