Mittwoch, 23. Oktober 2019

Kurzer Besuch - weite Wege

Anderthalb Stunden dauerte der Besuch von Pater Zenon (rechts), der jetzt Pfarrer in Togliatti ist, Pater Artur (links), der künftig sein Vikar sein wird, und Schwester Beate, die mit einer weiteren Schwester vor kurzem eine Niederlassung ihrer Ordensgemeinschaft in Togliatti gegründet hat. Zu besprechen waren Projekte, denn in Togliatti wird immer noch gebaut: die erste Johannes-Paul-II-Kirche in Russland, und die Schwestern müssen irgendwo wohnen. Für Pater Artur war es der Antrittsbesuch, einfach so, zum Kennenlernen. 13 Stunden Autofahrt haben die drei dafür auf sich genommen! Gegen Mitternacht sind sie dann hoffentlich wieder zu Hause. Oh, vielleicht auch später, denn als sie mein Büro verließen, steuerten sie in Richtung Caritas. 
Hier am rechten Wolgaufer ist Togliatti die Nachbarpfarrei von Saratow. (Nein, stimmt nicht ganz, kurz vor Togliatti überquert man die Wolga auf einer Staumauer. Togliatti liegt auf der anderen Seite.) Beide Städte gehören zum Dekanat Mittlere Wolga, das sich in etwa einem Monat hier in Saratow zu einer Konferenz treffen wird. 

Montag, 21. Oktober 2019

Stopp

Wenn die Zeit rasend schnell vergeht, ist das vielleicht ein Zeichen dafür, dass man schleunigst einmal anhalten sollte. Statt einer Überstunde im Büro, habe ich mich deshalb ins Auto gesetzt und bin in die "Wüste" gefahren. Die "Wüste" - das ist die gängige Bezeichnung für unser Haus der Stille in Marx geworden. Brot, Tee, Bibel ... Es war geplant und bleibt dabei, dass ich den morgigen Tag dort verbringe. 
Aus Mangel an eigenen Bildern, fand ich dieses lizenzfreie im Internet. Auf eigene Art gibt es etwas wieder vom Sinn des morgigen Tages, zu dem auch die Nächte gehören. 

Sonntag, 20. Oktober 2019

Getauft und gesandt

Das ist das Motto des von Papst Franziskus ausgerufen Monats der Mission. Es geht dabei um den Oktober 2019. Und es passt wunderbar zu unserem Suchen nach Wachstum statt Stagnation in den Gemeinden. Darum war es Thema im heutigen Sonntagsgottesdienst in der Kathedrale. Ich bin ausnahmsweise einmal nicht unterwegs. "Missionarische Tätigkeit" wird im postsowjetischen Russland häufig für Werbung und Mitgliederfang gehalten und ist deshalb gesetzlich reglementiert. Die Meinung, dass Extremismus in den Religionen wurzelt, scheint sich ja allgemein zu verbreiten. Da sind Aufklärungsarbeit und Zeugnis nötig. Am Ausgang bekam heute in Saratow jeder ein Büchlein über das Leben des heiligen Damian de Veuster geschenkt. Ich hoffe, dass bei der Lektüre ein Funken für den Alltag überspringt. 
Auch am kommenden Sonntag werde ich in Saratow sein. Wir haben Firmung. 

Samstag, 19. Oktober 2019

Eine Million Kinder

... beten den Rosenkranz. Zu dieser Aktion hatte "Kirche in Not" für den gestrigen Tag weltweit aufgerufen. Zwar hatte ich unseren Pfarrgemeinden vorgeschlagen, der Einladung schon am vergangenen Sonntag nachzukommen, aber in kleineren Ortschaften oder bei großem Engagement des Pfarrers oder seiner Mitarbeiter, ging das auch gestern, am Wochentag. Beispiel: Taganrog. "Wir waren zwar keine Million", schreibt Pater Ondrej, "aber wir haben von ganzem Herzen gebetet". Sinn des Gebet war die Bitte um Frieden. 
Ausgehend davon, dass Gott ewig ist und Alter in diesem Fall sicher keine Rolle spielt, könnte man sich noch anschließen. "Rosenkranz beten ist nicht so mein Fall." - Und auf andere Weise beten? 

Fleißiger Helfer

Maxim kenne ich, solange ich Bischof bin. Damals, vor 20 Jahren, war er einer der treuen Ministranten in Kazan, die noch zur Schule gingen. Für zwei Tage, plus anderthalb Tage Bahnfahrt, ist er zu uns nach Saratow gekommen, um zu helfen. Elektronik scheint sein Hobby zu sein. Er repariert von früh bis Abend, was ihm unter die Finger kommt, bzw. was wir ihm da hin schieben. Brandschutzmelder, Waschmaschine, Küchengeräte, Überwachungssysteme, ein Auto u.v.m. Schnell und akkurat versteht der hilfsbereite Familienvater sein Handwerk. Gegen Mitternacht geht sein Zug zurück. Seine Familie wartet auf ihn. 

