Katholisch in Südrussland
Weder professionell, noch offiziell, möchte diese Seite Freunden die Möglichkeit geben, Einblick ins Leben im Bistum Sankt Clemens in Saratow zu gewinnen.
Sonntag, 27. September 2026
Freitag, 25. September 2026
Home office und Haus-Besuch
Die Technik macht's möglich: Nach den drei im wahrsten Sinne bewegten Tagen, verbrachte ich einen Tag im Home office, im Büro zu Hause.
Es war aber auch höchste Zeit, die vor Jahren erblindete und inzwischen an ihre Wohnung im 5. Stock gebundene Galina, wieder einmal zu besuchen. Es ist Monate her, dass sie die Sakramente der Buße und der Eucharistie empfangen konnte. So war ihr der heutige Nachmittag ein Fest. Eile ist da nicht geboten.
Donnerstag, 24. September 2026
Aus dem Leben im Bistum - drei Tage von früh morgens bis spät abends
Ich bin aus Uljanovsk zurück. Sechseinhalb Stunden sind das im Auto bis nach Saratow. Jetzt erst komme ich kurz zum Schreiben. Gestern eine Firmung, heute Morgen eine Taufe. - Das waren dieses Mal nur "Nebensachen", wie auch der heutige Geburtstag des Pfarrers. Das zahlenmäßig am besten besetzte Dekant unseres Bistums hatte mich zur Teilnahme am vierteljährlichen Treffen der Priester und Ordensleute eingeladen. Thema im Arbeitsteil der Versammlung waren die Gedanken von Papst Leo gegenüber den pastoralen Mitarbeitern seiner Diözese (Rom), in denen es um die Hinführung zur Begegnung mit Christus ging, worauf in der pastoralen Arbeit mehr zu achten sei. Priester und Ordensschwestern des Dekanats Mittlere Wolga trafen sich ausgerechnet vorgestern und gestern, weil das Bauland für die Pfarrkirche am Fest des Schutzpatrons derselben gesegnet werden sollte, am 23. September, dem Todestag des heiligen Paters Pio von Pietrelcina, der dort in Uljanowsk besonders verehrt wird. Etwa 200 Gläubige hatten sich aus diesem Anlass auf dem uns zugewiesenen Grundstück versammelt. (An einem Schul- und Arbeitstag! Es war ein großes Fest.) Im Anschluss an die Segnung feierten wir 10 Minuten von da zu Fuss, direkt am Wolgastrand, Eucharistie in einem viereckigen, weißen Saal, den uns ein Freund der Gemeinde kostenlos zur Verfügung stellt, bis die Kirche fertig ist.
Erst als das Fest mit Limonade und Kuchen für alle ausklang und die Sonne am anderen Wolgaufer unterging, fuhren wir zurück in die Altstadt, eigentlich totmüde. Doch die Freude des Tages war stärker. Ein heiterer Abend mit Liedern und Spielen zeigte erneut, wie jung die für die Seelsorge Verantwortlichen im Herzen sind.
Dienstag, 22. September 2026
Was hat Lenin mit Pater Pio zu tun?
Eine Pause (Foto) zum Luft Schnappen und Beine Vertreten - mehr war nicht nötig auf der fünfeinhalb stündigen Fahrt von Marx nach Uljanowsk, in die Geburtsstadt Lenins, wo sich ab heute Abend die Priester und Ordensschwestern der Region Mittlere Wolga zur Dekanatskonferenz versammeln. Viermal im Jahr sollen derartige Dekanatstreffen stattfinden, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren. Die katholische Diaspora in Russland ist und bleibt eine große Herausforderung.
Ich nehme am Treffen teil, weil es mit der Segnung des Grundstücks für den Bau einer katholischen Kirche zusammenfällt. Die Kirche soll nach Ihrer Fertigstellung dem Heiligen des morgigen Tages geweiht werden: Pater Pio von Pietrelcina.
Sonntag, 20. September 2026
94 Jahre
Oma Katja ist das älteste Gemeindemitglied in Saratow, schon seit Jahren. Letzte Woche hatte sie Geburtstag. Der Blutdruck "springt" zurzeit zu sehr. Sie kann nicht zur Kirche kommen. Darum hatte Schwester Emilia mit der Kindergruppe der Pfarrei für heute nach der Messe vereinbart, dass sie zum Gratulieren fahren. Oma Katja wohnt drüben auf der anderen Wolgaseite, in Engels und muss zweimal umsteigen, wenn sie sonntags mit dem Stadtbus zur Messe kommt. Die Kinder gratulierten mit Luftballons und Torte. "Das werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen", bedankte sich die aus Belarus stammende Großmutter. Auch für die Kinder war es ein beeindruckendes Erlebnis, unter anderem, weil und wie sich die 94-Jährige an Namen erinnerte.
