Sonntag, 21. April 2019

Wollte mich nur kurz melden

Frohe Ostern, liebe Gäste! Ich hatte ja angedeutet, dass ich mich heute wieder melde. Natürlich werde ich nicht im Nachhinein von den vielen Erlebnissen innerhalb der Karwoche erzählen. Irgendwo, ich glaube, bei Benedikt XVI., habe ich gelesen, dass der moderne Mensch einer Mutation gleich kommt, weil er von früh bis spät in Bildern lebt, die er selbst verschickt oder empfängt. Das Internet macht unbemerkt abhängig, unfrei, trotz all seiner guten Seiten. Das habe ich während der "Abstinenz" gespürt, und das spüre ich jetzt.
Heute, am Ostersonntag, bin ich, wie seit 28 Jahren, in Marx. Hier gehört eine Osterprozession vor der Messe, dreimal um die Kirche, zum festen Brauch, ohne den nicht "richtig" Ostern ist. Am Nachmittag kam ich nicht über einen Krankenbesuch (in einem der nahegelegenen Dörfer) hinaus. 

Sonntag, 14. April 2019

Dieser Eintrag möge bis Ostern genügen.


Ein Osterlamm müsste doch weiß sein, oder!?

Saratow, Heilige Woche 2019


Liebe Bloggäste!

Der Sinn hinter dem weißen Osterlamm ist Christus, der Makellose, Reine, Heilige, der sich für uns zum „schwarzen Schaf“ gemacht hat, der den übel riechenden, giftigen, randvoll mit meinen und Deinen Sünden gefüllten Kelch bis zum letzten Tropfen ausgetrunken hat. Er hätte eigentlich daran sterben müssen. Er ist daran gestorben. Klinisch, biologisch, wirklich. Aus, Ende, tot. 

Aber da war noch was … … … Gott:

Resurrexit, sicut dixit, alleluia!
(Er ist auferstanden, wie er vorausgesagt hatte, Alleluja!)

Gott ist die Liebe, stärker als der Tod und das Heer dessen Diener und Dienerinnen.

Er hat das „schwarze Schaf“, seinen „verlorenen Sohn“, in die Arme genommen, als dieser, erblindet, mit letzter Kraft dem Kompass seines Herzens folgend, vor ihm zusammenbrach. Da war es „vollbracht“. Da hatte er Dich und mich in seinem Herzen nach Hause gebracht.

Nein, nicht wider unseren Willen, und nicht ohne den! Der Wille ist eine Kraft unserer Seelen, eine Sprache, die nicht selten des Logopäden bedarf. Dessen Sprechstunden sind ohne Warteschlange zu erreichen und kosten nichts anderes als ein wenig unserer vielzitierten kostbaren Zeit.

Liebe schwarze Schafe, ich wünsche Ihnen, Euch und mir, dass unsere Osterfreude wie das Wasser sehr tief gelegener Quellen aus einer Begegnung im Innersten entspringt und still durch die Schichten des Glaubens und des Dankens dringt, bevor sie „draußen“ ihren Ausdruck findet in Worten und Taten.  

Herzlichst
Ihr Clemens Pickel

Samstag, 13. April 2019

Letzter Frühjahrsferientag

Es war mir eine Freude zuzusagen, als mich unser Marxer Pfarrer um Aushilfe für den heutigen Samstag bat. Er selbst feiert den Sonntagsgottesdienst (am Vorabend) in Penza, was mit seiner halben Million Einwohnern, 250 km von Marx entfernt, zu seinen Außenstationen gehört. In Marx nutzten die Schwestern die Frühjahrsferien der Schulen, um heranwachsende Schüler aus Stadt und Land für zwei gestaltete Tage einzuladen. Das ist für die "fast Jugendlichen" interessanter als "nur" Religionsunterricht, wenn man zusammen essen, aber auch gemeinsam den Kreuzweg beten kann. Für die Schüler vom Dorf war das gleichzeitig die letzte Gelegenheit zur Osterbeichte, was sie klugerweise auch nutzten. Mein Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen in Marx ist in den letzten Jahren nicht mehr so intensiv gewesen, wie er es früher war. Darum mußte ich heute ganz schön staunen, wie groß manche schon geworden sind. Im Gesicht eines Mädchens erkannte ich das ihrer Mutter vor 25 Jahren, als jene ein Kind war. Warum die Frühjahrsferien so früh sind? Oster- und Pfingstferien gibt es hier nicht. Und die dreimonatigen Sommerferien beginnen Ende Mai. 
So. Morgen beginnt nun die Heilige Woche. Ich weiß, was für die kommenden Tage in meinem Kalender steht und werde nach Stille schnappen, wie die Meeressäuger nach Luft. Darum folgt nur noch ein Blogeintrag vor Ostern, nämlich morgen Abend, wenn ich schon fast in Krasnodar bin. Dieser Eintrag, ein Gruss zum zweimal Lesen und darüber Nachdenken, ist bereits vorprogrammiert und wird automatisch erscheinen.

