Sonntag, 17. Dezember 2017

3. Adventssonntag

Heute ist der Dritte Adventssonntag. Papst Franziskus hat Geburtstag. Und in einer Woche ist Heiligabend. Die Sonntagsmesse feierte ich, bei strahlendem Sonnenschein und knapp minus 10 Grad vor der Tür, in der Marxer Pfarrkirche. Ziel meiner Predigt war es, das heute oft anklingende "Freut euch!" zu begründen. Die Vielzahl der in Kürze bevorstehenden Weihnachtsbräuche ist es nicht. Grund zur Freude, ( Grund! ) ist Weihnachten in der Tiefe: Gott ... Mensch ...

Der Weg von der Sakristei bis zur Kirchentür nach draußen beträgt ca. 30 Meter. Nach "alter Tradition" brauche ich sonntags nach der Messe 15 bis 20 Minuten dafür, manchmal mehr. Eine Oma gab mir eine Bibel mit großer Schrift zurück, um die sie monatelang gebeten hatte. Sie hat sich eine neue Brille machen lassen und kann wieder in ihrer eigenen Bibel lesen. "Die neue ist sehr schön", sagte sie, "aber meine ist eine besondere. Da weiß ich, was wo steht. Die kenne ich." - Wer von uns kann so sagen?! 

Eine zweite Großmutter wartete geduldig im Stehen, auf zwei Krückstöcke gestützt. "Uns haben sie wohl ganz vergessen?" fragte sie, ohne Aufregung in der Stimme. Der Schwiegersohn ist schon zum dritten Mal ohne Gehalt aus Moskau vom Arbeiten zurückgekommen. Der Enkel wird mit Verdacht auf Tuberkulose behandelt. Eine erneute Tomographie soll gemacht werden. "Es ist zu teuer. Wir lassen's bleiben", sagt sie. Ich denke, sie soll den Ärzten trauen. Und dem Schwiegersohn? Man muss der Sache zumindest auf den Grund gehen. Abermals zwei Omas brachte ich dann schnell nach Hause ins Dorf, als ich hörte, wie lange sie noch auf ihren Bus hätten warten müssen. Gleich anschließend besucht ich eine junge Familie mit zwei Kindern. Arbeitslos. Die junge Frau ist schwanger im 4. Monat. Es bestehe "Verdacht" auf Zwillinge. Dass das noch nicht klar ist, deutet auf fehlende Untersuchungen hin. Hier wird nicht nur materielle Hilfe gebraucht.

Mittagessen im Kloster. Nachmittag: Rückfahrt nach Saratow. Briefe, keine dienstlichen. Übrigens habe ich zweimal Post aus Dresden bekommen, die nicht nur mir viel, viel Freude macht. Demnächst hierzu dann mehr.