Samstag, 21. April 2018

BILDER (und) SPRACHE

Saratow. Nach dem langen "Grippe-Theater", versuchte ich mich gestern erstmals wieder so richtig am Arbeitsplatz, im Büro in Saratow. Nicht einmal alle dringenden Sachen waren erledigt, da war der Tag schon vorbei. Zwei Saratower Priester und drei Ordensschwestern waren gestern schon zur Pastoralkonferenz nach Dresden aufgebrochen. Sie besuchen vorher ihre Partnergemeinde dort in der Stadt. Wegen Nebel in Saratow, schafften sie den Anschluss in Moskau nicht mehr. Dennoch kam eine fröhliche Nachricht vom Umsteigen: Es gab noch eine Maschine am späten Abend. Dass nur Plätze im Business-Bereich zur Verfügung standen, nahm die Fluggesellschaft auf ihre Rechnung. Ich feierte die Abendmesse in der Kathedrale, wo die Altarwand (Foto links) immer mehr Gestalt annimmt. Dann kehrte ich in meine Wohnung im 6. Stock in der Puschkinstraße heim und machte eine letztes Bild vor der Haustür. 
Marx. Samstag. Da die Stimme noch nicht wieder ganz hergestellt ist und ich gestern verstand, dass es immer noch zu früh ist, wieder voll einzusteigen, nutze ich den heutigen Samstag abermals zum Auskurieren. Die Tage vor der Pastoralkonferenz sind gezählt! Nur "Viel liegen!" - funktioniert nicht. Also brachte ich mit Pater Reinhard zwei Pfarreiautos zum Reifenwechsel. Die Winterreifen können endlich runter. Bei der Gelegenheit entstanden drei Bilder: russische Winterreifen mit Spikes, die Marxer Feuerwehr im Einsatz und - ich sehe was, was Du nicht siehst - eine super-moderne LED-Straßenlampe an der Hauptstraße.
Ein Spaziergang am Nachmittag führte unter anderem auch zum Grab von Schwester Anna, die 1984 mit einer Handvoll junger Schwestern die Niederlassung ihrer Ordensgemeinschaft in Marx gründete, und die im Heiligen Jahr der Erlösung - im Jahr 2000 - verstarb. Ich glaube, selbst für Einheimische ist es schwer zu sehen, wie da am Friedhof reihenweise Gräber für demnächst Sterbende ausgehoben sind. Auch die jetzt im Frühjahr aus dem Süden zurückkehrenden Krähen verbreiten eine bedrückende Atmosphäre, indem sie sich um die Sitzfläche auf den Kreuzbalken der Gräber streiten. Beten kann man natürlich trotzdem.