Freitag, 12. April 2019

Fastenzeit - Endrunde

Wie gestern der Frühling, so braust heute das Wochenende heran. Ein besonderes - Palmsonntag, Beginn der "Heiligen Woche", auf Russisch eher als "Leidenswoche" bekannt. Damit alle Priester die Möglichkeit haben, an der Weihe der heiligen Öle teilzunehmen, tue ich das seit 20 Jahren zweimal: am Montag in Krasnodar, am Dienstag in Saratow. (Nachtflug, an Saratow 2.35 Uhr.) Auch feiern wir an diesen Tagen die Einsetzung des Sakraments der Priesterweihe. Und ich nutze die Treffen für eine jeweils kurze Dienstbesprechung. Es ist üblich, dass Priester mit dem Auto kommen und Gemeindemitgleider mitbringen. Allein in Saratow sind deshalb nach der Messe am Dienstag 74 Personen zum Mittagessen angemeldet. Eine große Zahl - bei zwei vierflammigen Gasherden! 
Ein Grabstein, der im Glauben an die Auferstehung gesetzt wurde, passt zu Ostern. Hier einer, den wir in einem von der Oberfläche verschwundenen wolgadeutschen Dorf gefunden haben. Man kann gut entziffern: "Hier liegt begraben Pater Georg Petkewitsch, geboren 1831, gestorben am 7. Mai 1904".

Donnerstag, 11. April 2019

Frühling, Fisch und Stille


Unglaublich schnell ist nun endlich Frühling an der Wolga geworden. In der Sonne kletterte das Thermometer heute weit über 20 Grad. Für die Fahrt nach Marx gab es gleich mehrere Gründe: Reifenwechsel, Steueramt und Einkehrtag im Kloster. Mittagessen gab´s im Pfarrhaus, vorbereitet von den Gästen aus Zittau, die ein paar Wolga-Fische am Markt gekauft hatten.  Ach, und die "Hauptsache": Gestern Abend rief mich eine Großmutter aus einem mir gut bekannten Dorf an, sie wolle kommen und mich um einen Segen bitten. "Fahren Sie fort?", fragte ich. "Nein. Ich wurde zur Dorfältesten gewählt", antworte sie.  "Was ist denn das?!" wollte ich wissen. Es fiel ihr schwer, am Telefon alles zu erklären. So verabredeten wir uns für heute um 10.00 Uhr in Marx...
Der monatliche Einkehrtag im Kloster ist jedesmal auch für mich ein Tag der Besinnung. Ich bin dankbar dafür, wie ernst die Schwestern ihre Berufung nehmen, und wie sie damit ein gutes Beispiel für uns alle geben. "Das Größte, was ein Mensch tun kann, ist beten. In der Ewigkeit werden wir nichts anderes tun." - Solche Gedanken scheinen auch Christen manchmal fern. Liegt es daran, dass wir das (Wort) Beten so schlecht verstehen?  

Mittwoch, 10. April 2019

Träume und Wirklichkeit

Ein weltreisendes Ehepaar aus Zittau, also von da, wo Pater Bosco früher Pfarrer war, machte heute Station in Saratow. Sie haben noch fünfeinhalb Monate vor sich. "Weltreise" - Das ist ein Zauberwort. Es weckt Fernweh, Neugier und vielleicht auch ein wenig Neid. Die Welt ist schön, trotz allem. 
Manchmal werde ich von Einheimischen gefragt, ob mir Russland gefällt. In Zeiten gehobenen Nationalbewußtseins muß man da im Zweifelsfall behutsam mit der Antwort sein. Ich zweifle nicht: Jede Begegnung mit ehrlichen Menschen macht es noch schöner. 

