Samstag, 16. Februar 2019

Richtung Himmel

Während am Morgen in Marx eine kleine Elisabeth getauft wurde, war ich wieder auf dem Weg nach Saratow. Ich lebe hier im 6. Stock am Ende eines langen Wohnhauses. Darum haben ich Fenster in drei Himmelsrichtungen, was aber noch nicht bedeutet, dass man da den Himmel sieht, wenn man rausschaut, (siehe Foto). Was es aber schon bedeutet: Während die anderen schwitzen, ist es in meiner Wohnung eher etwas frisch, denn die Fernheizung heizt "pauschal" und hat zu tun, um in die letzten Ecken zu kommen. Zum Regulieren der Temperatur dient nur der Fensterwirbel. Vom Dach tropft Tauwasser im Sekunden-Takt auf die Zinkbleche vor den Fenstern. Ich bin am Vorbereiten, nicht so sehr auf das Kinderschutztreffen in Rom, damit bin ich einigermaßen fertig, wie auf den darauf folgenden Termin hier im Bistum. Eine Erkältung, die mir seit Tagen "zu Kopfe gestiegen" ist, bremst mich leider ein bißchen dabei aus. 

Freitag, 15. Februar 2019

Wahrheit


Heute ist wieder einmal ein Einkehrtag im Kloster in Marx an der Reihe. Ich werden den Tag dort verbringen. Mit einfachen geistlichen Übungen versuchen wir, der Wahrheit näher zu kommen, Christus in der Stille zu begegnen, wenn er es erlaubt. Im Evangelium von und für heute (Mk 7,31-37) geht es um einen Taubstummen, zu dem (oder: in den "hinein") Jesus sagt: "Öffne Dich!" - In Ruhe betrachtet, heißt das: Nicht Jesus "macht" da ein Wunder, sondern er befähigt den Leidenden, es zu tun, sich zu öffnen. Jener konnte es bis dahin wirklich nicht. Aber wenn Gott spricht "Du kannst", dann wäre es ein Wider-spruch (gegen die Wahrheit) zu antworten: "Ich kann nicht."

Abendlicher Zusatz: Das Tagewerk ist vollbracht, nur nach Saratow komme ich jetzt nicht mehr. Eine Kombination von Schneefall und Wind, beinahe passt die hier gebräuchliche Bezeichnung "Buran", hat mich zum Bleiben bewegt. Nicht so tragisch! Morgen ist Samstag, und auch an diesem Wochenende habe ich keine Reise geplant, weil ich Dienstag aufbreche, nach Rom... 

Donnerstag, 14. Februar 2019

Bei ihm ist schon Frühling

Mit seinem Kommen hat er mir eine große Freude gemacht: Pater Janusz, seit 1994 als Seelsorger in Russland, jetziger Pfarrer in Vladikavkaz (Nordossetien), kam gestern Abend mit der letzten Maschine aus Moskau, wo er beinahe den Anschluss verpasst hätte. "Ein Wunder" - beschrieb er das blitzschnelle Umsteigen aus seiner um zweieinhalb Stunden verspäteten Maschine aus dem Kaukasus. 
Gekommen ist er, weil ich mich in mehreren aktuellen Angelegenheiten des Bistums und seiner Region mit dem russlanderfahrenen Priester besprechen möchte. Aufhänger ist aber auch der heutige Namenstag unseres Generalvikar, denn Pater Diogenes heißt mit zweitem Namen Valentin. Den feiert die katholische Kirche heute (ein wenig, denn die anderen beiden Tagespatrone sind von weit größerer Bedeutung: Kyrill und Methodius).
Er ist einer der ersten Generation katholischer Priester, die nach dem Wiedererwerb der Religionsfreiheit nach Russland gekommen waren. 2.400 km hat er zurückgelegt, und 2.400 km sind es morgen wieder zurück, nur wegen eines Gesprächs. So gute Leute wie Pater Janusz verstehen schnell, dass Telefon und alle anderen, noch billigeren Methoden der Kommunikation nicht immer ausreichen.
P.S. Er kam in Halbschuhen und staunte über unseren Schnee. 😉 Dank seiner Anwesenheit wird sich die liturgische Feiern am Fest der Slawenapostel, heute Abend in der Kathedrale, noch mehr vom Alltag abheben. Die beiden haben nicht nur mit der Entstehung der kyrillischen Schrift zu tun. Eine weitere Verbindung zu den Heiligen ist das Namensfest unseres Bischofs in Irkutsk (Kyrill Klimovich), und noch eine, auf der Linie Rom-Saratow: Die Reliquien des heiligen Kyrill ruhen in der Basilica San Clemente, unweit vom Kolosseum in Rom. 