Über'm Tellerrand
Pater Laurent, der reichliche 10 Jahre bei uns im Bistum tätig war, schrieb mir heute einen ausführlichen Gruß von seiner neuen Wirkungsstätte. Nach einigen Jahren in einem der vielen Wallfahrtszentren Frankreichs, hat er nun einen ruhigeren Posten bekommen. Er lebt in einem Kloster nahe Lyon, das vor 1000 Jahren gegründet, vor 600 Jahren stark umgebaut und während der französischen Revolution von den Mönchen verlassen wurde. (Den Namen hat er vergessen zu schreiben. Und ich habe mit noch nicht die Mühe gemacht zu suchen.) Ganz in der Nähe studiert Denis, unser vor vier Jahren geweihter Vikar aus Saratow.
(P.S. Hab's scheinbar gefunden: Abtei St. Robert in La Chaise-Dieu.)
Donnerstag, 17. September 2026
An der Grenze zum "zu viel"
Heute waren nicht nur die Hausaufgaben von gestern zu machen. Ich wußte, dass es schon wieder einmal die letzten Stunden im Büro sind, vor zwei ineinander übergehenden Reisen im Bistum. Also war Eile geboten. Schon am frühen Nachmittag war klar, dass ich nicht alles schaffe. Früher hätte ich das leichter ertragen.
Ein Blick auf die drei Marxer Waisen-Kätzchen schuf Entspannung.
Der Nachtrag soll kein eigener Blogeintrag werden. Ich hatte am Abend kurz geprüft, ob es noch Flüge nach Stavropol gibt. Das Internet sagte "Ja." Und ich konnte erst einmal ruhig schlafen. Statt mich heute Morgen im Auto auf die 941 km zu begeben, erledigte ich, was ich am Steuer nicht hätte tunh können. Mein Flug geht Morgen früh, über Moskau, hoffentlich ohne große Verspätungen.
Mittwoch, 16. September 2026
Wenn plötzlich sieben Priester am Altar stehen ...
Sitzung = sitzen + zuhören + reden. Sie waren weit dafür gefahren, unsere Dekane aus dem Bistum Sankt Clemens. Einer hatte es nicht zur Eucharistiefeier am Morgen geschafft. Auf den knapp über 1.000 km seines Weges, stand er heute Nacht drei Stunden lang an einer Unfallstelle, bis zwei schwere LKW's zur Seite geräumt waren. Den Hauptteil unserer Gespräche nahmen Berichte über die Seelsorge und das Leben der Ortskirche in den Dekanaten ein. Anschließend ging es um Termine im kommenden Jahr. Auch Schwester Jevgenia, die Ökonomin der Kurie, kam zu Wort.
Als Gegengewicht zum langen Sitzen, machten wir am Abend noch eine Exkursion für unseren Gast aus Deutschland. Der Weg führte vom Falkenberg mit seinem einzigartigen Blick über die Stadt bis an die Kathedrale unserer orthodoxen Geschwister.
Dienstag, 15. September 2026
Gäste, brüderlich - dienstlich
Heute wird rotiert. (Was nicht heißen soll, dass wir an anderen Tagen nichts tun.) In der Küche bereitet Schwester Emilia das Abendessen vor, im Büro Schwester Eugenia die Dokumente, die dann in die verschiedenen Regionen mitzunehmen sind. Am Abend kommen die Dekane aus dem ganzen Bistum. Morgen haben wir eine Sitzung. Die Vorgespräche beginnen in zwei Stunden.
Meine Aufgabe war es seit Tagen, Briefe zu beantworten, bzw. einfach zu verfassen, was mir wegen der nicht einfachen Themen so schwer wie schon lange nicht fiel. Ich lege es jetzt in Ruhe beiseite, weil meine Gäste einen langen Weg hinter sich haben und volle Aufmerksamkeit verdient haben.
Als ich kurz vor 20:00 bei denen anrief, die noch nicht da waren, erschrak einer, weil er sich im Datum geirrt hatte und noch zu Hause saß. Nun fährt er über Nacht, im Auto, allein. Ich hätte ihm seine Anwesenheit gern verziehen.
Abonnieren
Posts (Atom)









