Montag, 1. Juni 2020

Wir haben einen neuen Nuntius

Für uns ist es natürlich die Nachricht des Tages: unser neuer Apostolischer Nuntius, dessen Name heute Mittag in Rom bekanntgegeben wurde. Erzbischof Giovanni d' Aniello wird jetzt seinen Dienst in Brasilien beenden. Und dann kommt er nach Moskau. Der Italiener wurde 1955 geboren und mit Erfahrungen, die er bereits in verschiedensten Nuntiaturen gesammelt hatte, 2002 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof geweiht. Danach war er als Nuntius tätig in Kongo, Thailand und Kambodscha, und seit fast 8 Jahren in Brasilien. Außer seiner Muttersprache spricht er auch Französich, Englisch, Portugiesisch und Spanisch. Diplomaten dürfen trotz geschlossener Grenzen einreisen. Also: Herzlich willkommen!

Sonntag, 31. Mai 2020

Pfingstsonntag in Saratow

Mein Eintrag vom Pfingstsonntag wird kurz. Wer einen Dienst in der Liturgie zu erfüllen hat, darf auch in diesem Tagen der Ausgangssperre zum Gottesdienst kommen. So hatten wir heute Ministranten und Orgelspiel in der Festmesse, die, wie immer, übertragen wurde, denn die meisten mussten ja zu Hause bleiben. (Es gibt auch wirklich allen Grund dafür: Die Zahl der Neuinfizierten im Gebiet Saratow ist heute extrem hoch.) 
Am Abend bin ich in eine Runde Jugendlicher eingeladen, die von den Karmelitinnen in Taganrog organisiert wird, im Internet, versteht sich. Neun Tage lang hatten sie Priestern und Ordensleuten Löcher zum Thema Berufung in den Bauch gefragt. Heute bin ich dran. Es soll der vorläufige Abschluss dieser Sendungen werden, die auch nachträglich im Internet abrufbar sind.
Wieviele Priester in unserem Bistum fehlen, woran man erkennt, dass man eine Berufung hat, ob man einen Hochschulabschluss braucht, um ins Kloster zu gehen, wohin ich jemanden schicke, der zu mir kommt und ins Seminar eintreten will, ob man Priester auf Zeit werden kann, und ob man trotz Priestermangel ins Ausland gehen darf. - Das waren einige der Fragen der Jugendlichen, heute Abend, zum Abschluss einer 10-tägigen Reihe zum Thema "geistliche Berufungen". Mein Laptop erwies sich als zu alt für ein solches Unterfangen. Gut, dass mein Handy daneben lag. Mit dem konnte ich dann schließlich auf die Fragen antworten. Eingerahmt waren die Fragerunden jeweils von Gebet. Veni Sancte Spiritus und hilf unseren Jugendlichen, ihren Weg, den Sinn des Lebens, Dich zu finden.  Das war mein erster direkter Kontakt zu Jugendlichen im Bistum seit fast drei Monaten. Und das schmeckte nach "mehr". 

Samstag, 30. Mai 2020

Frohe Pfingsten! (auch in der "Selbstisolation")

Das Bild mit dem Jungen unter dem Altar habe ich aus Elista bekommen. Er scheint sich dort eher zu Hause als in die Ecke gestellt zu fühlen. Einzelheiten weiß ich leider nicht. Aber es schien mir ein fröhlicher Impuls in diesen Tagen, die manchmal so voll sind mit Bedrückendem.   

49

Morgen ist "der fünfzigste Tag", seit Ostern, versteht sich, Pfingsten. Spät abends wurde gestern in unserem Gebiet Saratow die Nachricht veröffentlicht, dass das "Regime der Selbstisolation" um 10 Tage verlängert wird, sprich: bis zum 10. Juni. Alles ist im Text aufgeführt, nur die Kirchen nicht, jedenfalls nicht ausdrücklich. Ich vermute, dass das einige aus frommer Ungeduld nutzen werden, um am Pfingsttag zur Kirche zu kommen, natürlich mit Rücksicht auf alles, was da schwarz auf weiß geschrieben steht: Mindestabstand, Maskenpflicht, Hände waschen usw. Vorsicht und Klugheit bleiben geboten, auch an Pfingsten und auch in 10 Tagen. 
Was tun eigentlich unsere Priester in dieser Zeit? Tatsächlich ist ein Freiraum entstanden, den man auf verschiedene Weise füllen kann, wie u.a. das heutige Foto zeigt, das am Vormittag vor unserer Kathedrale entstand. 
Und noch etwas: Ohne auf die Straße zu gehen, werden sich heute Abend viele katholische Christen im Bistum Sankt Clemens dem Rosenkranzgebet von Papst Franziskus anschließen, der erneut zum gemeinsamen Gebet um ein baldiges Ende der Corona-Pandemie aufgerufen hat. Das Gebet beginnt (nach deutscher Zeit) um 17.30 Uhr an der Lourdesgrotte in den Vatikanischen Gärten. 

