Mittwoch, 26. August 2026

Büro trotz meiner Gäste

Dass die Messe in unserer Kathedrale schon um 8.00 Uhr begann, erwies sich als kein Hindernis: Trotz einer relativ kurzen Nacht nach einem langen Tag, hatte ich heute drei Ministranten am Altar. Aus Marx. 

Das Mittwochs-Frühstück für die Mitarbeiter war dann besonders vielfältig. Später bot Schwester Emilia an, mit den Gästen ans Wolga-Ufer zu gehen, welches in den letzten Jahren zu einer schönen, langgestreckten Parkanlage geworden ist, in der man gut seine Freizeit verbringen kann. 

So hatte ich Zeit für's Büro, wo situationsbedingte Gedanken wie "schwierig", "unlogisch" oder "bedrückend", den im Raum stehenden Wortschatz zu kippen versuchten. Um aber nicht damit den Eintrag zu beenden ... Gestern war ich seit langer Zeit wieder einmal zur Abendmesse in unserer Kathedrale. Die Freude des Wiedersehens war beiderseits groß. 

Dienstag, 25. August 2026

Nach 3 Monaten Sommerferien


Zum Ferienabschluss besucht mich heute und morgen eine kleine Ministrantengruppe aus Marx. Von den geplanten zwei kompakt gefüllten Tagen, ist nun einer schon vorbei. Ich handle mir vermutlich ein wenig Ärger damit ein, weil andere die Prioritäten anders setzen würden. 

Montag, 24. August 2026

Eine Woche im Pendelverkehr

Mit ein wenig Phantasie lassen sich möglicherweise die Züge eine alten Schiffes erkennen. Na, und wenn nicht: So sieht die ersten neuerbaute katholische Kirche nach 1917 in Russland aus, die 1993 Christus, dem König geweihte Pfarrkirche in Marx an der Wolga. Noch bis kurz vor dem Wochenende vertrete ich Pater Bosco, der am Samstag nach seinem Urlaub und Exerzitien zurückkehren wird. Um Zeit und Benzin zu sparen, feiere ich jeweils eine Wochentagsmesse am Abend und die am darauffolgenden Tag am Morgen, denn tagsüber habe ich in Saratow zu tun. Dort habe ich heute wieder einen halben Tag erfolglos wegen einer elektronischen Unterschrift verbracht: erstaunte Blicke, freundliche Absagen, ... Wie schön wäre es doch, wenn Kürzungen einmal die Bürokratie beträfen!

Sonntag, 23. August 2026

Ein Tag zum Danken

Die Sonntagsmesse ist ein schöner Abschluss nach Tagen Geistlicher Übungen. Das Evangelium passte meiner Meinung nach auch wunderbar. (Gott gibt, was nötig dafür ist, und lädt zum Mitwirken ein.) 

Bei einer anschließenden Exkursion mit den Gästen durch Marx, entdeckte ich Neues und erinnerte mich an Bekanntes. War ich doch 8 Jahre lang Pfarrer in der Kleinstadt. 

Manche Talente der Teilnehmerinnen kamen erst heute zum Vorschein. Fröhlich und ungezwungen leben sie den Tag vor ihrer Heimkehr im Kloster mit. Es war lustig zu sehen, wie ein Mädchen aus Sibirien über das große Obst bei uns staunte: die riesigen Weintrauben, die großen Äpfel und die reifen Pflaumen an den Bäumen! Der bis vergangenen Sommer unberechenbare Hund schloss mit allen Freundschaft. 

Und es gab noch viel zu erzählen und zu fragen. Die jungen Frauen haben die vergangenen Tage sichtbar ernst genommen.

Samstag, 22. August 2026

Hundstage

Die (s.o.) gehen laut Kalender morgen zu Ende. Ja, wir haben immer noch über 30 Grad und ... 

Drei Tage Schweigeexerzitien - das ist schon eine Herausforderung für Prinz, den Klosterhund. In solche Zeiten sind Menschen ja besonders sensibel, sprich: empfindlich für Nebengeräusche. Also hieß es, Schnauze halten, so gut es geht. Er hat sich Mühe gegeben.☺

Morgen nach der Sonntagsmesse in der Marxer Christkönigskirche gehen die Exerzitien für die sieben jungen Frauen zwischen 18 und 31 zu Ende. Ihre Züge fahren in der Nacht zum Montag, die einen nach Osten (zwei Tage lang), die anderen nach Süden ("nur" eine Tagesreise weit). Was der Heilige Geist in den vergangenen Tagen gewirkt hat, wird sich zeigen. Ich würde mich freue, wenn das Vertrauen, Gott gegenüber, gewachsen ist. 

Freitag, 21. August 2026

Drei Tage Übungen

Gestern, heute und morgen bin ich gebeten, einen Exerzitienkurs für 7 junge Frauen zu begleiten, bei dem es um die Suche nach dem eigenen Weg geht, dem Weg, der mit dem zusammenfällt, was wir im Vaterunser meinen, wenn wir beten: "Dein Wille geschehe." 

Darum also Erxerzitien ("geistliche Übungen", wie Ignatius von Loyola sagen würde). Jahr für Jahr ist es eine Freude, erleben zu dürfen, wie ernsthaft junge Menschen sich mit dieser Glaubensfrage ihrer Berufung auseinandersetzen. Impulse, Gespräche, Gebet, Stille füllen den Tagesablauf. Es ist ein Erlebnis von Mühe und Ruhe zugleich, versuchte es eine der Teilnehmerinnen zu erklären. 

