Donnerstag, 9. August 2018

Mittwoch, 8. August 2018

Wie ein Sprint auf der Zielgeraden

Heute hatte ich mir den Wecker auf so zeitig gestellt, dass es mir nicht schwer fiel, das Aufstehen ein bißchen zu verschieben. Dumm, natürlich, denn es hatte schon seinen Sinn... Die Morgenmesse in der Kathedrale hätte ich dann trotzdem fast verpasst, weil ich bis dahin schon zu vertieft ins Arbeiten am Computer war. Meine Mitarbeiter gaben mir später deutlich zu verstehen, dass sie mich nicht ohne letzte Dienstbesprechung in den Urlaub entlassen. Eine kleine Pilgergruppe aus Ufa (Foto) kam mich besuchen, mit ihrem Pfarrer, Pater Tomasz, der jetzt in Marx ein paar Vertretungen übernimmt und mit seiner ehemaligen Gemeinde den 25. Weihetag und seinen 50. Geburtstag nachfeiern wird. Für die Gemeinde in Marx ist das eine große Freude.
Am heutigen Vortmittag habe ich glücklicherweise bemerkt, dass ich gar keinen Flugschein für morgen in den Urlaub hatte, jedenfalls für die erste Strecke von Saratow nach Moskau. ("Saratov Airlines" gibt es ja nicht mehr. Das Geld für den dort einst für den 9. August erworbenen Flugschein kann man nur über die lange Prozedur einer gerichtlichen Klage zurückverlangen. Mit automatisch Umbuchen war da nichts.) Denis, unser Seminarist, möchte noch mit mir sprechen, ich auch mit ihm. Der Vortrag für Sibirien wird nicht ganz fertig. Und anderes wird liegen bleiben. Und damit zum Endspurt ...

Dienstag, 7. August 2018

Vorletzter Arbeitstag

Der heutige Tag ist weitgehend einem Vortrag gewidmet, den ich endlich ausarbeiten muss, weil er noch übersetzt werden soll. Zu halten ist er am 27. August in Novosibirsk. Es geht unheimlich zäh damit voran. Ungestellte "frische" Fotos habe ich aber trotzdem: Links oben, das war gestern nach der Frühmesse in Marx. Unsere Erwachsenen sind manchmal - ganz im guten Sinne - wie Kinder und freuen sich, wenn man Zeit für sie hat. Rechts oben: Pater Ondrej, unser Saratower Pfarrer, mit Denis, der gerade sein Praktikum hier in der Gemeinde macht. Mutig und gern zieht dieser seine Soutane an. Ein kleiner Missionar... Unten: Beim Abräumen nach dem Mittagessen in der Pfarrei. Von Montag bis Freitag besteht bei uns die Möglichkeit, dass alle zusammen essen können: Caritas, Kurie und Pfarrhaus. Wir nehmen pro Mittagessen ca. 1,40 Euro, was deutlich unter den Einkaufskosten der Lebensmittel liegt, aber eben der Gemeinschaft dienen soll. Die andere Hälfte ist gewöhnlich vom Sankt Clemens Verein. Gern würde ich schon die Stunden bis zum Urlaub zählen, aber vorläufig macht das eher Angst als Freude.

Montag, 6. August 2018

Übliche Sorgen im dritten Ferienmonat

Bekanntlicherweise dauern die Sommerferien in Russland, wie in alten Zeiten, volle drei Monate: Juni, Juli, August. Wenn es am 1. September wieder los geht, sind viele aus ihren alten Sachen herausgewachsen. Es ist daher üblich, die Schüler zum Schulanfang (egal welches Schuljahr) neu einzukleiden. Ein Vater aus einer Kleinstadt fragte mich unlängst, ob wir in diesem Jahr etwas dabei helfen könnten. Es sei wieder vieles teurer geworden. Er ist Invalide, nur seine Frau geht arbeiten. Wir schauten gemeinsam das Nötigste durch und kamen auf die runde Summe von umgerechnet etwa 100 Euro pro Kind: Schulkleidung (Anzug, bzw. Kleid), Trainingsanzug, Schultasche, Hemden, Schuhe usw. Was kann ich machen? Ich gebe die Anfrage weiter an den St. Clemens Verein, der uns schon oft in solchen und ähnlichen Situationen geholfen hat. Ein paar Turnschuhe gibt es für unter 20 Euro, eine Hose für 17. Vermutlich kommt bald noch eine Anfrage wegen der Schulbücher dazu. 

Sonntag, 5. August 2018

Kapuziner

Pater Anton, der Pfarrer aus Woronezh, ein echter Kapuziner, war in den vergangen Tage Gast im Marxer "Haus der Stille". Er hat dort seine eigenen Jahresexerzitien verbracht, weil er in diesem Jahr keine Möglichkeit hat, an gemeinsamen, begleiteten Exerzitien teilnzunehmen. Obwohl er sich hätte zurückziehen können, übernahm er die täglichen Gottesdienste in der Pfarrei, in Vertretung des Pfarrers, der mit ca. 20 Jugendlichen eine große Reise nach Taize unternommen hat. Auch die Außenstation "Stepnoje" - heute nachmittag - mußte, dank Pater Antons Hilfe, nicht ausfallen. Nun ist er die halbe Nacht im Auto unterwegs nach Hause. Vor 2.00 Uhr morgens wird er nicht in Woronezh sein. Sind es doch über 500 km Landstraße. Und auch bei uns ist es heiß... 

