Mittwoch, 30. September 2020

Russlanddeutsche Architektur

Das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland hat einen internationalen Fotowettbewerb unter dem Motto "Stumme Zeitzeugen" ausgeschrieben. Einsendungen sind bis Ende Oktober möglich. Es geht um ehemalige russlanddeutsche Siedlungen, städtische deutsche Architektur und Kirchen. Die Annonce liegt schon seit Wochen auf meinem Schreibtisch. Aber zum Auswählen passender Bilder bin ich noch nicht gekommen. "Vielleicht müsste man extra nochmal in die betreffenden Ortschaften fahren", sage ich mir. Habe ich doch hier an der Wolga so ziemlich alles vor der Nase. Vielleicht etwas aus Kamenka (Foto oben, die große Ruine der katholisch Pfarrkirche)? Oder einfach Saratow, die Reste der Kathedrale Sankt Clemens, einst Bischofskirche der Diözese Tiraspol?  (Foto unten. Das obere Drittel der beiden Türme hatte man 1938 abgetragen, als aus der Kirche ein Kino gemacht wurde.)

Dienstag, 29. September 2020

Einfach schönes Wetter

Draußen ist wunderschöner, sonniger Herbst. Wir sitzen alle drei im Büro der Saratower Kurie (Bistumsverwaltung). "Alle drei" - das bedeutet 100% des Mitarbeiterstabs: Pater Diogenes, Schwester Anastasia und ich. Das ist selten. Arbeit gibt's natürlich genug. Zum Mittagessen haben wir es nur ein paar Schritte weit, denn Praktikant Denis kocht dieser Tage im Pfarrhaus für alle. Weil das Essen nicht ganz pünktlich fertig war, reichte die Zeit für die wenigen Schritte bis ans Ufer der Wolga, an den Springbrunnen vorbei, die vermutlich schon in wenigen Tagen winterfest gemacht werden. Wird es gelingen, wie in anderen Jahren, einen "Betriebsausflug" zu organisieren, zu dem wir alle kirchlichen Mitarbeiter der Region einladen? Das hängt davon ab, ob das Wetter aushält, denn diese Woche ist nichts drin mit so einer Idee. Frühestens Montag. Ich denke da an die Ruine einer ehemaligen Marienkirche, knapp zwei Stunden von hier. Von dem deutschen, katholischen Dorf in der Wolgarepublik ist außer der Kirche nichts stehengeblieben. Die Wege dorthin werden bei Regen nicht befahrbar sein. 

Montag, 28. September 2020

Gottes Segen zum Geburtstag, liebe Schwester Flora!

Am 28. September 1928 erblickte ein kleines Mädchen im Gebiet Nikolajewsk (Ukraine) das Licht der Welt. Heute feiern wir mit ihr in Marx ihren 92. Geburtstag: Schwester Flora, eine der wenigen Russlanddeutschen, die uns geblieben sind. Die meisten sind ausgewandert oder verstorben. 

Gern erzählt sie aus der Zeit, in der sie mit (dem bereits seliggesprochenen) Pater Wladyslaw Bukowinski in Kasachstan unterwegs zu Kranken war. Am Frühstückstisch äußerte sie heute die fröhliche Befürchtung, dass sie 100 Jahre alt werden könnte. Nun, bei solch guten Schwestern um sich herum, könnte das vielleicht sogar gelingen. 

Sonntag, 27. September 2020

Herbstlich

Sonntag, nur ganz kurz. In den Pfarrgemeinden im Saratower Gebiet wurden wir von den Behörden erneut auf die geltenden Bestimmungen betreffs sozialer Distanzierung, Risikogruppen und spezieller Hygiene hingewiesen. Die sogenannte "zweite Welle" liegt in der Luft. Es wird Zeit, sich für einen nicht einfachen Winter zu rüsten. 

Weil es immer noch warm und sonnig bei uns ist, wird Spazierengehen groß geschrieben. Mit einer Handvoll Jugendlicher erkundeten wir am Nachmittag die Gegend, besuchten eine Großmutter im Dorf und kehrten, reich beschenkt, mit Blumen und Obst aus deren Garten nach Hause zurück, bevor ich Pater Diogenes vom Flughafen abholte. 

Samstag, 26. September 2020

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein


Heute endete der Exerzitienkurs für Priester und Ordensleute, den Pater Diogenes am Schwarzen Meer begleitete. Morgen Abend erwarten wir ihn zurück in Saratow.

