Mittwoch, 9. September 2026

Die optimalste Lösung

Das Feierabendfoto vom Weg aus Rostow am Don nach Taganrog (am Asowschen Meer) bekam ich heute von Pater Raul in Verbindung mit seiner Zusage, mich am kommenden Sonntag bei der Firmung in Rostow zu vertreten. 
Unerwartet bekam unser Generalvikar heute die dringende Bitte, an einer Versammlung im Vatikan teilzunehmen. Morgen fährt er los. Würde ich nicht in Saratow bleiben, fiele u.a. die auch so schon einzige Sonntagsmesse in der Kathedrale aus. 
(Von Saratow nach Rostow sind es 900 km, von Taganrog - 60.) Danke, Pater Raul! 

Dienstag, 8. September 2026

Kurze Kurznachrichten


In den vergangenen Tagen hatten wir einen Priester aus Deutschland zu Besuch, der nach der Sonntagsmesse in Saratow meinte: "Ich habe schon lange keine so ruhige Messe erlebt." Er meinte nicht Trägheit, nichts Langweiliges oder schwache Mikrophone. "Die Leute haben gebetet", fügte er noch hinzu. - So ein schönes Kompliment an die Gemeinde!


Zur selben Zeit verabschiedete sich in Woronezh die Pfarrgemeinde von Schwester Jordana, die von ihrem Orden in ein anderes Bistum versetzt wird. Es scheint eine sehr emotionale Verabschiedung gewesen zu sein, was u.a. für die Ordensschwester spricht. 


Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, Tanjas Grab zu besuchen. Ich kannte die noch junge Mutter von drei Kindern, seitdem sie sechs Jahre alt war und mit einer Flüchtlingsfamilie aus dem Bürgerkrieg in Tadshikistan zu uns an die Wolga kam.  Heute wäre Tanja 40 geworden. 

Samstag, 5. September 2026

Beide schon im Himmel

Heute, am Gedenktag der Mutter Theresa von Kalkutta, fiel mir dieses Bild zweier Heiliger in die Hände. Es stammt aus der russischen Übersetzung der Enzyklika Benedikts XVI. "Deus Caritas est". Und damit wäre ich bei einem der Themen, die mich in den letzten Tagen intensiv beschäftigen: unsere Caritas-Strukturen in der katholischen Kirche Russlands. Schon seit ein paar Jahren bin ich von der Bischofskonferenz für diesen Bereich als Verantwortlicher ernannt. Nun zeigt sich aber immer deutlicher, dass meine Idee vom "Dach" über den diözesanen Strukturen eher nostalgisch als realistisch (und nötig?) ist. Das "Wir sind zu verschieden", muss von uns mehr in die Arbeit einbezogen - und von ausländischen Partnern klar akzeptiert werden. In der Richtung scheint es sich zu bewegen.

Ein anderes, großes Problem, das nach Lösung verlangt, ist die Benzinkrise im Land. Einen großen Teil meiner pasotralen Arbeit nehmen Besuche in den Pfarrgemeinden ein. Hunderte oder gar über Eintausend Kilometer muss ich zurücklegen, um am Wochenende in eine Pfarrgemeinde im Bistum zu gelangen. Ohne Auto? Flüge sind unregelmäßig, verspätet, teuer. Und ein Teil der Flughäfen im Bistum ist seit Jahren geschlossen. Auch das Bahn- oder Busfahren ist nicht so einfach. Auch Diesel darf seit 1. September minderwertig verkauft werden. Elektro? Ich vermute, ein passendes Auto - wenn es das gibt - ist sehr teuer. Und Ladestationen gibt es noch wenige. Der Stromverbrauch im Winter wird die angegebene Reichweite sicher deutlich einschränken. Ich bräuchte jemanden, der was davon versteht und es mir erklärt. 

An dieser Stelle würde die Aufzählung der Problemchen weitergehen. Aber es sollte nur ein Lebenzeichen sein, keine Jammerlitanei.

Übrigens: Ich durfte beiden begegnen, sowohl Johannes Paul II, wie auch Mutter Theresa. In der Allerheiligenlitanei stehen ihre Namen nicht. Aber schon mal bitten für das Bistum Sankt Clemens in Saratow und die katholische Kirche in Russland? ... Werden sie sicher beide gern tun.

Dienstag, 1. September 2026

Ankommen braucht Zeit

Nach langen Strecken habe ich oft das Gefühl, dass ich "innerlich" noch weiter fahre, was sich durch ein Schwindelgefühl, nicht im Kopf, sondern in den Beinen, bemerkbar macht. Heute spielte das schon keine Rolle mehr. Nur gestern Abend, als ich eine heilige Messe für "meine" Kranken feierte, zu denen am Wochenende ein paar neue Namen dazugekommen waren. 
Heute besuchten mich zwei unserer Pfarrer. Den einen hatte ich eingeladen, der andere kam mit seinen Fragen. Wenn nun nichts mehr dazwischen kommt, dann wird morgen vormittag Zeit für Dinge sein, die es längst nötig haben, beachtet zu werden, und doch immer wieder Platz für im Moment Nötigeres machen mussten.  

