Freitag, 5. Januar 2018

Die Saratower Krippe

Packpapier, Polystyrol, Blumentöpfe und ein paar Figuren aus Polen, ... Die Weihnachtskrippe in unserer Kathedrale an der Wolga ist einfach gestaltet, aber die Leute stehen und knien davor, schauen, fotografieren, beten, ... und sagen: Sie ist diesmal besonders schön. Das ist kein Grund, über Geschmack und Kunst streitend zu widersprechen, sondern eine einfache Tatsache. Ich habe beim Hinhören bemerkt, wie im Wort "schön" Gefühle von Freude und Wohlbefinden mitklangen. Natürlich, am Berg Tabor war es weit intensiver, als Petrus vorschlug, drei Hütten zu bauen. Aber doch hat es etwas davon: "Hier möchte ich bleiben." - "Gut, dann komm wieder, und lerne, wie man bleibt, auch wenn man geht", möchte ich antworten. 
Schon übermorgen geht die Weihnachtszeit zu Ende, die Menschwerdung Gottes aber nie. Er möchte bei uns bleiben. Was sieht er wohl, wenn er uns anschaut? (Ich glaube, es war in einem Laden am Münchener Flughafen, wo ich vor Monaten eine Postkarte mit dem Text sah: "Alles, was man mit Liebe anschaut, ist schön.")
Nach altem Brauch werden wieder manche die Krippen stehen lassen wollen, bis zum 2. Februar (Mariä Lichtmess), aber streng liturgisch genommen, ist das falsch. Die Kathedrale sollte ein Vorbild in der Einhaltung liturgischer Normen sein. Falls aber der Pfarrer die Krippe stehen lassen möchte, werde ich ihm nicht - wie früher - widersprechen, denn ich weiß, dass eine gute Pastoral (Seelsorge) nicht nur von Vorschriften lebt. Das ganze Kirchenrecht und alle Gebote gründen und münden in der Liebe. - Herr, gib uns ein weises, weites Herz!