Mittwoch, 31. Januar 2018

Die gestrige Predigt des Papstes

Uns oder nicht uns? Das hat uns Papst Franziskus gestern gepredigt, als wir mit ihm in Santa Marta Eucharistie gefeiert haben: 
(Quelle: Radio Vatikan) 

Der Papst predigte über einen Ausschnitt aus dem Markusevangelium (5,21-43), der zwei Heilungswunder Jesu referiert. Zwei Episoden, über die man gar nicht so tief nachzudenken brauche, sondern die man eher „betrachten“ solle, sagte der Papst. Sie zeigten, „wie ein Tag im Leben Jesu aussah“ – und damit seien sie ein Modell für das Leben der Hirten, ob das nun Bischöfe oder Priester seien.

„Jesus macht kein Büro für geistliche Beratung auf mit einem Schild: Der Prophet empfängt montags, mittwochs und freitags von drei bis sechs. Der Eintritt kostet soundsoviel, wer will, kann gerne eine Spende geben… Nein, so macht Jesus das nicht. Und er macht auch kein Arztbüro auf mit einem Schild: Die Kranken können bitte an folgenden Tagen kommen und werden dann geheilt. Nein, Jesus wirft sich mitten unter das Volk!“

Und genau das sollten auch die Hirten heute tun: „Das ist das Modell des Hirten, das Jesus uns gibt!“ Ein Hirte, der es wie Jesus halte, sei abends natürlich „müde“ („richtig, nicht nur ideell müde“) – aber eben wie „einer, der arbeitet“.

Das Evangelium erwähnt auch, dass Jesus von der Menge fast erdrückt wird und dass Leute ihn „berühren“. Fünfmal - Franziskus hatte nachgezählt - verwende Markus in diesem Abschnitt das Wort „berühren“. Und Jesus lasse sich auch einmal lächerlich machen, er lasse zu, dass man sich über ihn lustig mache. Wieder einmal, in der Sicht des Papstes: „die Haltung des wahren Hirten“.

„Der Hirte wird am Tag seiner Weihe mit Öl gesalbt. Aber das wahre Öl, das innerliche, ist das Öl der Nähe und der Zärtlichkeit. Wenn ein Hirte nicht weiß, wie er nahe an andere herankommen kann, dann fehlt ihm etwas; vielleicht ist er dann eine Art Boss auf dem Feld, aber er ist kein Hirte. Ein Hirte ohne Zärtlichkeit ist ein Strenger, der den Schafen eins überzieht. Nähe und Zärtlichkeit – das sehen wir hier. So war Jesus.“

Wenn sich ein Hirte um dieselbe Haltung wie Jesus bemüht, dann wird sein Volk – davon ist Franziskus überzeugt – die Anwesenheit des lebendigen Gottes spüren.

„Heute können wir in der Messe für unsere Hirten beten, auf dass der Herr ihnen diese Gnade gebe, mit dem Volk zusammen voranzugehen, im Volk präsent zu sein mit so viel Zärtlichkeit, so viel Nähe. Und wenn das Volk seinen Hirten findet, dann spürt es etwas Besonderes, wie man es nur in der Nähe Gottes spürt. Der Evangelientext endet so: „Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen“, vor Staunen. Das Staunen derer, die im Hirten die Nähe und die Zärtlichkeit Gottes spüren.“