Mittwoch, 30. September 2026

Vorabend

Seit elf Jahren wird morgen wieder einmal eine Novizin unserer Schwestern in Marx ihre ersten Gelübde (für ein Jahr) ablegen, womit dann das zweijährige Noviziat abgeschlossen ist. Das neue Gewand, das sie ab morgen tragen wird, durfte ich heute Abend in einer kleinen Andacht segnen. In der morgigen Feier bekommt Schwester Maria dann auch den schwarzen Schleier, ein Kreuz und das Statut ihrer Ordensgemeinschaft überreicht. Das Datum hat mit der heiligen Theresia von Lisieux zu tun. Sie ist eine der Schutzpatroninnen der Gemeinschaft und wird morgen in der katholischen Kirche gefeiert.
Eine derer, die ihren Weg ins gottgeweihte Leben etwas später begonnen hatte und jetzt nach abgeschlossenem Studium nach Marx ziehen wollte, Viktoria, ist vor wenigen Wochen beim Versuch, ein ertrinkendes Mädchen zu retten, selbst ums Leben gekommen. Viktoria war 25. 

Fahrzeugsegnung

Um in den letzten Jahren auf mehr als das Doppelte gestiegene Preise für Neuwagen aus Europa, wie auch die anhaltende Benzinkrise, machen unsere Diaspora-Seelsorger, die auf ein Auto angewiesen sind, erfinderisch. Gebrauchtwagen aus asiatischen Ländern scheinen die optimalste Lösung zu sein, vorausgesetzt, man hat einen Fachmann bei der Auswahl dabei. Pater Tomasz hat das Glück, ein Auto gefunden zu haben, das sowohl mit Benzin als auch mit Gas betankt werden kann. Aus Anlass seines Besuchs in Marx, bat er mich heute, das Gefährt zu segnen. 

Bischofsweihe vor den Mauern

Kann man von lebendiger Freundschaft sprechen, wenn Tausende Kilometer zwischen den Wohnorten liegen und Begegnungen weniger als einmal aller paar Jahre möglich sind? Ja. Der Jesuitenpater Anthony Corcoran aus Arizona ist ein Beispiel dafür. Wenn man seine Biographie liest und versucht, sich ein wenig vorzustellen, welchen Weg ihn Gott bisher geführt hat, dann ist das wie ein spannendes Buch. 
Im Jahr meiner Bischofsweihe kam er nach Russland, wirkte im Vorseminar für die Priesterausbildung und in seiner Ordensgemeinschaft, bis ihn der Papst 2017 nach Kirgisien schickte. 
Gestern empfing der 63-jährige in der Basilika "Sankt Paul vor den Mauern" in Rom aus den Händen des elf Jahre jüngeren Kardinals Giorgio Marengo aus der Mongolei die Bischofsweihe. Ohne eigenes Bistum wird er weiterhin in dem mittelasiatischen Land Seelsorger und Vermittler sein, in dessen Hauptstadt Bischkek er begonnen hat, eine Kirche zu bauen. (Nach offiziellen Angaben leben in Kirgisien 670 Katholiken in drei Pfarreien.)
Es tut mir ein wenig leid, dass ich der Einladung zur Bischofsweihe nicht folgen konnte. Derartige Reisen sind in den letzten Jahren nicht nur extrem teuer, sondern eben auch sehr mühsam, (Nachtflüge, Verspätungen, Umwege). Da im Bistum genug anderes zu tun ist und ich nächste Woche sowieso nach Rom muß, habe ich gestern Abend - zufällig zeitgleich mit dem Weihegottesdienst in Rom - in unserer Saratower Kathedrale für ihn gebetet. 
Foto: P. Janez Sever SJ: Handauflegung - Bischofsweihe Anthony Corcoran 

Dienstag, 29. September 2026

Zuwachs in Alexejewka

Schon zwei Tage her, aber dennoch erzählenswert: Im entlegensten Dorf des Bistums Sankt Clemens (Alexejewka, Baschkortostan) wurde am Sonntag ein kleiner Georg getauft. Er ist das vierte Kind einer jungen Familie. Ich kenne seine Eltern seit der Zeit, als sie noch Kinder waren. Beim genauen Hinschauen kann man den Täufling am Foto nach der Sonntagsmesse entdecken. (Bild anklicken. Zehnter von rechts.)
Weil der Pfarrer wegen anderer Aufgaben unterwegs war, feierte Pater Marek aus Surgut, Sibirien den Sonntag mit der Gemeinde und taufte den Jungen. Für manche in der Gemeinde war das zudem ein Highlight, weil Pater Marek ein brühmter Blogger in katholischen Kreisen Russlands ist. 

