Sonntag, 18. August 2019

Goldenes

Das war die eigentliche Einladung gewesen, heute in der Kathedrale unseres Bistums sein 50-jähriges Priesterjubiläum mit uns zu feiern. Pater Wladyslaw Kloc SDB aus Rostow-am-Don war meiner Bitte gern gefolgt. Gestern erlebte die Gemeinde in Marx die Freude eines so seltenen Jahrestages, und heute, noch feierlicher, die Gläubigen in Saratow. Am Schluss der Messe bot unser Jubilar einen individuellen Segen für alle an, die das gern mochten. Mir scheint, es war keiner in der Kirche, der "verzichtete". Und so legte Pater Wladyslaw über 100 Mal die Hände auf. Kaum ein Segen schien dem anderen zu gleichen, ganz abgesehen von den afrikanischen Studenten, die er in englischer Sprache segnete (er war jahrelang in Afrika tätig) und den polnischstämmigen Christen, die den Jubiläumssegen in seiner Muttersprache bekamen. Es war das zweite Mal in der jungen Geschichte des Bistums Sankt Clemens in Saratow, dass wir in der Kathedrale ein Goldenes Priesterjubiläum feiern durften. 
Am Nachmittag fand sich dann endlich Zeit für einen weiteren Gast, der schon eine ganze Woche bei uns in Saratow weilt: Pater Emeric aus Ars in Frankreich. Er ist der Moderator (Leiter) der Gemeinschaft des heiligen Johannes Maria Vianney. Dort in Ars gibt es ein Priesterseminar, in dem u.a. auch ein junger Mann aus dem Bistum Sankt Clemens studiert, schon das fünfte, also vorletzte Jahr. 
Die jungen Leute, mit denen wir in den vergangenen Tagen über das Priesterwerden und - sein nachgedacht haben, reisen am Abend oder morgen wieder ab. 

Kein gewöhnlicher Tag

Ein 50-jähriges Weihejubiläum und ein nicht-runder Geburtstag verwoben sich ģestern mit den Tagen für 8 junge Männer, die sich der Frage ihrer Berufung zum Priestersein (oder -werden) stellen und deshalb an die Wolga gekommen waren. Wir verbrachten den Tag in Marx und Umgebung, mit unserer dortigen Pfarrgemeinde und in einer wiedererrichteten evangelischen Kirche (Foto). Der Schwerpunkt lag jedoch auf persönlichen Gesprächen, die Begegnung wurden, sowohl mit Menschen, als auch mit Gott. Heute nachmittag endet das Treffen. 

Freitag, 16. August 2019

Ohne Brückentag

Nachts fliegen viele große Maschinen von Moskau nach Sibirien. Das verschafft günstige Ankunftszeiten am Vormittag.
Aus diesem Trubel bin ich nun aber längst heraus. Sogar mein verschwundenes Gepäck ist schon nachgekommen. Der heutige Tag mit am Priesterwerden Interessierten war schön. Wir hatten uns mit Pater Diogenes so eingeteilt, dass ich ein bisschen länger schlafen konnte. Meine Themen waren Berufung und Gebet, Leben und Liebe.

Am Abend traf Pater Wladyslaw nach 20-stündiger Bahnfahrt ein. Ich hatte ihn eingeladen, sein 50-jähriges Weihejubiläum mit uns zu feiern: morgen in Marx, übermorgen in Saratow. 
Heute fallen 3 Sterbetage aufeinander, an die ich in der Predigt erinnerte: Am 16.8.2005 starben Fr. Roger Schütz (Taize) und P. Jozef Valabek (Anapa, Bistum Sankt Clemens). 34 Jahre vorher, am 16.8.1971 verstarb in Karaganda Gertrude Detzel, deren Seligsprechungsprozess vermutlich bald eröffnet wird, vorerst im Bistum Sankt Clemens, auch wenn sie hier "nur" geboren wurde. 

Donnerstag, 15. August 2019

Heimreise - wieder mal

Die Rückreise aus Polen gestaltet sich abenteuerlich. Abflug Krakau 5.40 Uhr, Ankunft Saratow 2.35 Uhr. Drei Flüge. Viel Zeit dazwischen. Mein Gepäck ist irgendwo in Polen hängen geblieben. Zwei Notlandungen am Morgen in Warschau wirkten sich verzögernd auf meine Flüge aus. Vom Meisterstück der ebenfalls heutigen Notlandung russischer Piloten in Moskau berichten sogar die deutschen Nachrichten. (Hat nicht mit meinen Flügen zu tun.) Beim Check in zum letzten Flug, sagt die Dame am Schalter: "Ihr Ticket ist storniert." Später klärte sich alles. 
In Saratow beginnen morgen früh drei Tage für junge Männer, die über die Berufung zum Priestersein nachdenken. Wir erwarten einen Jubilar u.v.m., und dann auch ein bisschen Stille. Im August habe ich jedenfalls keine Flüge mehr geplant. Die Messe vom Hochfest Mariä Himmelfahrt feierte ich in der Moskauer Nuntiatur. Ah, und zum Foto: Die Oberin der Elisabethschwestern aus Novosibirsk begleitete heute eine junge russische Schwester nach ihrem Noviziat in Polen zurück nach Hause, zufällig in der gleichen Maschine ab Warschau.
P.S. 2:17 Uhr landete ich überpünktlich am in Dunkelheit gehüllten Saratower Flughafen. Das Besondere daran: Es war meine letzte Landung hier. In wenigen Tagen, nämlich am 20. August, wird Saratows neuer Flughafen eröffnet, weit, weit draußen vor der Stadt. Und der alte wird geschlossen. Ich weiß nicht, wieviel hundert Mal ich seit April 1991 hier ein- und ausgestiegen bin. Geschichte ist Leben. 

