Samstag, 21. Juli 2018

Das ging unter die Haut

Im Programm nannte es sich "Wallfahrt". Im Wald, unweit der Start- und Landebahn des Irkutsker Flughafens, wurden 1989 Überreste von Toten gefunden. Der Verband "Memorial" nahm sich dessen an. Ergebnis: auf ca. 1 ha - Massengräber mit 15.000 - 17.000 in den Jahren 1937 - 1940 ermordeten Landsleuten. Ärzte, Priester, Ingenieure, Chauffeure, Bauern, Lehrer, Dienende, Elektriker, ... Wer damals seinen Nachbarn anzeigte, bekam eine Prämie. Bis heute sind die Archive unter Verschluss. Die Schuldfrage kann nicht bis ins Letzte geklärt werden.
Für unsere Jugendlichen war das eine tief emotionale Erfahrung, dort zu beten, wo vor 80 Jahren Gräber ausgehoben wurden: 30 x 7 m und 5 m tief. Bis zu 30 cm unter der Oberfläche sind sie mit gequälten, ermordeten Leichnamen gefüllt. Über den Regen klagte heute niemand. Es waren stille Stunden dort draußen. Sinn der Wallfahrt war es u.a. zu verstehen, wie wichtig Ehrlichkeit ist, auch wenn sie beschämt.
Der ganze Abend war geistlich geprägt. Ich, zum Beispiel, verließ mein Beichtzimmer hinten in der Kathedrale, um 23.30 Uhr. Andere Priester nicht viel früher.