Montag, 31. August 2026

Schnell zurück

Weil ich morgen Gäste bekomme, (2 Pfarrer aus meinem Bistum), wollte ich heute gern die gesamte Strecke bis nach Saratow hinter mich bringen, über 1000 km. Es ging gut, von früh um 6.00 bis abends um 9.00 am Lenkrad, mit einer einstündigen Pause in Elista, um mich von Pater Waldemar zu verabschieden, der von seinem Franziskanerorden ins Gebiet Kaliningrad versetzt wird. 
Nochmal will ich sagen, was es für ein Glück war, mit Diesel fahren zu können. Die Warteschlangen für Benzin waren unheimlich lang. Pater Waldemar zählte 130 wartende Autos an einer Tankstelle. Dort, wo ich Diesel tankte, hörte ich von der Frau an der Kasse, dass sich Leute schon um 4.00 Uhr morgens angestellt hätten. Um 9.00 Uhr kam die heutige Lieferung. Um 11.00, als ich meinen Diesel tankte, war schon alles Benzin ausverkauft.
Das Wochenende fand irgendwie auf zwei Ebenen statt. Zur einen gehört die erneute Erfahrung von Kirche als Familie, zur anderen - Besorgnis erregende Nachrichten aus den Pfarreien. Meine Pläne, die ich für morgen hatte, müssen unerwarteten Prioritäten weichen. Das ist schwer zu erklären, sogar hier im Lande. 

Sonntag, 30. August 2026

Zwei Gemeinden an einem Tag

Möge das Bild mit Pater Wieslaw OMI genügen. Andere habe ich vorläufig nicht, obwohl es heute viele schöne Momente gab. (In Elista eine Taufe, vielerorts die Schülersegnung nach den Ferien. Und hier mein Besuch in den Gemeinden von Pyatigorsk und Novopavlovsk. Wir sind spät am Abend nach Hause gekommen. Morgen möchte ich gern um 6:00 Uhr fahren. Die 1.100 km bis Saratow plane ich in Kalmykien zu unterbrechen, um mich von Pater Waldemar zu verabschieden, der morgen noch in Elista sein wird, von seinem Orden aber ins Gebiet Kaliningrad versetzt wurde. 

Nachtrag. Sowohl in Pyatigorsk wie auch in Novopavlovsk war eine überdurchschnittlich geschwisterliche Atmosphäre zu spüren, sowohl unter den Gläubigen zueinander, wie auch mir gegenüber. Ein Sonntag mit viel Freude! 

Samstag, 29. August 2026

+ 426 (km)

Ein kleiner Umweg zu Freunden führte mich heute von Elista über Novopavlovsk nach Pyatigorsk, das Ziel meiner Reise an diesem Wochenende. Der Kilometerzähler hat die 1000-er Marke weit überschritten. Gegenwind in der Kalmykischen Steppe ließ den Dieselverbrauch um einen Liter pro 100 km ansteigen. 

Morgen feiern wir hier im Nordkaukasus gemeinsam den Sonntag. Es wird auch Tränen geben, denn der Vikar, Pater Dimitrij, wird von seinem Orden abberufen, bzw. versetzt. (Ich habe kaum Einfluss auf solche Entscheidungen der Ordensgemeinschaften.)

680 km für einen Krankenbesuch

Das stimmt und stimmt doch nicht, denn die gestrigen 680 km war ich nicht nur gefahren, um Alberta im Krankenhaus zu besuchen, sondern Saratow-Elista war auch die erste Etappe auf meinem Weg nach Pyatigorsk. 

In Albertas Haus und ihrer Gemeinschaft feierten wir am Abend Eucharistie. Das Abendessen zog sich traditionsgemäß in die Länge. 

Nur gut, dass ich den Bulli mit Dieselmotor genommen hatte. Mit dem Benziner hätte ich einen Tag länger gebraucht. 

Donnerstag, 27. August 2026

Überschriftslos

Die Pyramide im Hintergrund gehört zu unserem Saratower Gemeindezentrum. Das Holz im Vordergrund hingegen, zum nun ehemaligen Haus auf dem Nachbargrundstück. Vermutlich hat da jemand einen Plan. Ansonsten würde uns die Fläche gut als Parkplatz passen, besonders an den Sonntagen. 
Bevor ich dieses Bild auf dem Weg zur Arbeit aufnahm, hatte ich heute abermals einen Termin wegen der elektronischen Unterschrift, die ich als Leiter einer juristischen Person (Diözese) jährlich erneuern muss, am anderen Ende der Stadt. Heute erlosch die Gültigkeit der Unterschrift vom letzten Jahr. Und heute hat es endlich geklappt! Mit unserer Buchhalterin verließen wir die Steuerbehörde mit großer Erleichterung. Im Labyrinth der Großstadt brachte ich Sie an ihren eigentlichen Arbeitsplatz, bevor ich zur Autowerkstatt fuhr, wo mein im April bestellter Türgriff eingetroffen und passend zur Karossieriefarbe gefärbt war. Es blieb mir eine Stunde vor dem Mittagessen. Die verbrachte ich "mit Hochdruck", wie man in Deutschland heute gern sagt, im Büro. 
Am Nachmittag nahm ich bewußt einen kleinen Umweg nach Marx. Ich fuhr am Bahnhof der Stadt Engels vorbei, wo morgen vor 85 Jahren die Deportation der Wolgadeutschen nach Kasachstan und Sibirien begann. 
Hauptgrund meiner Fahrt nach Marx war heute nicht Urlaubsvertretung und die heilige Messe, sondern ein Fahrzeugwechsel. Um morgen nach Elista und übermorgen nach Pyatigorsk zu kommen, brauche ich ein Auto, das mit Diesel betankt wird. Benzin ist zu knapp und kann seit kurzem auch zu minderwertig sein. Ich wollte des Risiko nicht eingehen und stieg auf Pater Boscos Bulli um. Schon auf der Rückfahrt nach Saratow bestätigte sich die Richtigkeit der Entscheidung. Da, wo es Benzin gab, mussten die Autofahrer sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Diesel hingegen, fand ich an einer Tankstelle, an der ich der einzige Kunde war.