Samstag, 16. September 2017

Katholische Christen in der Hauptstadt Tatarstans

Ich bin dem jungen Kazaner Pfarrer dankbar, dass er seine Idee dreier offizieller Treffen am heutigen Tag zugunsten von persönlichen Gesprächen in der Pfarrgemeinde nicht weiter verfolgt hatte. So blieb mir viel Zeit, mit Sergej zu sprechen, einem 41-jährigen Familienvater, der sich vor zwei Jahren auf den Weg zur Weihe zum ständigen Diakon begeben hat. Wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise mußte er seine bisherige Arbeit aufgeben. Nun verdient er das Geld für den Unterhalt seiner Familie als Taxifahrer, bis zu 12 Stunden am Tag. Wie er die Arbeitsausfälle kompensieren soll, die wegen des bald beginnenden Studiums auf ihn zukommen, weiß er noch nicht. Eine junge Frau, knapp über 30, hatte mich schon vor einer Woche schriftlich darum gebeten, ihr ein wenig Zeit zu widmen, wenn ich nach Kazan komme. Sie war in ihrem Suchen nach einem Weg gottgeweihten Lebens an den Punkt gekommen, an dem es Zeit ist, mit dem Bischof darüber zu sprechen.
Nach der Abendmesse, in der ich fünf Erwachsene nach langer Vorbereitungszeit in die katholische Kirche aufnehmen durfte, begann das hier auf morgen verlegte Fest Kreuzerhöhung. Es ist sozusagen der Namenstag der Pfarrgemeinde. Wir beteten meist still vor einem großen, vorn in der Kirche aufgestellten Kreuz, während die Möglichkeit zur Versöhnung im Bußsakrament bestand. Dann gab es einen Imbiss, und es wurde erzählt, bis gegen neun. Erst dann machten sich die meist jungen Leute auf den Heimweg in der Millionenstadt. Den Abend im Anschluss habe ich nun frei für die Seelsorger der Gemeinde.