Mittwoch, 14. August 2019

Requiem in den Bergen

In einer vollen Kirche feierten wir heute Mittag das Requiem für Czeslawa Trzebunia, die Mutter von Pater Tomasz. Dann zogen wir betend auf der Straße zum Friedhof. Der Sarg wurde auf einer Pferdekutsche gefahren. Einer Zakopaner Weise entsprechend, spielten Musikanten ortstypische Musik. Manche Priester kamen wegen der Staus in diesem polnischen Urlaubsgebiet zu spät zur Messe. Hauptzelebrant war Weihbischof Jan Szkodon aus Krakow.  Ich musste sehr an die Beerdigung meiner Eltern denken, als ob das erst gestern gewesen wäre. 

Dienstag, 13. August 2019

Brückentag in der zweiten Hauptstadt Polens

Ich bin bei Pater Dariusz untergekommen, meinem früheren Generalvikar. Er ist jetzt Pfarrer in Krakau. Morgen fahren wir gemeinsam zur Beerdigung nach Zakopane. Am Vormittag half er mir, einige Sachen zu besorgen, die es bei uns nicht gibt. Eine großartige Fotoausstellung in der Stadt erzählt vom ersten Besuch Johannes Pauls II.
Dieses Bild hier z.B. zeigt schön, dass es die Endzeit des Sozialismus war, die der polnische Papst einläutete: Zwei Tschaikas (Made in USSR) fahren dem riesigen Papamobil voraus, (das übrigens später von der "noch"-Regierung verschrottet wurde, um Erinnerungen zu beseitigen). Ebenso fahren da vor dem Papst ein paar MZ-Motorräder, TS 250 "Fünf-Gang", aus DDR-Produktion. Ich hatte auch mal so eine.

Montag, 12. August 2019

Ein Strich durch den Kalender

Ich sitze am Warschauer Bahnhof, statt am Flughafen. Das kam so: Vor ein paar Stunden erhielt ich die Nachricht, dass übermorgen hier in Polen die Mutter eines Priesters begraben wird, der genau vor 17 Jahren zu uns ins Bistum Sankt Clemens kam. 
Ich fahre also zurück nach Krakow. Übermorgen früh dann nach Zakopane zum Requiem und zur Beerdigung. Pater Tomasz's Mutter war 77 Jahre alt geworden. Er selbst ist gerade zu Hause im Urlaub. Wir hatten gestern Abend mit unseren Jugendlichen für die Verstorbene gebetet. In Saratow habe ich telefonisch darum gebeten, dass sich andere um meine Gäste kümmern, derentwegen ich eigentlich unser Jugendtreffen vorzeitig verlassen hatte. Beten wir auch für den Ehemann und die drei Kinder der Verstorbenen!

Wohnen im Priesterseminar

So, wie sie zum ersten Mal im Ausland sind, werden auch viele sagen können, dass sie zum ersten Mal in einem Priesterseminar geschlafen haben. Mit kaum überbietbarer Großzügigkeit und Offenheit wurden unsere russischen und deutschen Jugendlichen begrüßt und beherbergt. 90 Leute, einfach so, umsonst. Am Morgen feierten wir in der Seminarkapelle heilige Messe. Es war meine letzte mit den Jugendlichen. Ich predigte über das persönliche Geschenk Gottes, das sich in den täglichen Lesungen aus der Heiligen Schrift verbirgt, und über die Stille. 
Mein Flug ab Warschau geht um 17.10 Uhr, während die Jugendlichen für weitere 4 Tage ins Bistum Elk (Masurische Seenplatte) eingeladen sind.

Sonntag, 11. August 2019

Wallfahrt

Den Sonntag unseres "kleinen Weltjugendtages" verbrachten wir in Częstochowa, dem bedeutendsten Wallfahrtort Polens. Gemeinsam mit Hunderten jugendlichen Pilgern aus der Diözese Elk und deren Bischof Jerzy Mazur, feierten wir die Sonntagsmesse am Altar des Gnadenbilds der sog. Schwarzen Madonna. 
Manche, mit denen ich während der langen Busfahrten sprach, sind zum ersten Mal im Ausland. Das Erlebnis von Kirche in so ungewohnten Dimensionen nehmen sie dankbar in sich auf. Mit jedem Tag werden die Gespräche intensiver. Und eine Ahnung von Freundschaft überwindet unnötige Barrieren. Am Abend trafen wir in Siedlce ein, wo wir alle (90 Personen) im Priesterseminar übernachten.