Freitag, 18. Oktober 2019

Du liebe Zeit!

Natürlich war es nicht die gewöhnliche Uhrzeit, zu der ich heute Morgen nach Hause kam. Die Maschine landete fünf nach zwei in der Nacht. Schwester Emilia holte Oksana, unsere Caritasdirektorin, und mich vom weit draußen gelegenen Flughafen ab. Es verstand sich von selbst, dass wir sie nach Hause brachten. Saratow ist keine Kleinstadt... Und dann war es halb vier, als ich in meiner Wohnung das Licht anknipste und die Jacke an die Garderobe hängte. Bis zum frühen Nachmittag* plagte mich die in Flugzeugen verbrachte Nacht und die Zeitverschiebung. Es wird Zeit, nachgiebiger zu werden und die Zahl solcher Kraftakte zu reduzieren. 
Auf Arbeit gelang es mir nur, mich mit einem Thema zu beschäftigen. Und dann ging es, heute, am Fest des heiligen Lukas, zur Abendmesse, in der Pater Martin, unser neuer mexikanischer Student, das Evangelium las. Mit seinen Kurskollegen war er aus Anlaß ihres 25-jährigen Weihejubiläums beim Bischof eingeladen, der sie fragte, was sie sich wünschten. Pater Martin bat, nach Russland gehen zu dürfen. Und der Bischof willigte ein. (Mögen das viele Bischöfe lesen. 👍)
Zum Abendessen hatte ich Maxim aus der Pfarrei in Kazan zu Gast. Er repariert die gesetzlich vorgeschriebene Video-Überwachungsanlage an und in unserer Kirche. Bei Ausbesserungsarbeiten am Dach waren deren Kabel demoliert worden.

*Warum mich Nachtflug und Zeitverschiebung nur bis bis frühen Nachmittag plagten? Weil mich dann jenes eine Thema plagte, dem die Zeit im Büro galt. ☺

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Zweiter Tag in Novosibirsk


Mein Blog ist keine Nachrichtenseite. Worum es bei der 50. Vollversammlung unserer Bischofskonferenz ging, muß man anderswo lesen. Es war gut, dass wir gestern Abend Zeit für ein nicht offizielles Treffen hatten, denn bei solchen Gelegenheiten kommen Dinge zur Sprache, die sehr persönlich berühren, und man spürt dann auch zweifellos die Freundschaft, den einen Geist, der uns verbindet. 
Alles fand in den Räumen der Novosibirsker Bistumsverwaltung statt, so dass auch reichlich Kontakt zu deren freundlichen Mitarbeitern bestand. Zur Abendmesse, gestern am Mittwoch, waren hier in Sibirien mehr Gläubige gekommen, als zur Sonntagsmesse mit den Vorsitzenden der europäischen Bischofskonferenzen, neulich in Santiago de Compostela. 
Heute Nachmittag ist noch eine Begegnung mit den Caritasdirektor(inn)en aller Diözesen geplant. Sie tagen parallel zu unserer Versammlung. 20.40 Uhr geht's zurück nach Europa. Damit ist die "Jubiläumssitzung" unserer Bischofskonferenz beendet. Beim nächsten Mal (am 11./12. März in Irkutsk) wählen wir einen neuen Vorsitzenden.
Ein paar Fotos von der Homepage der Sibirischen Katholischen Zeitung gibt´s hier.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

50. Plenarversammlung unserer Bischofskonferenz

Dass es draußen regnete, war drin egal. Mit großer Intensität haben wir die Punkte der Tagesordnung diskutiert und "abgearbeitet", soweit das möglich war. Morgen geht es weiter mit dem Punkt "Sonstiges", hinter dem sich noch eine Masse von Themen verbirgt. 
Es ist die 50. Vollversammlung unserer vor 20 Jahren gegründeten Bischofskonferenz, diesmal in Novosibirsk. Die beiden kommenden Versammlungen 2020 werden in Irkutsk und Sankt Petersburg stattfinden.
In Pawlowka bei Marx ist heute Tante Beate verstorben, abgesehen von manchen Schwestern, die letzte Russlanddeutsche der Pfarrgemeinde. 

Dienstag, 15. Oktober 2019

Für 2 Tage nach Sibirien

Damit es heute keine Lücke in der "Berichterstattung" gibt, sage ich zumindest ganz kurz, dass ich am Abend nach Sibirien fliege. Nach der Ankunft morgen früh, beginnt die zweitägige Vollversammlung unserer Bischofskonferenz in Novosibirsk. Gerade habe ich nachgeschaut: In den kommenden Nächten, und dann auch Tagen, sinkt dort das Thermometer unter die Null-Grad-Grenze, während Saratow noch zwischen +15 und +20 schwankt.