Dienstag, 22. September 2026

Was hat Lenin mit Pater Pio zu tun?


Eine Pause (Foto) zum Luft Schnappen und Beine Vertreten - mehr war nicht nötig auf der fünfeinhalb stündigen Fahrt von Marx nach Uljanowsk, in die Geburtsstadt Lenins, wo sich ab heute Abend die Priester und Ordensschwestern der Region Mittlere Wolga zur Dekanatskonferenz versammeln. Viermal im Jahr sollen derartige Dekanatstreffen stattfinden, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren. Die katholische Diaspora in Russland ist und bleibt eine große Herausforderung. 
Ich nehme am Treffen teil, weil es mit der Segnung des Grundstücks für den Bau einer katholischen Kirche zusammenfällt. Die Kirche soll nach Ihrer Fertigstellung dem Heiligen des morgigen Tages geweiht werden: Pater Pio von Pietrelcina.  

Sonntag, 20. September 2026

94 Jahre

Oma Katja ist das älteste Gemeindemitglied in Saratow, schon seit Jahren. Letzte Woche hatte sie Geburtstag. Der Blutdruck "springt" zurzeit zu sehr. Sie kann nicht zur Kirche kommen. Darum hatte Schwester Emilia mit der Kindergruppe der Pfarrei für heute nach der Messe vereinbart, dass sie zum Gratulieren fahren. Oma Katja wohnt drüben auf der anderen Wolgaseite, in Engels und muss zweimal umsteigen, wenn sie sonntags mit dem Stadtbus zur Messe kommt. Die Kinder gratulierten mit Luftballons und Torte. "Das werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen", bedankte sich die aus Belarus stammende Großmutter. Auch für die Kinder war es ein beeindruckendes Erlebnis, unter anderem, weil und wie sich die 94-Jährige an Namen erinnerte.

Über'm Tellerrand

Pater Laurent, der reichliche 10 Jahre bei uns im Bistum tätig war, schrieb mir heute einen ausführlichen Gruß von seiner neuen Wirkungsstätte. Nach einigen Jahren in einem der vielen Wallfahrtszentren Frankreichs, hat er nun einen ruhigeren Posten bekommen. Er lebt in einem Kloster nahe Lyon, das vor 1000 Jahren gegründet, vor 600 Jahren stark umgebaut und während der französischen Revolution von den Mönchen verlassen wurde. (Den Namen hat er vergessen zu schreiben. Und ich habe mit noch nicht die Mühe gemacht zu suchen.) Ganz in der Nähe studiert Denis, unser vor vier Jahren geweihter Vikar aus Saratow.

(P.S. Hab's scheinbar gefunden: Abtei St. Robert in La Chaise-Dieu.)

Donnerstag, 17. September 2026

An der Grenze zum "zu viel"

Heute waren nicht nur die Hausaufgaben von gestern zu machen. Ich wußte, dass es schon wieder einmal die letzten Stunden im Büro sind, vor zwei ineinander übergehenden Reisen im Bistum. Also war Eile geboten. Schon am frühen Nachmittag war klar, dass ich nicht alles schaffe. Früher hätte ich das leichter ertragen. 
Ein Blick auf die drei Marxer Waisen-Kätzchen schuf Entspannung. 

Der Nachtrag soll kein eigener Blogeintrag werden. Ich hatte am Abend kurz geprüft, ob es noch Flüge nach Stavropol gibt. Das Internet sagte "Ja." Und ich konnte erst einmal ruhig schlafen. Statt mich heute Morgen im Auto auf die 941 km zu begeben, erledigte ich, was ich am Steuer nicht hätte tunh können. Mein Flug geht Morgen früh, über Moskau, hoffentlich ohne große Verspätungen.

Mittwoch, 16. September 2026

Wenn plötzlich sieben Priester am Altar stehen ...