Mittwoch, 13. Februar 2019

Klaus Weyers verstorben - Bin vermutlich einer der Letzten, die es erfahren haben.

Klaus Weyers aus Krefeld
wurde am 17.12.1961 zum Priester geweiht
Vor schon fast drei Wochen, am 24. Januar, ist er verstorben. Heute nachmittag, einen Tag vor der Beerdigung, erfuhr ich durch einen alten Berliner Freund davon. Klaus Weyers war für viele von uns Studenten im Priesterseminar eine Legende, bekannt duch lustige, tiefsinnige Texte in den zwei katholischen Kirchenzeitungen in der DDR - "Hedwigsblatt" und "Tag des Herrn", aber auch ganz direkt als Exerzitienbegleiter und Spiritual. Als der sich KPD (kleinster Priester Deutschlands) Nennende meinen Bruder und mich vor den ersten Exerzitien in unserem Leben begrüßte, schaute er musternd, mit den Worten nach oben: "Sie sind also zwei von meinen Klienten?" Zu meiner Priesterweihe in die Dresdner Hofkirche wollte er nicht kommen, weil ihm der Altar dort zu hoch war. Im geistlichen Gespräch ging es auch ohne Humor, doch stets mit Klugheit und Güte. Er war bodenständig und hatte ein sehr gutes Einfühlungsvermögen. Meine Krise vor der Diakonenweihe ging er Schritt für Schritt in großer Ruhe mit, als ob er den Ausgang schon kannte. Er sagte zu, als ich ihn 1988 um die Primizpredigt in Grimma bat, in der Pfarrgemeinde, in der ich aufgewachsen war. Später bat ich ihn noch einige Male per Brief um Rat, z.B. 1990 aus Tadschikistan, von wo die Briefe einen Monat bis ins gerade zusammenwachsende Deutschland unterwegs waren, und von wo die Antwort nochmal einen Monat brauchte. Dann haben wir uns aus den Augen verloren. Ich hatte mir unlängst seine aktuelle Adresse geben lassen, nicht um ihm zu schreiben, sondern um ihn zu besuchen. Dafür ist es nun zu spät. Und auch zur Beerdigung würde ich es beim besten Willen nicht mehr schaffen. Aber es gibt (nun) andere Wege. - Man kann nicht sagen, dass es nun im Himmel etwas fröhlicher würde, (weil: theologisch falsch), aber man kann - weil ja unser Verstand so begrenzt ist - es sich vorstellen. 

Dienstag, 12. Februar 2019

Heute schickten mir 9 Priester einen Brief

Zum Bistum Sankt Clemens gehören viele schöne Regionen, unter anderem der Nordkaukasus. Dort treffen sich gerade neun Priester für ein paar Tage, um die Freundschaft untereinander - die Mitbrüderlichkeit - zu pflegen. Gerade in den Herausforderungen der russischen katholischen Diaspora, ist das von Wert und großer Wichtigkeit. Man muss nicht unbedingt Skifahren können, um die Tage zu genießen, aber es schadet nicht. Gebet und gemeinsames Meditieren der Heiligen Schrift gehören genauso dazu, wie eine Runde Bier am robusten Tisch in der Herberge am Abend. 
Falls es "Reklame-Wirkung" haben sollte, sage ich noch dazu, dass diese Tage nicht als Urlaub angerechnet werden. 😀

"Mit Freude sind wir als Brüder im christlichen Glauben zusammengekommen"

Auch bei mir im Büro hängt das Bild vom
historischen Treffen am 12. Februar 2016 in Havanna
Diese Worte (Überschrift) stammen aus der gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill, die sie heute vor drei Jahren in Havanna (Kuba) unterzeichneten. Historische Fotos gingen um die Welt und hängen seitdem in unseren kirchlichen Einrichtungen der Diözese, denn wir wollen das nicht vergessen (machen). Aus diesem Grund weilt auch heute und morgen eine Delegation aus Rom in Moskau. An ihrer Spitze - Kardinal Kurt Koch, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Das Wachhalten der Erinnerung an das Treffen ist wichtig für beide Seiten, denn es sollte ja (nur) ein Anfang sein. Diplomatisches Feingefühl gab dem Besuch einen weiteren "Aufhänger": eine internationale Konferenz über Tod und Sterben in unserer technisierten Welt. Im Grunde passt eins gut zum anderen. Der Gedanke ans Sterben erlaubt nicht, Wichtiges auf die lange Bank zu schieben. "Eilt Gutes zu tun!" ist ein häufig zitiertes Wort des deutschen, 1853 in Moskau verstorbenen, Arztes Friedrich Joseph Haass, des "heiligen Doktors von Moskau", wie ihn die Russen schon lange nennen. 
Ein paar aktuelle Bilder vom Besuch Kardinal Kochs, nämlich von der heiligen Messe am heutigen Morgen in der Moskauer Kathedrale - bevor der Arbeitstag begann - findet man hier.