Mittwoch, 19. August 2026

Eine Art "Landung"

Erstmals ein ganzer Monat Urlaub, das nationale Jugendtreffen, und nun endlich wieder Boden unter den Füßen - Alltag: 
Am Morgen Vertretung für Pater Bosco in Marx. Etwa 20 Gläubige in der Werktagsmesse. Dann in Eile - auch wenn das nicht gut ist, während der Benzinkrise - nach Saratow, um halb elf einen Routinebesuch bei der Steuerbehörde zu machen. Dort wurde ich heute unerwartet von Pontius zu Pilatus geschickt, im Endeffekt ergebnislos: Als Ausländer in leitender Funktion bin ich ein Problem. Um die Mittagszeit besuchte mich ein junger Familienvater, der seit langem überlegt, ob er nicht Diakon werden sollte. Ich kenne ihn seit seiner Kindheit. Heute wurden Weichen gestellt. Im Zug zurück nach Hause bekam er schon die Antwort aus dem Priesterseminar, von wo aus die Ausbildung organisiert wird. Dann eine lange und gute Dienstbesprechung mit dem Generalvikar. Anschließend zwei der dringendsten Briefe, die geschrieben werden mussten. Und nun nur noch warten auf eine Familie (Vater, Mutter, Tochter, ... Hund), die sich für ihren Urlaubsmonat das Auto unserer Schwestern geliehen hatten und die es heute Nacht zurückbringen. 
Ich hatte überlegt, welches Bild von und für heute am besten passt, und bin dann doch noch einmal beim Jugendtreffen hängen geblieben. Unser Veranstaltungsort lag an einem See. Schwester Eugenia fotografierte kurz nach Sonnenaufgang. 

Wie die Jugendlichen darüber denken

Bunt durcheinander, ein paar Zitate der knapp 180 Teilnehmer/innen am Ende des 11. Treffens katholischer Jugendlicher aus ganz Russland:
Tscheljabinsk ist für uns "zu Hause" geworden. - Die Möglichkeit, täglich zur Messe zu gehen ...! - Wir haben die Größe unserer Kirche gespürt. - Danke den Organisatoren. Das sind Leute mit Talent! - Alle Bischöfe waren das ganze Treffen über anwesend! Wir bedeuten ihnen etwas. - Ein malerischer Ort in der Natur. wie im Film! Wie schön ist das Leben! Wie wenig genügt, um das zu spüren! - Wir haben Freude und Enthusiasmus geteilt. - Die Arbeit in Gruppen hat mir sehr gefallen. Man konnte sich aussprechen, sich öffnen, ... - Die (teilnehmenden Ordens-)Schwestern haben sich sehr um unser Wohl bemüht. - Wir spüren jetzt, wo wir hingehören. Danke dafür! - In unserer Gemeinde zu Hause spüren wir nicht so sehr die Zusammengehörigkeit, wie wir sie hier gespürt haben. - Ich schaffe es noch nicht, alles in mir an seinen Platz zu stellen. So viel Liebe! Alle sind gut. - Mir haben die Zeiten der Stille gefallen, wie auch die Vorträge. Es war Zeit mit Gott und Zeit zum Kichern. - Danke den Priestern und Ordensleuten, die Zeit für uns gefunden haben. - Reine Herzen. Glaube. Das ist eine unvergessliche Erfahrung. -  Die Tage waren zu kurz. - So gut haben ich mich doch wohl noch nie im Leben gefühlt. Einer der besten Tage in meinem Leben! - Danke dafür, dass wir gemeinsam an Gott glauben. Ich wusste nicht, dass es solche Treffen gibt. - Jugendliche mit Feuer in den Augen! - Auf unseren Schultern liegt die Zukunft der Kirche. - Ich bin stolz darauf, katholisch zu sein. Wir sehen uns wieder auf Wallfahrten und anderen Treffen. - Danke, lieber Bischof Joseph Werth. Sie waren die ganze Zeit über still bei uns. Wir wußten, der Papa ist da. - Ich danke für die Offenheit, die Talente, dass sich keiner schämen musste, ehrlich zu sein. - Wunderbar, dass ihr Tiefe sucht, Gott sucht. Eure Offenheit hat mich beeindruckt. - Ihr seid das Salz der Erde, das Licht der Welt. Und ihr seid alle hier!  

Sonntag, 16. August 2026

Unser 11. Gesamtrussisches Jugendtreffen


Zum Zusammenfassen fehlt die Muße. Auch meine Fotos sind bei weitem nicht die besten. 180 Teilnehmer. Drei Tage mit Jugendlichen aus ganz Russland. Gute Vorträge und Impulse, offene Gespräche in den Arbeitsgruppen, Freude, Spiritualität, Dankbarkeit. All das sind hingeworfene Brocken, die man erklären müsste. 
"Fürchtet Euch nicht. Ich habe die Welt besiegt." - Die letzten Worte Jesu am Gründonnerstag Abend, bevor er beten ging, sind uns in den vergangenen Tagen klarer geworden und werden den jungen Menschen nun hoffentlich eine Stütze im Alltag sein, nicht nur auf dem Heimweg. 
Zwei und sogar drei Tage für die Anreise (und nochmal für den Weg nach Hause) waren nicht selten. Die Jugendlichen aus Jakutsk, zum Beispiel, waren nach einer dreitägigen Odyssee in Tscheljabinsk eingetroffen. Weit war es auch für Taisia aus Sotschi, die den langen Weg im Nachhinein nicht bedauerte: zweieinhalb Tage im Zug, ohne Umsteigen. Und auch für die drei aus Donezk war es eine besondere Erfahrung, für die sie sehr dankten.
Es ist Sonntagabend. Ich bin bereits in Jekaterinburg, von wo ich morgen über Moskau nach Hause fliege.