Montag, 2. November 2026

Lass sie ruhen in Frieden. Amen.

Zum heutigen Allerseelentag gehört für gläubige Katholiken traditionsgemäß ein Friedhofsbesuch mit dazu. Und da, wo die Priester nicht mit allen möglichen Amtsgeschäften überladen sind, gehen sie zur Gräbersegnung. 1991 hatten wir da hier an der Wolga Frost und kniehohen Schnee. Heute - plus 10 Grad. Ich bin einer von denen, die es heute nicht nach draußen geschafft haben, außer zur Messe am Morgen, die ich für die 16 seit meiner Bischofsweihe verstorbenen Seelsorger in meinem Bistum gefeiert habe: Wir nannten sie alle "Pater": Johannes, Kassian, Genrich, Jezhi, Jazek, Josef, Tomas, Zbigniew, Bernardo, Tomasz, Jan, Piotr, Krzysztof, Jezhi, Reinhard und Andrzej.  


In Marx - das blanke Gegenteil. Dort war Pater Bosco gleich auf mehreren Friedhöfen unterwegs. Hier am Grab von Tante Beate, der letzten russlanddeutschen Großmutter seiner Pfarrei, die vor 7 Jahren verstorben war. In den Jahren 1990/1991 hatte Tante Beate mir sonntags und montags gekocht, wenn ich die Gottesdienste in Kurgan Tjube, Tadschikistan, 95 km südlich von Duschanbe hatte. Später kam sie  mit ihrer Familie (3 Generationen) wegen eines Bürgerkrieges in ihrem mittelasiatischen Land zu uns an die Wolga. 

Wenn man den Hintergrund des Fotos ernst nimmt, dann scheint Tante Beates Grab eines der letzten christlichen in ihrem Dorf zu sein ... (Muss aber nicht so sein. Wenn es keinen eigenen muslimischen Friedhof im Ort gibt, werden die Gläubigen Muslime zumindest auf einer abgesonderten Fläche begraben.)

Sonntag, 1. November 2026

Ein Meisterfoto


Schwester Maria Elena ist nicht gerade als Star-Fotografin bekannt. Das Bild von ihrem Abendspaziergang unter der 2,8 km langen Wolgabrücke zwischen Saratow und Engels halte ich jedoch für ausgesprochen gelungen, so dass ich es hier zeigen möchte. Die Straßenlampen oben auf der Brücke spiegeln sich goldfarben in der leicht vom Wind bewegten Oberfläche des majestätischen Flusses. 

Taufe an Allerheiligen

Allerheiligen - ein großer Feiertag in der katholischen Kirche. Zu einem besonderen Fest wurde er in diesem Jahr für den kleinen Sachár, den ich heute während der heiligen Messe taufen durfte. Seine Eltern waren vor nicht allzu langer Zeit zugezogen. Der Taufpate reiste extra aus dem Nachbarland an. Da wollte ich im letzten Moment schon nicht mehr darauf pochen, dass die Mutter das Kind bei der eigentlichen Taufe auf dem Arm hält, was seine schöne und tiefe Bedeutung hat. So hatten wir es im Priesterseminar gelernt. (Manchmal höre ich vom Gegenteil in orthodoxen Kirchen, wo die Mutter bei der Taufe ihres Kindes draußen warten muss.) 
Im benachbarten Marx ging zur gleichen Zeit ein Dekanatsjugendtreffen zu Ende. Das Thema war spirituell einfach und anspruchsvoll zugleich: Berufung zur Heiligkeit und das Sakrament der Versöhnung. Die drei anwesenden Priester waren die Tage über als Spender des Bußsakraments gefragt. 

Samstag, 31. Oktober 2026

Wochenendgäste

Weil sie die Mädchen ihrer Kindergruppe an einem Wochenende eingeladen hatte, musste nun die Gerechtigkeit wiederhergestellt werden: Heute sind die Jungs zu Besuch bei Schwester Emilia. Natürlich komme ich als Nachbar der Schwestern bei solchen Aktionen "nicht ungeschont" davon. Auch das heutige Mittagessen wird es für alle bei mir geben, nämlich wenn Schwester Emilia mit ihren Gästen vom Fußball kommt. 

Freitag, 30. Oktober 2026

Das wäre beinahe schief gelaufen

An Bürotagen muss ich manchmal auf Früheres zurückgreifen, wie heute auf das Foto aus der Karl-Marx-Strasse in Marx. Links neben dem abgestellten Boot wohnten Onkel Wanja und Tante Rosa in einem kleinen Häuschen, bevor sie mit ihren erwachsenen Kindern nach Deutschland auswanderten. Als ich vor wenigen Tagen dort vorbei fuhr, erinnerte ich mich an einen Sonntag, an dem wir im Evangelium lasen: "Geh, verkaufe alles, was Du hast. Dann komm und folge mir nach." Am Nachmittag kam Onkel Wanja zu mir gelaufen und sagte atemlos: "Pater, Pater, die Rosa will's Haus verkaufe'!" Da mußte ich mit, um die Heilige Schrift zu erklären. - Ein ignatianisches Argument half dann schließlich, dass nämlich der Wille Gottes immer vernünftig sei. 