Montag, 11. Februar 2019

Eigentlich war es nicht mehr als eine Umbenennung

Heute vor 17 Jahren wurden die vier Apostolischen Administraturen in Russland zu Bistümern erhoben. Ein schönes Datum, das Fest der Gottesmutter von Lourdes! Wir feiern sozusagen Geburtstag, heute abend in der Messe. (Abend ist gut gesagt. In 40 Minuten!) 
Zum Fotografieren bin ich vor lauter "Schreibtisch" nicht gekommen, außer mit dem Handy aus dem Pfarrzentrum, heute morgen, als ich das Auto dort im Hof abstellte. Ohne die gelbe Gasleitung wäre das Bild noch schöner... 

Sonntag, 10. Februar 2019

Saratower Sonntag

Es ist besonders schön in unserer Kathedrale, wenn sonntags die Sonne hereinscheint, so wie heute. Jeder von uns Priestern hatte auch nach der Messe seine Aufgaben: Der Pfarrer sprach mit den Leuten vor der Kirche. Der Generalvikar ging ins Beichtzimmer, weil nicht alle vor der Messe beichten konnten, die gern wollten. Ich hatte ein Gespräch unter vier Augen, für das sich noch ein Zimmerchen fand. Sonntags ist das nicht so einfach, weil sich praktisch alle Gruppen nach der Messe treffen: Kinder, Jugend, ausländische Studenten, Erwachsenen-Katechese zur Vorbereitung auf den Sakramentenemfang, manchmal noch ein Bibelkreis.

Saratow und im Hintergrund Engels.
Die Wolgabrücke, die beide Städte verbindet, ist 2,8 km lang. Die nächste befindet sich 400 km flußabwärts.
Auf die Außenstation (200 km) fuhr der Pfarrer selbst. Die beiden älteren Frauen, die ich heute nachmittag in einem Dorf, anderthalb Stunden von hier, besuchen wollten, riefen mich vor dem Mittagessen an, so dass sich der Besuch erst einmal erübrigt hatte. Sie saßen beim Tee, nachdem sie zusammen gebetet hatten, weil sie heute nicht in die Stadt zur Messe fahren konnten. Mir blieb dadurch Zeit für einen Spaziergang in Saratow. Straßen und Fußwege sind inzwischen einigermaßen geräumt, so dass man überall durchkommt. Sonne und "frühlingshafte" minus 10 Grad machen den kleinen Ausflug recht angenehm. 


Samstag, 9. Februar 2019

Ja, Samstag ....

Wegen meiner mehrtägigen Abwesenheit im Büro, habe ich versucht, heute ein wenig aufzuholen, aber mich auch gleichzeitig über das in Kürze in Rom stattfindende Treffen zum Schutz von Minderjährigen zu informieren. Ich hoffe, dass wir auf Leid und Schuld nicht mit Relativismus (geistlicher Leere) oder "erwartungs-gemäßen" Emotionen antworten werden, wie es momentan manche tun, von denen ich es nicht erwartet hätte. Was ich jedenfalls gelesen und gesehen habe, zeugt von einer ziemlich tendenziös aufgeheizten Situation. 
An diesem Wochenende bin ich also in Saratow geblieben. Morgen feiere ich die Sonntagsmesse mit unserer Pfarrgemeinde hier am Ort. Wir haben sonntags nur eine Messe in der Kathedrale. Das reicht, leider. Behutsam darf ich aber sagen, dass die Gemeinde wächst und manche beim besten Willen nur einen Stehplatz während der Feier bekommen. Das Thema der ersten Lesung (Jesaja) und im Evangelium (Lukas) ist einfach und gleichzeitig sehr anspruchs-voll: Gott ruft (nach) Menschen... Wir werden antworten: "Dank sei Gott". Darum wäre es gut, sich schon ein wenig darauf vorzubereiten