Sitzung = sitzen + zuhören + reden. Sie waren weit dafür gefahren, unsere Dekane aus dem Bistum Sankt Clemens. Einer hatte es nicht zur Eucharistiefeier am Morgen geschafft. Auf den knapp über 1.000 km seines Weges, stand er heute Nacht drei Stunden lang an einer Unfallstelle, bis zwei schwere LKW's zur Seite geräumt waren. Den Hauptteil unserer Gespräche nahmen Berichte über die Seelsorge und das Leben der Ortskirche in den Dekanaten ein. Anschließend ging es um Termine im kommenden Jahr. Auch Schwester Jevgenia, die Ökonomin der Kurie, kam zu Wort. 
Als Gegengewicht zum langen Sitzen, machten wir am Abend noch eine Exkursion für unseren Gast aus Deutschland. Der Weg führte vom Falkenberg mit seinem einzigartigen Blick über die Stadt bis an die Kathedrale unserer orthodoxen Geschwister. 

Dienstag, 15. September 2026

Gäste, brüderlich - dienstlich

Heute wird rotiert. (Was nicht heißen soll, dass wir an anderen Tagen nichts tun.) In der Küche bereitet Schwester Emilia das Abendessen vor, im Büro Schwester Eugenia die Dokumente, die dann in die verschiedenen Regionen mitzunehmen sind. Am Abend kommen die Dekane aus dem ganzen Bistum. Morgen haben wir eine Sitzung. Die Vorgespräche beginnen in zwei Stunden. 

Meine Aufgabe war es seit Tagen, Briefe zu beantworten, bzw. einfach zu verfassen, was mir wegen der nicht einfachen Themen so schwer wie schon lange nicht fiel. Ich lege es jetzt in Ruhe beiseite, weil meine Gäste einen langen Weg hinter sich haben und volle Aufmerksamkeit verdient haben. 

Als ich kurz vor 20:00 bei denen anrief, die noch nicht da waren, erschrak einer, weil er sich im Datum geirrt hatte und noch zu Hause saß. Nun fährt er über Nacht, im Auto, allein. Ich hätte ihm seine Anwesenheit gern verziehen. 

Sonntag, 13. September 2026

Weltjugendtag 2027

Im Auftrag der Russischen Bischofskonferenz sind zwei Mitglieder der Jugendkommission nach Seoul (Südkorea) geflogen, um am Vorbereitungstreffen für den Weltjugendtag im kommenden Jahr teilzunehmen: Schwester Emilia (RUS) aus Novosibirsk und Pater Danilo (BRA) aus Samara. Nach ihrer Ankunft meldeten sich beide bei mir, begeistert vom herzlichen Empfang am Flughafen, von der Natur und der Unterkunft. Morgen beginnt die Arbeit. 
Man könnte die Nase rümpfen und fragen, ob das denn nötig sei, unseren Jugendlichen die Teilnahme an dem Treffen im Sommer 2027 zu ermöglichen, wenn doch ohnehin ein Großteil der pastoralen Projekte im Land nur mit Hilfe von Spenden möglich ist. Wer aus der ehemaligen DDR oder einem anderen geschlossenen Land stammt, wird es sicher verstehen, den Jugendlichen zuliebe. Außerdem wird es ohnehin nur eine kleine Gruppe sein, der die Freude jener Begegnung mit dem Papst und Jugendlichen aus der ganzen Welt zuteil wird. 
Weil ich seit 1999 und bis zum heutigen Tag der sog. Jugendbischof in unserer Bischofskonferenz bin, war es schon oft meine Pflicht mitzureisen und an drei Tagen Katechesen und heilige Messen in Russisch zu übernehmen. Rom (2000), Köln (2005), Madrid (2011), Rio de Janeiro (2013), Krakau (2016), Lissabon (2023) ... Die Daten wecken Erinnerungen, während ich mich in Toronto (2002), Sydney (2008) und Panama (2019) vertreten ließ. Durch die Begegnungen mit den russisch-sprachigen Teilnehmern (auch aus Kasachstan, Tadshikistan, Belarus, Ukraine, Moldavien  u.a. Ländern) kann ich sagen, dass es nie Touristen waren, sondern engagierte katholische Jugendliche aus den Hauptstädten ihrer Länder, aber auch aus kleinen Diasporagemeinden, die dort "Weltkirche atmeten".

