Sonntag, 1. Juli 2018

Leere Straßen

Nach seiner Rückkehr aus Kazan, wollte ich am Abend etwas mit dem Generalvikar besprechen. Dabei übersah ich, dass heute Russland gegen Spanien spielte. Meine Mitarbeiterinnen, die Schwestern, hatten sich bei ihm eingeladen und fieberten für "ihre" Mannschaft. Pater Diogenes mußte sich auch ein wenig von der langen Autofahrt ausruhen, sagte ich mir, und gönnte mir, parallel zum Fussball, einen Spaziergang, hier bei uns im Stadtzentrum. Die holprigen Bürgersteige konnte ich mir sparen, denn die Fahrbahnen waren frei. Wie ausgestorben, die Stadt. Und wenn sich das Geschrei aus einem Fenster im ersten Moment nach einer harten Ehekrise anhörte, dann entpuppte es sich beim Hinhören als Fan-Aufregung vor dem Fernseher. Als auch die Nachspielzeit nicht ausreichte und das Elfmeterschießen begann, saß ich schließlich auch mit auf dem Sofa. Und dann war Zeit für die Besprechung mit Pater Diogenes. Morgen früh fährt er schon wieder weg, zu einem persönlichen Gespräch mit einem Priester.