Montag, 16. Juli 2018

Damals war es gefährlich

Ich möchte heute auf ein Foto zurückkommen, das eigentlich vorgestern hier her in das Blog gehört hätte, denn vorgestern vor 40 Jahren wurde es aufgenommen. Was ist darauf zu sehen? Acht junge Ordensschwestern, stehend, bzw. kniend um einen Tisch herum, auf dem ein Kreuz steht. Das waren die ersten jungen Berufungen in die zwei Jahre vorher, heimlich in Karaganda eingetroffene Ordensgemeinschaft der Dienerinnen Jesu in der Eucharistie. Alle acht jungen Frauen sind Kinder russlanddeutscher Familien. Das Bild entstand am Tag ihrer ersten Gelübde (Versprechen von Gehorsam, Armut und Keuschheit, vorerst für ein Jahr). Ein so intensives, gemeinsames geistliches Leben, wie es Ordensregeln vorschreiben, war in der UdSSR nicht erlaubt. Im Gegenteil, diese jungen Frauen haben noch am eigenen Leibe erlebt, was es heißt, für seinen Glauben verfolgt zu werden. Das Foto existiert heute, Gott sei dank, als Ganzes. Damals hatten es die Schwestern zerschnitten. Jede nahm nur ihr eigenes Portrait mit nach Hause, damit bei einer eventuellen Kontrolle nicht andere mit "aufflögen". Auch den Habit, das Ordensgewand, trennte jede nach dem Gottesdienst wieder auf und legte ihn als Stück schwarzen Stoff in eine Schublade im Schrank. Heute kann man das erzählen... 
Sechs der acht haben sich später durch "ewige Gelübde" auf diesen Weg der Christusnachfolge festgelegt. Sie leben heute in Sibirien, in der Ukraine und in Deutschland. Der Herr möge sie beschützen und seine Kirche durch ihr wunderbares Zeugnis segnen.