Freitag, 29. Mai 2020

Geduld gefragt

Aus der Aufhebung der Ausgangssperre (die in Saratow kaum einer einhält) zum Pfingstsonntag scheint nichts zu werden. Jedenfalls ist es schon Freitagabend, und es gibt noch keine Nachricht aus der Gebietsverwaltung. Dort wurde heute die Errichtung eines Stalin-Denkmals diskutiert. In jedem Fall werden die täglichen Gottesdienste aus unserer Kathedrale und anderen Kirchen im Bistum vorläufig weiterhin live übertragen. In den Regionen, die langsam zum "vorcovidischen" Alltag zurückkehren, wenn das überhaupt möglich ist, gibt es teilweise sehr komplizierte Bestimmungen für die Wiedereröffnung religiöser Gebäude. Ein einfaches "jetzt ist der Spuk vorbei" wird es nicht geben. Was wird letztlich übrig bleiben? Die Frage ist ziemlich offen, scheint mir immer wieder. 

Mittwoch, 27. Mai 2020

Laetare, o Maria

Sechsundvierzigster von fünfzig Tagen der Osterzeit. Noch nicht zu spät also, um einen österlichen Gruß weiterzugeben. Ich habe keinen YouTube-Kanal, sonst wäre das nebenstehende Bild ein fröhlicher musikalischer Clip der Missionsklarissen aus Costa Rica. Das Osterlied der Schwestern passt außerdem zum Monat Mai: "Freu' Dich, o Maria!" Was es mit Katholisch in Südrussland zu tun hat? Zum einen, hat diese Schwesterngemeinschaft zwei Niederlassungen im Bistum Sankt Clemens, nämlich in Saratow und Pyatigorsk, zum anderen lebt eine unserer Schwestern derzeit dort in Costa Rica (Schwester Elena, 5.v.r.). Sie stammt aus Tadschikistan, ist in Stepnoje groß geworden, in Marx zur Erstkommunion gegangen, hat in Saratow studiert und ist hier in die Schwesterngemeinschaft eingetreten. Derzeit trennen uns 10 Stunden Zeitdifferenz. Wenn wir in Saratow das Kreuzzeichen zum Morgengebet machen, legen die sich dort mit einem letzten Abendgebet schlafen. So ungefähr... 

Dienstag, 26. Mai 2020

Das Angesicht der Erde erneuern

Als kleine Ortskirche (Kirche vor Ort) könnten wir uns nichts Großes leisten, wenn da nicht die organisierte Hilfe derer wäre, die sich seit Jahrzehnten ihrer Brüder und Schwestern in der Diaspora angenommen haben. Für uns in Russland sind das besonders das päpstliche Hilfswerk "Kirche in Not" (gegründet im Dezember 1947) und die Solidaritätsaktion "Renovabis" (gegründete im März 1993). Letzterer ist jährlich der Pfingstsonntag für eine deutschlandweite Kollekte reserviert. Wie das in diesem Jahr wird, weiß ich zwar nicht, aber das biblische Sprichwort "Wer sucht, der findet" (vgl. Mt 7,7), wird auch in diesem Falle gelten. 
Mit Hilfe von "Kirche in Not" konnte jetzt ein jahrelang gehegter Wunsch, nein, Traum, in Erfüllung gehen. Alberta und ihre Schützlinge konnten beim einzigen russischen Hersteller von PKW's mit Platz für einen Rollstuhl, eine Auto bestellen. Nach ca. 2 Monaten war es abholbereit. Nun aber hinderten die Quarantänevorschriften daran,  das Fahrzeug im 1.280 km entfernten Werk abzuholen. Vor wenigen Tagen bekam ich die Nachricht, dass es angekommen sei. Dazu ein paar Fotos und gar ein Video, voller Freude. Das Auto wird Aufsehen erregen in Elista, mitten in der kalmykischen Steppe, und es wird gute Dienste leisten, Alberta und ihre "Familie" mobiler machen und - ich hätte nichts dagegen - bekannter. Es ist nicht nur ein sozialer Dienst, den die Italienerin seit über 20 Jahren in unserem Bistum leistet, sondern ein christlicher, und darum zutiefst menschlicher. 

Montag, 25. Mai 2020

Blick nach vorn

Die Osterzeit neigt sich dem Ende zu, die Zeit der sogenannten Selbstisolation hoffentlich auch. Morgen werden wir als Bischofskonferenz eine Reihe von (10) eindringlichen Empfehlungen beschließen, die dann in Umlauf gebracht werden müssen, bevor Versammlungen, darunter auch Gottesdienste, staatlicherseits wieder erlaubt werden. 

Samstag, 23. Mai 2020

Gott getroffen

Gestern war die Rede davon... Die Tage der Pfingstnovene nutzend, organisieren unsere Karmelitinnen aus Taganrog eine neuntägige Sendung, live im Internet, in der sie täglich einen Gast um ein Zeugnis über den Weg der eigenen Berufung zum Priestersein bzw. Ordensleben bitten. Es geht also klar um das Thema geistlicher Berufungen, und das verbunden mit dem Gebet um das Kommen des Heiligen Geistes. Jugendliche moderieren die halbstündige Übertragung, die man anschließend auch auf dem YouTube-Kanal der Schwestern abrufen kann. Außerdem besteht die Möglichkeit, seine Fragen und Anmerkungen live im Chat zu äußern.
Wer also meint, in Quarantänezeiten sei nichts möglich in der Seelsorge, der kann sich eine Scheibe vom konkreten Beispiel der Karmelitinnen vom Asowschen Meer abschneiden. Überschrieben haben die Schwestern die neunteilige Serie mit: "Treffen mit dem lebendigen Gott".