Mittwoch, 25. Juli 2018

Die liebe Predigt

(Einer von denen ist Jakobus der Ältere)
Altarbild im Priesterseminar Sankt Petersburg
Es gibt einen liturgischen Brauch, demnach der Diakon (oder auch Priester), der in der heiligen Messe das Evangelium verkündet (vorliest), direkt davor zum Bischof kommt und ihn um den Segen für diesen Dienst bittet. Heute früh in der Messe, am Fest des heiligen Jakobus, kam also Pater Diogenes, mein Generalvikar, zu mir, verneigte sich um den Segen bittend, fügte aber noch ein Wort an: "Predigt?" Im Bruchteil einer Sekunde verstand ich, worum er bat: Heute, am Tag des Apostels, dem die spanischsprechenden Christen ihren Glauben verdanken, wollte er predigen. Wir hatten vor der Messe nichts besprochen. In solchen Fällen predige ich. Und ich hatte mich auch für heute vorbereitet. "Gut" - antwortete ich. Und er ging zum Ambo (Lesepult). Ich musste innerlich lachen, weil ich mir manche Pfarrer in westlicheren Ländern vorstellte, denen die Predigt das Wichtigste in der ganzen Messe ist. Probier' mal, denen die Predigt "wegzunehmen", zudem: kurzfristig. 😉 
Vor- und nachmittags versuchte ich mich in Büroarbeit. Nun aber reise ich vor Feierabend ab, denn ab heute Abend darf ich einen kleinen Exerzitienkurs für vier junge Frauen in Marx begleiten, die ihren Glauben ernst nehmen und Gott besser verstehen wollen. Die vier kommen aus Sibirien, dem Kaukasus und der Wolgaregion.