Sonntag, 4. November 2018

Trostlos


Mit einem einzigen Wort beschrieb unser Gast aus Süddeutschland seine Eindrücke nach dem Besuch auf dem Friedhof in Stepnoje: "Trostlos." Mehr sagte er nicht. Trotz des Schmuddelwetters hatten wir uns nach der Messe in der unterkühlten, stromlosen und darum dunklen Kapelle über den aufgeweichten Feldweg zum Friedhof gewagt. Die vier Frauen wollten die Gräbersegnung nicht verschieben. Ja, mehr waren heute nachmittag nicht gekommen. Ob es daran lag, dass der 4. November ein Feiertag in Russland ist, und das mit einer bestimmten "Kultur" verbunden wird? Oder ob alle mit ihren Kühen beschäftigt waren? Das Dorf machte einen total ausgestorbenen Eindruck. 
Ich war natürlich schon lange nicht in Stepnoje, dessen Pfarrer ich einst, seit der Ansiedlung deutschstämmiger Flüchtlinge aus den zentralasiatischen Republiken Tadschikistan und Usbekistan, Anfang der 90-er sein durfte. (Stepnoje ist Außenstation von Marx, 47 km östlicher gelegen.) Armut und Perspektivlosigkeit sind geblieben. "Komplett umsiedeln, näher an eine Stadt heran" - fällt mir immer ungewollt als Lösung des Problems ein. Doch nicht um das ernsthaft vorzuschlagen, war ich heute nach Stepnoje gekommen, ...