Freitag, 6. Juli 2018

Still, wie in Alexejewka

Ein Hund bellt, die Uhr tickt, auf Asphalt rollende Autoreifen von Zeit zu Zeit. Nein, ganz so still wie in Alexejewka ist es doch nicht. 1.00 Uhr nachts in Marx. Ich öffne das Fenster in der Hoffnung, dass es die Mücken nicht finden. Es ist die Nacht vom ersten Donnerstag im Monat zum ersten Freitag. In diesen Nächten beten die Schwestern in der Kapelle des Marxer Klosters. Sie teilen sich die Nacht in Stunden ein, obwohl sie derzeit wenige sind. Das hat mit der Nacht zu tun, in der Jesus aus Getsemani in den Palast des Hohenpriesters geschleppt wurde, und mit den Priestern, für die die Schwestern dieses unbemerkte nächtliche Gebet aufopfern. Die Stunde von 0.00 bis 1.00 Uhr schien frei. Ich hatte mich (spät) in die Liste eingetragen, ohne zu bemerken, dass da noch ein zweiter Zettel war. Es wäre keine Lücke im Gebet entstanden, auch ohne mich. Seit Jahren hält sich der Brauch, dass auch einige Jugendliche zum nachts Beten kommen. Die schlafen dann oben im Kloster, in den Zimmern für Gäste.