Sonntag, 1. September 2019

Papst Franziskus ehrt litauischen Erzbischof

Zum späten Abend "greife ich noch mal zur Feder", vor Freude und aus Dankbarkeit für die Entscheidung Papst Franziskus', den emeritierte Kaunaser Erzbischof Sigitas Tamkevicius (80) zum Kardinal zu ernennen. Er hat viel gelitten für seinen Glauben und für die Kirche. Während unserer jährlichen Pastoralkonferenz des Bistums Sankt Clemens war er 2011 unser Gast (Foto). In einem Interview sagte er: "Die Jahre der Verfolgung haben für mich nicht nur eine dunkle, sondern auch eine helle Seite. Es war sicher ein Lebensabschnitt, der zu den wichtigsten in meinem Leben gehört. Ich lernte dort ein großes Vertrauen in Gottes Vorsehung. Es war eine Zeit, in der man für den eigenen Glauben wie auch für die Rechte der Kirche zu einem echten Kampf bereit sein musste. Ich hatte viele Möglichkeiten, mit anderen Menschen den Glauben zu teilen oder über Gott zu sprechen. Ich habe dort (im Gulag) auch getauft, Beichten gehört oder Menschen in den christlichen Glauben eingeführt. Zu den dunklen Seiten gehört sicher, dass die Zeit im sibirischen Arbeitslager ein sehr schweres Kreuz war. Wahrscheinlich gibt es keinen Ort, an dem menschliche Bosheit so hautnah erfahren werden kann wie im Gulag. Viele sind dort wegen der unmenschlichen Lebensbedingungen gestorben. Zu den hellen Seiten jener Verfolgung gehört für mich, dass das Kreuz der Verfolgung vielen Menschen einen tiefen Glauben geschenkt hat... Der Tag war streng reglementiert. Das Schwierigste aber war der völlige Verlust der Freiheit und die beinahe vollkommene Isolation von der Außenwelt. Pro Monat durften wir nur zwei Briefe schreiben. Wir konnten aber nie schreiben, was wir schreiben wollten. Umgekehrt bekamen wir nur sehr selten Post. Wie schwer das Lagerleben war, hing wesentlich von den Wärtern ab. Waren sie menschlich, waren die Haftbedingungen leichter zu ertragen."