Montag, 11. Dezember 2017

Ganz eigen

Das Foto ist schon zwei Tage alt, und das Objekt, das es abbildet, schon über 60 Jahre. "Tu autem sequere me" steht auf der Tabernakeltür geschrieben, die allen ehemaligen Norbertinern bekannt ist. Norbertiner sind jene, die das kirchliche Abitur im sogenannten Spätberufenenseminar in Magdeburg gemacht hatten, bevor sie zum Theologiestudium nach Erfurt gingen. Das Seminar gibt es nicht mehr. Der Tabernakel wurde mir vom letzten Rektor, Dieter Müller, geschenkt. Die deutsche Übersetzung des lateinischen Zitats lautet: "Du aber folge mir!" (Joh 21,20) Das war die Antwort des auferstandenen Jesus an Petrus, als der wissen wollte, was denn aus dem Apostel Johannes werden würde. "Das ist nicht deine Sache. Du aber folge mir." Während des vergangenen Wochenendes in Stille, standen mir diese Worte im wahrsten Sinne des Wortes lange vor Augen: "Du aber". Jeder hat seine eigene Berufung, ganz passend, nicht unbedingt zu den anderen, aber zu sich selbst ganz sicher. 
Der Nebel hatte sich heute am Mittag gelichtet, so dass eine Schar von Passagieren, die nicht auf die Bahn (16 Stunden Fahrt) umgestiegen waren, in Sammelflügen aus Moskau nach Saratow gebracht wurde. Auch Pater Tomasz, einstiger Pfarrer in Marx, heute in Ufa, war darunter. Unser Gesprächsthema: Die Ausbildung der Kandidaten zum ständigen Diakonat.