Sonntag, 27. September 2026

Freitag, 25. September 2026

Home office und Haus-Besuch

Die Technik macht's möglich: Nach den drei im wahrsten Sinne bewegten Tagen, verbrachte ich einen Tag im Home office, im Büro zu Hause. 
Es war aber auch höchste Zeit, die vor Jahren erblindete und inzwischen an ihre Wohnung im 5. Stock gebundene Galina, wieder einmal zu besuchen. Es ist Monate her, dass sie die Sakramente der Buße und der Eucharistie empfangen konnte. So war ihr der heutige Nachmittag ein Fest. Eile ist da nicht geboten. 

Donnerstag, 24. September 2026

Aus dem Leben im Bistum - drei Tage von früh morgens bis spät abends


Ich bin aus Uljanovsk zurück. Sechseinhalb Stunden sind das im Auto bis nach Saratow. Jetzt erst komme ich kurz zum Schreiben. Gestern eine Firmung, heute Morgen eine Taufe. - Das waren dieses Mal nur "Nebensachen", wie auch der heutige Geburtstag des Pfarrers. Das zahlenmäßig am besten besetzte Dekant unseres Bistums hatte mich zur Teilnahme am vierteljährlichen Treffen der Priester und Ordensleute eingeladen. Thema im Arbeitsteil der Versammlung waren die Gedanken von Papst Leo gegenüber den pastoralen Mitarbeitern seiner Diözese (Rom), in denen es um die Hinführung zur Begegnung mit Christus ging, worauf in der pastoralen Arbeit mehr zu achten sei. Priester und Ordensschwestern des Dekanats Mittlere Wolga trafen sich ausgerechnet vorgestern und gestern, weil das Bauland für die Pfarrkirche am Fest des Schutzpatrons derselben gesegnet werden sollte, am 23. September, dem Todestag des heiligen Paters Pio von Pietrelcina, der dort in Uljanowsk besonders verehrt wird. Etwa 200 Gläubige hatten sich aus diesem Anlass auf dem uns zugewiesenen Grundstück versammelt. (An einem Schul- und Arbeitstag! Es war ein großes Fest.) Im Anschluss an die Segnung feierten wir 10 Minuten von da zu Fuss, direkt am Wolgastrand, Eucharistie in einem viereckigen, weißen Saal, den uns ein Freund der Gemeinde kostenlos zur Verfügung stellt, bis die Kirche fertig ist.  


Erst als das Fest mit Limonade und Kuchen für alle ausklang und die Sonne am anderen Wolgaufer unterging, fuhren wir zurück in die Altstadt, eigentlich totmüde. Doch die Freude des Tages war stärker. Ein heiterer Abend mit Liedern und Spielen zeigte erneut, wie jung die für die Seelsorge Verantwortlichen im Herzen sind. 

Dienstag, 22. September 2026

Was hat Lenin mit Pater Pio zu tun?


Eine Pause (Foto) zum Luft Schnappen und Beine Vertreten - mehr war nicht nötig auf der fünfeinhalb stündigen Fahrt von Marx nach Uljanowsk, in die Geburtsstadt Lenins, wo sich ab heute Abend die Priester und Ordensschwestern der Region Mittlere Wolga zur Dekanatskonferenz versammeln. Viermal im Jahr sollen derartige Dekanatstreffen stattfinden, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren. Die katholische Diaspora in Russland ist und bleibt eine große Herausforderung. 
Ich nehme am Treffen teil, weil es mit der Segnung des Grundstücks für den Bau einer katholischen Kirche zusammenfällt. Die Kirche soll nach Ihrer Fertigstellung dem Heiligen des morgigen Tages geweiht werden: Pater Pio von Pietrelcina.  

Sonntag, 20. September 2026

94 Jahre

Oma Katja ist das älteste Gemeindemitglied in Saratow, schon seit Jahren. Letzte Woche hatte sie Geburtstag. Der Blutdruck "springt" zurzeit zu sehr. Sie kann nicht zur Kirche kommen. Darum hatte Schwester Emilia mit der Kindergruppe der Pfarrei für heute nach der Messe vereinbart, dass sie zum Gratulieren fahren. Oma Katja wohnt drüben auf der anderen Wolgaseite, in Engels und muss zweimal umsteigen, wenn sie sonntags mit dem Stadtbus zur Messe kommt. Die Kinder gratulierten mit Luftballons und Torte. "Das werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen", bedankte sich die aus Belarus stammende Großmutter. Auch für die Kinder war es ein beeindruckendes Erlebnis, unter anderem, weil und wie sich die 94-Jährige an Namen erinnerte.