P.S. In eigener Sache: Wer gern abends anruft oder schreibt, möge in sein Vorhaben einbeziehen, dass wir seit Sonntag wieder 3 Stunden Zeitunterschied mit Mitteleuropa haben. 

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Der Engel des Herrn

Abends für meine Kranken ... 


  • Gebetszeiten: Traditionell wird das Gebet dreimal am Tag gebetet: morgens, mittags (12:00 Uhr) und abends.
  • Glockenläuten: Das sogenannte Angelus-Läuten der Kirchenglocken erinnert die Gläubigen an diese Zeiten.
  • Ursprung: Es geht auf das 13. Jahrhundert (Franziskaner) zurück und wurde in seiner heutigen Form 1571 von Papst Pius V. bestätigt.

Mittwoch, 28. Oktober 2026

Erfinderisch muss man sein

Ganz im Südwesten unseres Bistums lebt seit Jahren Pater Daniel. Außer seiner Pfarrgemeinde vor Ort (Anapa) betreut der Seelsorger auch die katholischen Christen in Gelendzhik, Novorossijsk und Krimsk. Die Herbstferien nutzend, hatte er sich gestern mit Eltern und Kindern zu einer kleinen Wallfahrt verabredet: Hoch über Gelendzhik, am Ufer des Schwarzen Meeres, steht ein großes Kreuz. Der Weg dorthin ist steil und mühsam. Nicht jeder schafft es bis nach ganz oben. Gut motiviert, nämlich mit einer Gebetsintention (Für wen wollt Ihr gehen? Worum wollt Ihr den Herrn bitten?), wagte sich die kleine Pilgergruppe auf den Weg und ... kam auch oben an, müde und froh, wie man sieht. 
Wir haben keine typischen Wallfahrtsorte im Bistum. Aber das weiß der liebe Gott ja auch. Er schaut aufs Herz.

Montag, 26. Oktober 2026

Aus dem Leben (s.o.)

Wäre ich Schuld daran gewesen (Foto), hätte ich mich doch wohl geschämt, es hier zu erwähnen. Es ist auch schon ein paar Tage her. Ich war im Auto unserer Schwestern auf dem Weg zu meinem Flug nach Rom. Da ließ ich an der Auffahrt zur Umgehungsstraße vorschriftsmäßig ein Auto passieren, das genau aus Richtung der aufgehenden Sonne kam. Der Fahrer im neuen chinesischen SUV hinter mir hat es vermutlich nicht gesehen ... Alles ist friedlich geklärt. Das Schwierigste ist die Suche nach Ersatzteilen. 

Der heutige Tag war der Nacharbeit gewidmet. Innerhalb der zwei Sitzungstage der Bischofskonferenz wird viel besprochen, verteilt, entschieden, ... was dann weitergegeben oder in die Praxis umgesetzt werden muss. 

Morgen früh fahre ich mit dem Generalvikar, Pater Diogenes, in ein Ferienlager, das vielleicht der Austragungsort unserer nächsten Pastroralkonferenz wird, die im Frühjahr 2027 stattdfinden soll. Alles in allem werden das knappe 7 Stunden Fahrt. - Viel Zeit, in der wir möglicherweise endlich einmal dazu kommen, in Ruhe zu besprechen, was schon lange "dran" ist. Ich hoffe, das Benzin reicht für hin und zurück.

Sonntag, 25. Oktober 2026

Das Nebenbei des heutigen Sonntags

Am frühen Abend, bei sehr klarem Himmel, kehrte ich von einem Krankenbesuch zurück. (Foto) An einer Tankstelle gab es 95-er Benzin zu einem annehmbaren Preis. Nach wenigen Kilometern begann ich dann aber begründet daran zu zweifeln, ob die Qualitätsangabe auf dem Kassenbon stimmte.
Erstmals hatten sich heute nach der Sonntagsmesse in Saratow Eltern und Kinder gemeinsam zu einem Bibelkreis versammelt. (Die Kinder hatten schon früher um gemeinsames Lesen der Heiligen Schrift gebeten. Eigeninitiative!) 
Ein Gast, der über Nacht mit dem Zug gekommen war, wurde während des Schlafs bestohlen. Lustig, gleichzeitig aber auch vielsagend: Nicht auf Geld oder das Handy hatte es der Dieb abgesehen, sondern auf die Reisebrote, die sich unser Gast fürs Frühstück mitgenommen hatte.