Sonntag, 4. Juni 2017

Mein Pfingstsonntag

Über dem Pfingstgottesdienst in unserer Kathedrale schwebte eine nur für mich sichtbare dunkle Wolke: Ich hatte am Ende der Messe bekanntzugeben, dass der Saratower Pfarrer versetzt wird. Die Gemeinde hat ihn sehr gern. Ich aber brauche einen erfahrenen Seelsorger in ein Gebiet, das bisher von zwei Priestern betreut wurde, die beide gehen, der eine in sein Heimatland, der andere zum Studium. 
Ich glaube, die Predigt haben heute alle schnell vergessen, nach so einer Vermeldung. Schon morgen fährt der Pfarrer seine neuen Gemeinden anschauen. Dann kurz nach Polen. Nur vom 23.-25. Juni kommt er zum Verabschieden nach Saratow zurück. In der Predigt hatte ich behauptet, Geburtstag der Kirche sei erst, "wenn es Kirche bis in die Familien schafft", d.h. wenn wir auch zu Hause (voreinander sichtbar) Kirche sind. Wir sind zu sehr auf Kirche als traditionelle Pfarrei-Struktur fixiert, auch beim Gedanken an die Wiedergeburt religiösen Lebens nach den Jahrzehnten der Verfolgung.
Am Nachmittag machte ich einen Ausflug mit meinen Bautzener Gästen in Richtung Süden. Zielpunkte waren die katholische Kirchenruine in Kamenka (Foto oben) und ein wunderschöner Platz an der Wolga. Die riesige, 1908 erbaute, Dorfkirche verfällt mehr und mehr. Die Wolga habe ich im Frühjahr noch nie mit so wenig Wasser gesehen.