Dienstag, 11. August 2026

Zum elften Mal in 28 Jahren

Weil unser Pater Bosco im Urlaub ist und heute sonst keine Messe in Marx gewesen wäre, hatte ich dort übernachtet und am Morgen Eucharistie gefeiert. In Saratow wartete schon Pater Alfredo aus dem Kaukasus auf mich. Dienstlich ... Ein gemeinsames Mittagessen schloss unserer Begegnung ab. Kurz traf ich Pater Diogenes, meinen Generalvikar, der, wie andere, heute nach Tscheljabinsk zum Jugendtreffen (das elfte "gesamtrussische") aufbrach: ein Kleinbus voller Jugendlicher, zwei Übernachtungen unterwegs. Hier in Saratow schlafen heute Jugendliche aus Elista. In Marx ist einer Gruppe aus Rostow zum Übernachten eingetroffen. Meinen Flug in die Industriestadt hinter dem Ural habe ich von morgen auf übermorgen verschieben müssen. Der Ischias ... Etwa 180 Anmeldungen für das Jugendtreffen liegen vor. Thema ist das vom Papst vorgegebene: "Habt Mut! Ich habe die Welt besiegt." (Joh 16,33) Selbst bei der Gestaltung der T-Shirts (Foto) für die Teilnehmer war Behutsamkeit gefragt, um nicht ungewollt zu provizieren. Geht es doch in erster Linie um Trost in schweren Zeiten. 

Montag, 10. August 2026

Ernennung in der Nachbarschaft

Die Neuigkeit des Tages betrifft zwar nicht Südrussland, aber Geschichte und Sprache verbinden uns, nämlich mit dem Bistum Karaganda in Kasachstan. Dort hat Papst Leo das Rücktrittsgesuch des inzwischen 78-jährigen Bischofs Adelio Dell'Oro angenommen und gleichzeitig einen neuen Bischof ernannt. Es ist der 1969 in Polen geborene Piotr Pytlowany, der schon über 30 Jahre in Kasachstan seelsorglich tätig ist, u.a. als Rektor des Priesterseminars oder, in letzter Zeit, Sprecher der Bischofskonferenz und Pfarrer in Astana. Wir freuen uns mit der Kirche in Kasachstan. 

Karaganda hat tatsächlich große Bedeutung, ich wage zu behaupten, für die gesamte heutige katholische Kirche in Russland und Mittelasien. Viele Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben waren hier, teilweise im Untergrund, gewachsen. 

Sonntag, 9. August 2026

Kurzmitteilung

Gut angekommen. 
Urlaub zu Ende. 
Sonntagsmesse heute Nachmittag in Marx. (Foto: Kirchenvorplatz)

Und nun noch ein Post scriptum: Nach einem Monat im Ausland, nimmt man Alltägliches anders wahr als zuvor. Die erste Kurzmitteilung auf's Handy war eine Drohnenwarnung: "Meiden Sie offenes Terrain und gehen Sie nicht ans Fenster." Ich saß im Zug. Mehr als die Hälfte der Zeit (16 Stunden) waren beide Bio-WC's für uns 36 Personen im Wagon verstopft, was nicht jeden von der weiteren Nutzung abhielt. Der Weg über die schaukelnden Bleche in den Nachbarwagon war abenteuerlich. Zu Hause erwartete mich ein Paket aus Bautzen. Besonders den monatlich so ankommenden Kaffee schätze ich. Die Warteschlangen an den noch offenen Tankstellen haben sich nicht verändert. Die Hitze steht der in Westeuropa nicht nach. Morgen früh erwartet mich das Büro, die "Kurie", mich allein. Die Sekretärin ist im Urlaub, der Generalvikar zur Vertretung außerhalb.

Donnerstag, 6. August 2026

Am Bahnhof


Das Eichsfeld leuchtete in der Morgensonne in saubersten Farben. Zum Abschied. Der Weg nach Hause hat mehrere Etappen. Züge, Flüge, ... Erst Sonntagmorgen kommt mein Zug in Saratow an. So wird vielleicht noch ein wenig Zeit für Gedanken und Pläne, die immer noch in der Warteschleife kreisen. 

Mittwoch, 5. August 2026

Ein Besuch anderer Art

Bevor es nun ans Tasche Packen geht, besuchte ich das Grab meiner Eltern. Wie damals, als mein Vater starb, weiß ich auch heute, dass nicht Tausende Kilometer zwischen uns liegen, sondern ganz im Gegenteil! 

Ich hatte mich bereit erklärt, heute die Frühmesse in Heiligenstadt zu übernehmen, damit es der Propst etwas leichter hätte. Als ich das Auto schon geparkt hatte und am Ende einer Gasse der Kleinstadt die Marienkirche erschien, kam mir langsam der Gedanke, dass ich "hier nicht richtig" sei. Ja! Die Frühmesse sollte in Sankt Ägidien sein, nicht in der Marienkirche! Ich kam noch pünktlich. 

Dienstag, 4. August 2026

Seelsorger durch und durch

Während seiner 10 Jahre in Russland nannten wir ihn Pater Reinhard. In seinem Heimatbistum Magdeburg ist er als Pfarrer Doleschal bekannt. Als er dort mit 70 in Rente ging, kam er zu uns. 
Der gebürtige Sudetendeutsche interessierte sich schon vor 30 Jahren für die Menschen in Russland und unterstützte damals regelmäßig einen Jungen beim Kauf eines teuren, lebensnotwendigen Medikaments in meiner Pfarrei an der Wolga. 
Unser heutiges Treffen hatte nichts mit Arbeit zu tun. Es gab viel zu erzählen. Beneidenswert war unter anderem, wie sich Pater Reinhard an Namen erinnerte. 

Montag, 3. August 2026

Erste kleine Dienstreise

Damit der Einstieg nach dem Urlaub nicht so abrupt wird, habe ich heute und an den kommenden Tagen kleine Termine angenommen, bzw. vereinbart. ☺ 
Wenn man erst einmal "im Westen" (alte DDR-Formulierung) ist, dann ist alles andere schon nicht so weit. Gegen Mittag besuchte ich den Provinzial der Redemptoristen, die im Bistum Sankt Clemens vier Pfarreien betreuen. Wir trafen uns bei ihm in ... Warschau. Pater Dariusz war viele Jahre in Südrussland tätig und hat u.a. die Pfarrkirche in Orsk (Partnergemeinde von Grimma, Bistum Dresden-Meißen) gebaut. Ich habe mich sehr gefreut, ihn wieder zu sehen. 

Samstag, 1. August 2026

Noch ein paar Tage

Langsam geht der Urlaub zu Ende. Da wird es Zeit, auch mal wieder einen Termin beim Friseur zu machen.






Ich hätte es vergessen: 
Jemand hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass heute vor 36 Jahren meine Freistellung für die Seelsorge in der Sowjetunion begann. Am 1. August 1990 flog ich mit 2 Koffern von Berlin über Leningrad nach Duschanbe, ohne Rückflugschein. 

Donnerstag, 30. Juli 2026

Zeit haben

Nach der Frühmesse in einer deutschen Großstadt, wurde ich heute vom ambulanten Hospizdienst gefragt, ob ich nicht jemanden in der Stadt kennen würde, der russisch spricht. Niemand verstehe einen alten russischen Mann, der - so verstand ich - im Sterben liege. Ich habe ihn dann selber besucht. Der 96-jährige ist Wolgadeutscher, ganz aus der Nähe von Marx. Er spricht gut deutsch, nur eben im Dialekt und ohne Zähne.