Dienstag, 9. April 2019

Licht - Leben - Liebe

Am Abend sah ich erstmals die neuen Leuchter in der Kathedrale hängen. Wir hatten am vorletzten Sonntag bistumsweit dafür gesammelt. Sie passen zum Kirchenraum, und geben ihm noch mehr Feierlichkeit. (Nur Lampen gibt es nicht zu kaufen. Aber wir haben schon welche bestellen können.) Ich kann mir denken, dass diese Art der Beleuchtung nicht dem gängigen deutschen Geschmack entspricht. Muss sie ja auch nicht, in Russland. Zur Entspannung hier ein Zitat, das ich neulich unterwegs im Land gehört habe: "In Deutschland, die bauen jetzt kahle Kirchen, kahl und teuer!" 😉
Ich möchte an dieser Stelle jenen danken, die geholfen haben, die heutige Operation einer unserer einfachen, großartigen Frauen zu bezahlen. Die Tochter der Kranken hat gestern geweint, weil sie nicht wußte, wie sie sich bedanken könnte. Leider mußte die Operation abgebrochen werden, bzw. nur eine von zwei gleichzeitig geplanten OP's konnte gemacht werden. Ich weiß noch nicht den Grund. Legen wir ihn vor dem Schalfengehen in Gottes Hände!
Die drei Worte der Überschrift stammen von der "Stalingrader Madonna", einem Bild, das der evangelische Pastor und Arzt Kurt Reuber 1942 im Kessel von Stalingrad mit Kohle auf die Rückseite einer Landkarte gezeichnet hatte. Sie schienen mir zum Text zu passen, mehr oder weniger direkt.

Einfach Dienstag in Saratow

Das Foto des Tages stammt von Schwester Anastasia, unserer Ökonomin: Letztes Eis auf der Wolga
Die Höhe- oder Schwerpunkte des heutigen Tages sind zwei gewesen: Der chirurgische Eingriff, auf den ich am Samstag aufmerksam machte. Davon werde ich heute Abend oder morgen sicher noch schreiben. Alles Nötige war innerhalb von drei Tagen (einschließlich Wochenende!) zusammengekommen. Danke! Zweitens: Der Provinzial unserer Redemptoristenpatres besucht derzeit seine Mitbrüder im Bistum Sankt Clemens. Sie sind als Seelsorger in Orenburg, Orsk und Togliatti tätig. Heute kam er im Auto von Togliatti nach Saratow. Der Nachmittag war einem Gespräch mit ihm gewidmet. Bleibt noch die Abendmesse, die ich heute in der besonderen Meinung von Schwester Susanna feiern will. Sie lebt in einer Gemeinschaft kontemplativer Dominikanerinnen im Kloster Lage, unweit von Osnabrück und feiert heute ihr Diamantenes Professjubiläum. Das heißt, vor 60 Jahren legte sie Gott ihr Leben als Ordensfrau in die Hände. Sie ist uns hier in Russland seit vielen Jahren eng verbunden. 

Montag, 8. April 2019

Ein Tag wie "auf der Bremse"

Wenn es nicht ganz nötig ist, bringen die nächtlichen Reisen (besonders die Rückreisen nach Pastoralbesuchen) nichts. Das weiß ich schon lange. Und doch hatte ich es wieder versucht, einen Tag zu gewinnen. Gebracht hat es wenig. Zwar war ich schon am Vormittag halb elf in Saratow, aber außer einem Besuch im Krankenhaus und der Antwort auf einen vom Thema her schwierigen Brief, kam heute nichts zustande. 
Für die begonnene Woche ist in Saratow der Frühling versprochen. Höchste Zeit.
Ob jemand auf den Eintrag vom Samstag (Fastenopfer) reagiert hat, konnte ich noch nicht herausfinden, abgesehen von der E-Mail eines Ehepaars aus Kassel.