Mittwoch, 22. Mai 2019

Schweigen, weil es Wichtigeres als Worte gibt


Pater Laurent (55), einer der fast 100 Teilnehmer unserer heute Morgen zu Ende gegangenen Pastoralkonferenz, schaut still auf die Reste Marientals im Wolgagebiet. Einst lebten hier über 10.000 Einwohner, von denen fast alle deutsch und katholisch waren. Anfang des Jahres 1921 erlebte das Dorf ein grausames Blutvergießen, wovon die Mauern der großen Pfarrkirche (linke Bildhälfte) noch heute zu weinen scheinen. Mariental war eines der Ziele unseres Ausflugs am Sonntagnachmittag. In der Kirchenruine unter freiem Himmel sangen wir im Gedenken an die Opfer jener Zeit ein österliches "Salve Regina". 
Ein Bild mit Pater Laurent habe ich ausgesucht, weil der ehemalige Pfarrer von Orleans heute früh sein letztes unmittelbares Gespräch mit mir führte. Nach fast 14 Jahren in unserer Diözese, kehrt er heim nach Frankreich. Seine Ordensgemeinschaft schließt ihre Niederlassung im Nordkaukasus Ende August. Pater Laurent ist traurig darüber, dass er geht. Ihm wichtige Jahre seines Lebens hat er hier verbracht. Gehen ist für ihn ein bißchen wie Sterben, habe ich gespürt. Sein Russisch war nie perfekt. Aber selbst in unserer Zeit, die so viel Wert auf Worte legt und so wenig schweigen kann, gibt es Wichtigeres und ist ein "Armuts-Zeugnis" letztlich überzeugender als erfolgreicher Perfektionismus.