Samstag, 6. Juli 2019

Eine Heilige aus dem Bistum Sankt Clemens?

Voreile ist weder geboten, noch gewünscht, in solchen Angelegenheiten. Und doch ist der Ausgangspunkt eines Heiligsprechungsprozesses die Meinung der Menschen, besonders derer, die die betreffende Person persönlich kannten. Die Erinnerung, möglicherweise die Verehrung. Schon lange höre ich von Gertrude Detzel, die eine ganz besondere Frau gewesen sein muß. Seit Mitte der 50-er Jahre bis zu ihrem Tod 1971, lebte sie in Karaganda (Kasachische Sowjetrepublik). Ordensschwester zu sein, war in der UdSSR verboten, aber sie lebte so. Ihre ganzes Leben war Gott geweiht und sie lernte anderen, ihn zu suchen und zu lieben. Das war lebensgefährlich. Ob es stimmt, dass sie aus dem Gefängnis entlassen wurde, weil sie auch dort zu erfolgreich missionierte, weiß ich nicht. Aber bei allem, was ich höre und lese, kann ich es mir tatsächlich vorstellen. Sie war 1949 zu 10 Jahren Arbeitslager am Kaspischen Meer verurteilt worden. Unlängst, beim Treffen mit den Bischöfen aus Kasachstan, kamen wir auf sie zu sprechen. Wegen der Zeitverschiebung hatte ich dann am Abend Einschlafprobleme und suchte und las über Gertrude. Da stellte sich heraus: Sie wurde 1904 in Fürstenfeld, einem deutschen katholischen Dorf geboren. Später wurde es in Rozhdestvenskoe umbenannt, heute ist es in die Stadt Nevinnomyssk eingemeindet. Das liegt im Bistum Sankt Clemens! Zwar hat das Recht auf die Prozeßführung jeweils der Bischof, in dessen Gebiet der oder die Entsprechende verstorben ist, im konkreten Falle, der Bischof in Karaganda. Auch Bischof Joseph Werth, der Gertrude persönlich kannte, ist an ihrer Seligsprechung interesiert. Aber hier geht es ja nicht um Konkurrenz oder "Wegnehmen", sondern um eine große, große Freude, bei der wir uns gegenseitig helfen können.
Vom Staat rehabilitiert wurde Gertrude 18 Jahre nach ihrem Tod: im Dezember 1989, "aus Mangel an Beweisen" (Google). Ich hoffe, man kann es auch mit "fehlender Tatbestand" übersetzen.