Freitag, 23. März 2018

Morgen - gestern

Ja, richtig, nicht aus-, sondern eingecheckt habe ich mich gerade, zu Hause am Computer, für den nächsten Flug. Morgen früh um 7.00 Uhr geht es auf nach Krasnodar, wo ich mit der Pfarrgemeinde den Beginn der Heiligen Woche - den Palmsonntag - feiern werde, und wo ich anschließend, am Montag, die heiligen Öle weihe. Letzteres ist ein kirchlicher Brauch, zu dem jeder Ortbischof alle seine Priester am Gründonnerstag Morgen in die Kathedrale einlädt. Bei uns wäre das unmöglich, denn manche würden es nicht einmal bis zur Osternacht wieder zurück in ihre Pfarreien schaffen. Das Bistum ist dafür zu groß. Darum weihe ich in diesem Jahr zum 20. Mal zweimal die heiligen Öle Chrisam, Katechumenen- und Krankenöl: am Montag in der Karwoche unter Anwesenheit der Priester aus dem Süden des Bistums Sankt Clemens, in Krasnodar, und am Dienstag, mit den weiter nördlich wohnenden, in Saratow. 
Die vergangenen Tage gehen mir nach, bzw. gehen in meinem Herzen mit: Gestern haben wir unsere liebe Mutter zu Grabe getragen. (Ich gebe ehrlich zu: Ich habe mich seitdem noch nichteinmal umgezogen. Aber das kommt gleich.) Sowohl beim Requiem als auch am Friedhof, herrschte eine Atmosphäre inniger Anteilnahme, getragen von - interessant, hier passt jedes Wort: Glaube, Hoffnung und Liebe. Auf Schritt und Tritt "stolperte" sicher nicht nur ich über die vielen Gründe zum Danken, über die mütterliche Liebe und den starken Charakter unserer am Samstag Verstorbenen. "Man stirbt nur einmal im Leben", rechtfertigte Schwester Helena ihre Teilnahme an der Beerdigung. Sie war mit 5.313 km die mit Abstand am Weitesten Angereiste, (gefolgt von Saratow/Marx: 2.951 km; Kaliningrad: 1.037 km; Schwäbisch Hall: 379 km; Worms: 310 km usw.). Einen der Gründe zum Danken und Freuen fand ich in einem alten Fotoalbum meiner Mutter: da hatte sie mich 1962 für ein Familienfoto auf den Schoß genommen ...