Dienstag, 4. April 2017

Zwölf Dutzend Osterlämmer

Wenn schon das Büro nichts so richtig Erzählenswertes zu bieten hat, die Mittagspause hatte es. Ich war ein wenig zu früh zur Kirche gekommen. (Nein, "zu früh" ist falsch gesagt.) Ich hatte noch etwas Zeit vor dem gemeinsamen Mittagsgebet und schaute deshalb an der kleinen Gemeindeküche vorbei, aus der es nach Bäckerei duftete. Eine kleine Gruppe Erwachsener ist da seit ein paar Tagen daran, in einer ganz gewöhnlichen Backröhre eine riesige Herde von Osterlämmern zu produzieren. Morgen, so hörte ich, bekommen die Schäfchen Schokoladenaugen. Alles Handarbeit, für die Pfarrgemeinde und darüber hinaus! So langsam wachsen die Bräuche wieder in unserem Land, in dem man fast ein Jahrhundert lang ausgebrannt und eingestampft hatte, was noch an Gott erinnerte. Wenn man genau hinschaut, dann sieht man auch eine zarte Freude wachsen, die kein Programm zustande brächte. 
Schön ist, dass wir in diesem Jahr einen gemeinsamen Ostertermin mit der orthodoxen Kirche haben. So wird auch im öffentlichen Leben Russlands etwas vom Fest zu spüren sein, angefangen beim städtischen Nahverkehr, der die ganze Osternacht hindurch nicht unterbrochen wird. Und der Kreis derer, die man fröhlich mit "Der Herr ist auferstanden!" grüßen kann, und die mit "Er ist wahrhaft auferstanden!" antworten können, wird dadurch auch wesentlich größer sein.