Montag, 18. Dezember 2017

Nicht alltäglicher Alltag

Ich hoffe, dass es keiner für nachtragend hält, wenn ich (mich) daran erinnere, wie mich ein deutscher Gast vor vielen Jahren in seinem Reisebericht "Taxifahrer" nannte. Bei uns ist eben manches anders als in Deutschland. Nicht nur wegen gestern - als ich die zwei Frauen nach der Messe nach Hause ins Dorf gefahren habe - kam mir der Gedanke. Heute war da auch so eine Sache, die wahrscheinlich schwer (an deutsche Schreibtische) rüber zu bringen ist. Eine?! 
Vor dem Aufstehen machte ich mich auf nach Marx, um der "Hausmutter" unserer Jugendlichen zum Geburtstag zu gratulieren. Sie ist aus der Millionenmetropole Wolgograd (ehem. Stalingrad) in diese kleine Kreisstadt gezogen, um jungen Leuten zu helfen, in geschützten Verhältnissen zu leben, solange sie ihre Schul- bzw. Berufsausbildung machen. Anschließend fuhr ich in eine Tischlerei, denn in Marx geht es schneller und ist es billiger: Wir brauchen noch vor Weihnachten einen provisorischen Altar für unsere Kathedrale in Saratow. Der neue kommt erst in zwei Monaten. So eine Besprechung mit dem Tischler ist ein halbes Künstlergespräch, angefangen von der geringen Farbauswahl des Furniers, bis hin zum Stabilisieren der Konstruktion, obwohl ich mit einem fertigen Plan gekommen war. 
Bevor es dann zur Arbeit ging (60 km zurück), erledigte ich meine Weihnachtseinkäufe. Wohin ich wohl mit einer riesen Kiste voller Salami will, wird sich mancher gefragt haben. (Es wird nicht zum ersten Mal sein, dass jede Mutter am Weihnachtstag nach der heiligen Messe eine leckere Wurst bekommt. - Komisch? In Deutschland, ja. In kleinen Orten hier bei uns - keineswegs. Von sich aus, leisten sich das da die Wenigsten.) Wenn ich nun noch sage, dass ich vor dem Weg zum Büro auch noch ein Weihnachtspaket mit selbstgebackenem Stollen vorbereitet habe, denn sonst kommt es nicht mehr pünktlich an, zeigt mich jemand beim Nuntius an. 😅 Zum Trost: Am Schreibtisch habe ich dann doch noch 7 Stunden verbracht. Und in der Abendmesse haben wir anhand des heroischen Beispiels des heiligen Josephs über Treue nachgedacht.
Der heutige Abend ist für mich ein besonderer, weil ich weiß, wo ich vor 30 Jahren war. Da habe ich in der Sankt Bonifatiuskirche in Artern (Thüringen) vor dem Altar gebetet (ich weiß auch, was), dort, wo ich am nächsten Morgen aus den Händen von Weihbischof Georg Weinhold aus Dresden die Diakonenweihe empfangen sollte.