Sonntag, 9. September 2018

Paulina

Obwohl ich nur ein wenig nach der Sonntagsmesse fotografiert hatte, wollte ich anfangs eine Collage verwenden, dann aber blieb ich beim Bild der kleinen Paulina, denn schon das ist eine ganze Geschichte. Paulina gehört zur ersten Generation katholischer Christen, die nach den Jahrzehnten des Terrors gegen die Kirchen, in eine junge katholische Familie hineingeboren wurden. Ja, ihre Eltern sind beide katholisch. Ein Glücksfall bei weniger als 0,1 % Bevölkerungsanteil in Südrussland! Sie haben sich beim ersten Kurs für Laienkatecheten kennengelernt, den wir vor längerer Zeit im Bistum St. Clemens organisiert hatten. Heute stand (!) sie neben ihrem großen Bruder, an der Hand ihres Papas, als ich mich im Hof des Pfarrhauses von der Familie und vielen anderen verabschiedete. 
Es waren geschätzte 50 bis 60 Christen, die heute morgen in Vladikavkaz zur Messe gekommen waren. Darunter eine Gruppe vietnamesischer Männer, ein orthodoxer junger Mann, der sich auf's Priesterwerden vorbereitet, und viele Bekannte. Dass (ausnahmsweise) schon drei Jahre seit meinem letzten Besuch in Nordossetien vergangen waren, war nur an den gewachsenen Kindern zu spüren. Gewöhnlich komme ich jedes Jahr Anfang September. Pater Janusz, der hier schon geraume Zeit Pfarrer ist, hat seine Gemeinde sehr gern. Als er mit einem jungen Mann sprach und dabei aus irgendeinem Grund den rechten Zeigefinger zum Himmel erhob, fiel mir eine diesem Moment sehr ähnliche Abbildung des Pfarrers von Ars ein.
Vladikavkaz hatte einst eine katholische Kirche. Ein Stück des Gemäuers der Kirchenruine ist heute, meines Wissens, noch auffindbar, umbaut von anderen Gebäuden. Die heutige Kapelle, die Pfarrwohnung und der Innenhof machen einen etwas mittelasiatischen (oder eben kaukasischen) Eindruck: in einer Reihe mit anderen Häusern, mit viel Schatten und Stille hinter dem Tor zur Straße.
Unter dem 1. September 2019 ist Vladikavkaz seit heute in meinem Kalender eingetragen.