Pater Diogenes, den ich praktisch heute in Saratow vertreten habe, schickte inzwischen ebenfalls ein seine Ankunft bestätigendes Foto. In Rom hat er neben der Lateranbasilika Quartier bezogen. Morgen früh um 8.00 Uhr beginnt seine Tagung, die sich über zwei Tage hinziehen wird. Ob er heute beim Papst war, womit ich das Angelus-Gebet am Petersplatz meinte, wollte ich wissen. "Nein, am Mittwoch gehe ich (zur Generalaudienz)", war die Antwort. Heute zog er einen Besuch in der "Basilika vom heiligen Kreuz in Jerusalem" vor. Sicher wegen des morgigen Festes. 

Beide Nachrichten zeigen: Wir gehören dazu zur Weltkirche, auch wenn wir hier in Russland nur eine kleine Minderheit sind. Erst kürzlich wurde ich an die Zeilen aus dem Buch des Propheten Jesaja erinnert, die mir mein alter Pfarrer sehr bewußt kurz vor meiner Diakonenweihe schickte: "Fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob. Ich bin bei dir." (Oder so ähnlich. Jedenfalls Jes 41,14). 

Sonntag - Auferstehung

Nach einer wunderschönen Sonntagsmesse in unserer bis auf den letzten Platz gefüllten Kathedrale, blieben die still brennenden Kerzen am Marienbild, wie eine Fortsetzung der Bitten, mit denen sie entzündet waren. 
Wegen der in den vorherigen Einträgen beschriebenen Situation, war ich heute nicht zur Firmung nach Rostow gefahren. Die vielen Beichten junger Menschen erfüllten den Morgen bereits mit einer Feierlichkeit und Freude, die dann im gemeinsamen Gottesdienst noch strahlender aufblühte. Und anschließend ging es weiter: Beichten, Gespräche, Begegungen in Gruppen (Lectio Divina, Ausländische Studenten, Kinder). Ich vermute, dass Menschen heute nicht nur in unserer Kirche ein Gefühl von Ausruhen und Freude empfanden, gerade heute, wo es in der Lesung und im Evangelium der Messe um Versöhnung ging. 
Manche unserer Pfarreien im Bistum feiern heute ihr Patronatsfest, obwohl es eigentlich erst morgen im Kalender steht: Kreuzerhöhung, Heilig-Kreuz: Tambow, Kazan, Uljanowsk, Ufa, Bataijsk. 

Samstag, 12. September 2026

Bilder

Den unverhofften Tag in Saratow habe ich heute weitgehend im Sitzen verbracht. Ein Anruf und ein Brief waren es in der Hauptsache, die mir Stunden abverlangten, so dass ich am Abend unbedingt noch einen Spaziergang ums Viertel machen wollte. Daher stammt dieses erste Bild der abendlichen Foto-Schau: "Saratow - Puschkinstraße". Hier wohne ich. Eine stille, kleine Straße im Stadtzentrum. Der Busfahrer scheint sein Dienstfahrzeug nicht ins Depot gebracht zu haben, um morgen früh etwas länger schlafen zu können und dann wieder in den Linienverkehr einzusteigen. 
Die von Bäumen überwachsenen Straßen sind typisch für den Süden aller ehemaligen Regionen der Sowjetunion. Sie spenden Schatten, aber eines Tages brechen sie Wind und Wetter. Da sollte man dann nicht in der Nähe parken. 

Das zweite Foto stammt aus Marx. Dort hat eine Katze am 14. August direkt hinter der Hütte des Klosterhundes drei Junge zur Welt gebracht. Vor ein paar Tagen kehrte sie nicht zurück. Ob sie nun von einem Auto überfahren wurde, oder die Jungen einfach so im Stich gelassen hat, ... Wer weiß! Jedenfalls rührte der Katzenjammer der drei kleinen Verhungernden so ans Herz der Schwestern, dass sie begannen, die Kätzchen mit Spritze und mit Milch aus dem Supermarkt zu füttern, in der Hoffnung, dass ihnen bald jemand die künftigen Mäusefänger abnimmt. Die Aktion gestaltet sich nun aber gar nicht so einfach, denn Katzen gibt's hier überall.