Sonntag, 26. Februar 2017

Letzter Sonntag vor der Fastenzeit

Das Volksfest auf den Straßen Saratows kommt bei dem heute frostigen Wind nicht so richtig in Gang. Man feiert den letzten Tag von "Maslenica". ("Maslo" = Butter, Fett, Öl.) Ab morgen ist in den Ostkirchen Fastenzeit. Da sind die Fetttöpfe zu, bis Ostern. Jedenfalls bei denen, die es streng damit halten. Wir als katholische Christen schließen uns dann ab Mittwoch an, mit unseren etwas anderen Fastenregeln, deren Sinn wir selbst gut verstehen müssen, damit wir sie vor den anderen rechtfertigen können. 
Heute drangen Sonnenstrahlen wie im Frühling durch unsere kleinen Kirchenfenster. Der Weihrauch machte sie sichtbar. Die kurze Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja diente mir als Mitte der Predigt: "Zion sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen. Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht - Spruch des Herrn."
Nach ostkirchlicher Tradition wird dieser Sonntag vor der Fastenzeit auch Vergebungssonntag genannt. Eindringlicher (weil nicht alltäglich) als bei unserem Schuldbekenntnis oder Friedensgruss, rufen heute die Priester in der Liturgie zur gegenseitigen Vergebung auf. Sie selbst wenden sich an die rechts und links von ihnen stehenden und bitten um Verzeihung. Das nimmt nicht wenig Zeit in Anspruch und wird nach den Gottesdiensten zu Hause, gegenüber denen, die nicht mit zur Kirche gekommen waren, fortgesetzt.