Ernsthaft und froh - ein sehr schönes Treffen geht zu Ende

Sieben junge Männer zwischen 20 und 37 Jahren, die ans Priesterwerden denken zu erleben, das ist eine Freude ganz besonderer Art. Heute ist der dritte und letzte Tag unseres Treffens in Saratow. Zur Sonntagsmesse am Morgen waren wir nach Marx gefahren. Alle sieben haben ministriert, damit auch die Marxer Pfarrgemeinde weiß, für wen sie beten soll. (Beten für andere hat Sinn, wenn man selbst in Freudschaft mit Gott lebt. Ansonsten läßt man's vermutlich auch bald bleiben.) Am Nachmittag habe ich dann noch versucht, mit jedem ein persönliches Gespräch zu führen. Praktisch kann man sagen, dass manche "Früchte" nun so weit gereift sind, dass entschieden werden konnte: Drei der Sieben werden im Oktober ins Vorseminar in Nowosibirsk eintreten. Wenn man bedenkt, dass drei andere ja schon im Priesterseminar studieren und einer im Herbst vermutlich zum Wehrdienst eingezogen wird, ... konnte es eigentlich gar nicht besser kommen. Ich bin froh, dass wir die Tage organisieren konnten und danke besonders meinem Generalvikar, Pater Diogenes, der viel zum Gelingen beigetragen hat, aber auch Pater Ondrej, dem Saratower Pfarrer und den Schwestern. Lebendige Vorbilder sind das Beeindruckendste und Hilfreichste, was einem in so einem Moment der Entscheidungsfindung (siehe auch Thema der Bischofssynode im Herbst 2018) begegnen kann. Gleichzeitig habe ich den Heimatpfarrern der jungen Leute zu danken. Und ich danke denen, die über den Sankt Clemens Verein helfen. Die Anfahrtswege waren weit. Und junge Leute essen gut. 😉 Soweit ich sehe, werden diese sieben jungen Männer in Verbindung miteinander bleiben, nicht einfach in einer neuen, zusätzlichen WhatsApp-Gruppe, sondern in lebendiger Freundschaft und Gebet.
Das Foto mit Pater Diogenes und den 7 Schützlingen entstand am frühen Nachmittag vor der Marxer Christköngiskirche, die derzeit renoviert wird. Ebenso der Kirchenvorplatz. Am 25. November wollen wir den 25. Jahrestag der Kirchweihe feiern. 1993 war diese Kirche die erste neuerbaute katholische Kirche in Russland seit 1917. 

Samstag, 4. August 2018

Um diesen Tag herum entstand die Idee...

Auch der heutige Tag ist meinen sieben Gästen gewidmet, jungen Männern, die sich ernsthaft mit dem Gedanken Priester zu werden beschäftigen. Es ist kein Zufall, dass ich gerade heute unserem Seminaristen Denis den Dienst des Lektorats übertrug - ein Schritt auf seinem Weg zur Priesterweihe. Heute feiern wir den heiligen Johannes Maria Vianney, den Patron der Priester. Man nennt ihn auch den Pfarrer von Ars. In jenem kleinen Städtchen in Frankreich studiert Denis seit vier Jahren. In Verbindung mit diesem "Namenstag" entstand der Plan, die jungen Leute einzuladen.
Anschließend, d.h. nach dem heutigen Frühstück, machten wir eine Exkursion in die Geschichte der katholischen Kirche an der Wolga, nach Kamenka, wo eine erhabene Kirchenruine steht und leider nicht mehr gebraucht wird. 1941 wurde die dortige katholische Dorfbevölkerung komplett deportiert. Einen Priester hatten die Gläubigen zu dieser Zeit schon längst nicht mehr.
Ein Picknick unterwegs ersetzte das Mittagessen. Am Abend geht es geistlich weiter, im Pfarrhaus. Ich staune, wie interessiert die jungen Leute sind, und über welche Themen sie untereinander diskutieren. Da ist in den letzten Jahren in der Stille etwas gewachsen. Grund zur Freude! ... aber auch zum Beten.


Freitag, 3. August 2018

Priester werden - in so einer Zeit?

Gestern abend waren die Letzten angereist. Am Morgen begann in Saratow das dreitägige Programm für junge Männer, die sich für das Thema "Berufung zum Priestersein" interessieren. Drei der sieben Teilnehmer sind schon Seminaristen. Es geht ums Kennenlernen allerseits, um Orientierung und Schritte, die möglicherweise anstehen. Die Atmosphäre scheint der eines kleinen Priesterseminars zu ähneln. Ein wenig Unsicherheit, viel Gesprächsstoff, Gebet, Vorträge, guter Appetit, ... Bei allen spürt man, dass sie aus lebendigen Gemeinden kommen, in denen Christsein kein Deckmäntelchen für egozentrische Selbstverwirklichung ist. Ich hoffe, genug Zeit zu finden, um auch mit fast jedem einzeln sprechen zu können. Pater Diogenes hilft mir gut dabei. 

Donnerstag, 2. August 2018

Noch 7 Tage bis zum Urlaub

Heute endet mein Arbeitstag sehr spät. Was ich nicht schaffe, bleibt liegen bis Montag, denn die kommenden drei Tage haben ein in-Beschlag-nehmendes Sonderprogramm. Aber manches durfte eben nicht liegen bleiben. Da war keine Zeit, an einen Blogeintrag zu denken. Darum nur ein nicht ganz so ernst zu nehmendes Foto erwachender Urlaubsgefühle.