Sonntag, 15. Oktober 2017

Kein leichter Abschied

Während ich von Feiertag zu Feiertag springe, erlebt "Marx" eine große Veränderung. Heute wurden dort im Gottesdienst drei Ordensschwestern verabschiedet, (nachdem unlängst schon zwei an andere Einsatzorte übergewechselt waren). Das Gravierende am heutigen Tag: Unter den scheidenden Schwestern ist die dienstälteste Ordensschwester im Bistum. Niemand, kein Priester und kein Mitglied einer Ordensgemeinschaft ist hier schon so lange (und ununterbrochen) in der Seelsorge tätig gewesen, wie sie: 32 Jahre. Schwester Helena kam, als Seelsorge noch verboten war. Sie arbeitete als Näherin in einer Fabrik und nutzte die Abende, um Familien zu besuchen, über den Glauben zu erzählen und ganzen Generationen beten zu lernen. Als gelernte Krankenschwester verstand sie oft mehr und schneller, als so mancher Arzt. Aber auch anderer Nöte, besonders armer Menschen, nahm sie sich pausenlos an, mit Herz und Händen. Sie ist sozusagen die "Mutter" der Marxer Pfarrgemeinde, und sie ist Schwester. Wer sie kennt, weiß wovon ich rede. Auch ich persönlich habe viel von ihr gelernt. Als Pfarrer (seit 1991) und später als Bischof, konnte ich immer mit ihrem Rat und ihrer Unterstützung rechnen. Es war eine sehr schöne Zusammenarbeit, für die ich viel zu danken habe. 
Schwester Helena verläßt das Bistum Sankt Clemens in Richtung Sibirien. Morgen geht ihr Zug nach Novosibirsk. 52 Stunden. Dort wird sie in einer kleinen Niederlassung ihrer Ordensgemeinschaft leben.