Freitag, 22. September 2017

Nebensache

Im Grunde gehört es gar nicht zum Katholischsein in Südrussland, aber...  Seit dem 18. Juni 1991 flog ich mit Jak-42 Flugzeugen nach Saratow. Einmal warf die Stewardess bei Turbulenzen ein ganzes Tablett mit Mineralwasserbechern über die Passagiere. Einmal fuhren wir mit offener Hecktür zur Startbahn. Und doch sind sie immer gut geflogen, die Saratower Maschinen. Nun sind sie so gut wie aus dem Verkehr gezogen. Doch heute morgen, für den Direktflug nach Sankt Petersburg, stand ein solches "Museum" bereit. Ich ahnte, dass ich im über-Kopf-hohen, weichen Sessel gut schlafen werde. Es kam auch so. Der Pilot legte einen absolut ruhigen zweieinhalb stündigen Flug hin. Ich wiederhole nur ein paar Gedanken von vor dem Einschlafen: Einstieg über die ausgeklappte Hintertreppe unter dem Heck, drin Neonlicht und Musik aus der Blechdose. Oboe. Werkstattsgeruch (wie alte Öllappen). Die weichen, hohen Fluggastsessel! Neben mich zwängt sich ein älterer Biker mit Glatze und dicker Lederjacke, die er um keinen Preis ausziehen will. Auch ohne Jacke wäre es rechts und links neben ihm eng genug gewesen. Die Pilot macht seine Standardansagen, die leise aus der Sprechanlage klingen, wie durch einen umgestülpten Trichter unter Wasser. Fünf Minuten vor Start werden die drei Turbinen am Heck angeworfen, eine nach der anderen. Die letzte Ansage der Stewardess wird vom Lärm verschluckt. Wir heben ab. Am Fenster ist die Luft frisch. I ♥ Jak-42.