Wenn jemand sein Leben lang über Gott spricht, muss er/sie sich auch immer wieder (und immer tiefer) im Sprechen mit Gott üben. Jährliche Exerzitien sollen genau dabei helfen. Sie sind Zeit der Korrektur und Orientierung, der Stille und des Suchens, des Dankes und der Liebe... 

Freitag, 25. September 2020

Auf der Rückreise

Eine Gruppe junger Priester, die den ganzen Tag, von morgens bis abends im Auto unterwegs ist, und das nicht nur heute, hat sich Marx als Zwischenstopp ausgewählt und feierte hier die Eucharistie des heutigen Tages. Warum gerade in Marx? Vielleicht, weil sie hier ein wenig Post abholen sollten, die für Christen in ihren Pfarreien bestimmt war. Oder aber, weil sie die stille Hoffnung hegten, dass sie die Marxer Schwestern nicht ohne Mittagessen weiterfahren lassen werden. Für die Pfarrkirche in Marx ist es auf jeden Fall ein Segen, und für uns alle: eine Freude. 

Erster Grund schien letztlich doch ein anderer zu sein. Es sind die Priester, die am 15. September bei mir in Saratow zu Gast waren. Einer von ihnen wollte sich gern persönlich von den Schwestern in Marx verabschieden. In Kürze wird er von seiner Ordensgemeinschaft "Verbo Encarnado" in ein anderes Land versetzt. 

Die jungen Seelsorger aus dem europäischen und dem asiatischen Teil Russlands hatten ihr jährliches Treffen im Süden des Bistums Sankt Clemens verbracht, nein, nicht am Meer, sondern, im Gegenteil, in den Bergen des Nordkaukasus. 

Donnerstag, 24. September 2020

Betreutes Wohnen an der Wolga

Es ist eine lange Prozedur, das Ganze. Noch haben wir die Eigentumsurkunden nicht in der Hand, aber bezahlt haben wir heute. Somit kann man sagen: Heute haben wir zwei kleine Wohnungen gegenüber der Kirche in Marx gekauft, die wir für einsame, alte, hilfsbedürftige (bis hin zu: sterbende) Menschen einrichten wollen. Die Betreuung, sobald und soweit nötig, übernimmt unser Pflegedienst der Caritas. Die Diözesancaritas ist auch Eigentümer der Wohnungen. Damit ist ein nächster Schritt auf dem hoffentlich nicht mehr so langen Weg zum kirchlichen Altersheim gemacht. Die Möglichkeit zum Kauf verdanken wir einer Spenderin aus dem Raum Osnabrück. 
Die beiden Wohnungen (Zimmer, große Küche, Bad) waren preisgünstiger als man das hätte erwarten können. Das scheint damit zusammenzuhängen, dass der Bauherr besonders an Frauen und Familien gedacht hatte, die das sogenannte "Mutterschaftskapital" für den Kauf einsetzen wollen. 

Mittwoch, 23. September 2020

Ein edler Tropfen Wasser


Ich soll dieser Tage ein wenig mehr spazieren gehen, habe ich mir sagen lassen, statt viel zu sitzen und zu stehen. Das passt ganz gut, denn große Reisen sind immer noch nicht möglich (Corona usw.), und draußen hat bei uns der Altweibersommer begonnen, mit viel Sonne (und vielen Spinnenweben). So habe ich mich heute erneut auf die Suche nach einer Quelle in der Umgebung von Marx gemacht. (Beim letzten Mal hatte ich gleich 20 Liter von einer vielgepriesenen Wasserstelle ins Kloster zum Verkosten gebracht. Die haben es weggeschüttet, so "roch" es! Naja, ich bin da kein Spezialist. Aber mit dem Leitungswasser in Marx ist es eben auch so ein Problem...) Hier in dieser Herbstidylle (Foto), rechts im Schilf, wurde ich heute fündig. Und unsere Fachleute sagen: "Schmeckt ausgezeichnet!"

Dienstag, 22. September 2020

Kontrast

 


Zwei Fotos von heute Morgen. Das obere habe ich gemacht, das untere mein Generalvikar. Man kann sich eben nicht immer den Ort aussuchen, an dem man gerade gern sein würde. Schmackhaft macht sicher nur eins der beiden Bilder, auch wenn es letztendlich der etwas salzige Geschmack des Schwarzen Meeres ist. 


Dass es dennoch gut war, heute in Saratow zu sein (s. oben), leuchtet ein, wenn ich dazu sage, dass mich heute eine Ordensschwester im Auftrag ihrer Oberin besucht hat, deren Gemeinschaft ernsthaft eine Niederlassung in unserem Bistum gründen möchte.